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Vorarlberger Autor mit historischem Roman "Klopfzeichen"

Das Spiel mit den Vielen: Bastian Kressers Roman "Klopfzeichen".
Das Spiel mit den Vielen: Bastian Kressers Roman "Klopfzeichen". ©Wilfinger
Drei Frauen stehen im Zentrum des neuen Romans des Vorarlbergers Bastian Kresser. Er spürt in "Klopfzeichen" dem Schicksal der Spiritistinnen Kate, Maggie und Leah Fox Mitte des 19. Jahrhunderts nach.

Vordergründig ein historischer Roman, berührt das von Tatsachen inspirierte Buch doch höchst Aktuelles: wie sich Massen manipulieren lassen und die öffentliche Meinung beeinflusst wird. Dass die Menschheit in den 170 Jahren seither kaum dazugelernt hat, gibt Anlass zur Sorge.

Es beginnt als ein gruseliges Kinderspiel, das die elf und 14 Jahre alten Schwestern Kate und Maggie Fox 1848 in der amerikanischen Kleinstadt Hydesville spielen: Im Haus der in schwierigen Verhältnissen lebenden Familie kommunizieren die beiden über knackende Geräusche - "Klopfzeichen" - mit Geistern aus dem Jenseits. Bald ziehen die jungen Frauen als Medien, die die Geister der Toten beschwören können, die leichtgläubigen Massen an. Denn das Bedürfnis, mit verstorbenen Lieben zu sprechen und den Rat der Geisterwelt einzuholen, ist groß. Ihre ältere Schwester Leah entdeckt das "Handwerk" ihrer Geschwister rasch als lukrative Einkommensquelle und als Möglichkeit, ihrer Unfreiheit zu entkommen. "Wir haben das Recht, nach Glück zu streben, und wir werden es nicht dem Zufall überlassen", sagt Leah, die als geschickte Managerin die Vermarktung übernimmt.

Schwestern Fox tourten durch USA

Die Schwestern Fox - von Anhängern gefeiert, von Gegnern verteufelt - touren in damals für Frauen ungewöhnlicher Selbstbestimmtheit als Vorreiterinnen des Spiritismus durch die USA. Ihre Skeptiker überzeugen die nach gesellschaftlichem Aufstieg strebenden Schwestern, indem sie Untersuchungen ihrer unerklärlichen Fähigkeiten erlauben, und mit klugem Marketing: zu ihren Séancen laden sie Intellektuelle, die die Popularität des Spiritismus durch ihre Berichte weiter befeuern und seine Glaubwürdigkeit erhöhen. Die Spiritistinnen, deren Ruhm allerdings auch kaum zu bewältigende Schattenseiten aufweist, begegnen zahlreichen Persönlichkeiten, die die jungen USA prägten, Autoren wie "Lederstrumpf"-Autor James Fenimoore Cooper, "The Poets and Poetry of America"-Verfasser Rufus Griswold, Zeitungsverleger Horace Greeley, Abolitionist Frederick Douglass, Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton und Polarforscher Elisha Kent Kane, mit dem Maggie Fox eine umtuschelte Liaison eingeht.

Vierter Roman von Bastian Kresser

Erstmals literarisch in Erscheinung trat der 1981 in Feldkirch geborene Kresser, als er nach einem Amerikanistik-Studium gemeinsam mit Michael Köhlmeier die Gedichte des amerikanischen Lyrikers Wallace Stevens übersetzte. Sein Romandebüt "Ohnedich" erhielt 2014 den achensee.literatour-Preis. Sein nunmehr vierter Roman "Klopfzeichen", von historischen Tatsachen inspiriert, bedient weniger die Lust am Unheimlichen, vielmehr interessiert er sich für die Psychologie seiner nach außen starken, innerlich brüchigen Frauenfiguren. Sie sind einerseits Töchter ihrer Zeit, aber zugleich stoßen sie die Tür in eine andere Welt auf - einer, in der Frauen unabhängig vom Willen ihrer Ehemänner und Väter aus eigener Kraft nach ihrem Glück streben können. "Wenn du erfolgreich sein willst, dann musst du neue Wege einschlagen und nicht auf den ausgetretenen Pfaden des gemeinhin akzeptierten Erfolgs marschieren.", lautet denn auch ein dem Roman vorangestelltes Zitat von John D. Rockefeller.

Sehnsucht nach Sicherheit und Wundern

Zum Schluss hin verlangt das Buch einen langen Atem vom Leser - es ist, als könnte der Autor seine Figuren nicht loslassen. Dennoch gelingt es dem Roman, das Interesse an Aufstieg und Fall der berühmten Fox-Schwestern zu halten. "Klopfzeichen" vermittelt ein Bild der Gesellschaft der damaligen USA mit all ihren teilweise bis heute bestehenden Widersprüchen, man kann das Buch aber auch als sehr heutige Geschichte lesen, denn heute wie damals sehnen sich Menschen in unsicheren Umbruchszeiten voller neuer Berufe und Technologien, in einer überfordernden Wirklichkeit, nach Sicherheit, nach Wundern in einer nüchtern gewordenen Welt.

Bastian Kresser: "Klopfzeichen".
Braumüller Verlag, 432 Seiten, 24 Euro.
Lesungen:
- 16. September, 19 Uhr, Thalia Buchhandlung Landstraßer Hauptstraße 2a/2b, 1030 Wien
- 18. Oktober, 20 Uhr, Vorarlberger Landesbibliothek, Fluherstraße 4, Bregenz

(APA)

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