Auf dem Grundstück in Bildmitte mit Anschluss an die Zellgasse in Lustenau ist das VOGEWOSI-Projekt geplant - allerdings auch die S-18-Anschlussstelle Lustenau.
Auf dem Grundstück in Bildmitte mit Anschluss an die Zellgasse in Lustenau ist das VOGEWOSI-Projekt geplant - allerdings auch die S-18-Anschlussstelle Lustenau. ©Paulitsch

Vorarlberg: VOGEWOSI-Projekt gefährdet wichtige S-18-Anschlussstelle in Lustenau

Seit Jahrzehnten wird in Vorarlberg über die Errichtung der Verbindungsstraße S 18 im unteren Rheintal zwischen dem hochrangigen Straßennetz in Vorarlberg und der Schweiz diskutiert.

Zwischenzeitlich haben sich aus unzähligen Planungen, kostspieligen Vorverfahren und Prüfungen die sogenannte Z-Variante und die CP-Variante als beste Varianten herauskristallisiert, wobei sowohl das Land Vorarlberg als auch die Marktgemeinde Lustenau die Z-Variante zur Entlastung der verkehrsgeplagten Region favorisieren.

Sozialprojekt könnte Anschlusstelle verhindern

Und jetzt kommt es: Ausgerechnet ein geplantes Sozialwohnbauprojekt der öffentlichen Wohnbaugesellschaft VOGEWOSI könnte eine der wichtigsten Anschlussstellen an die geplante S 18 in Lustenau verhindern. Konkret geht es um die in der Z-Variante vorgesehene Anschlussstelle ‘Lustenau Mitte’ im Bereich Zellgasse/Bruggerwiesen. Genau diese Anschlussstelle würde unter anderem der schon lange geforderten besseren Verkehrsanbindung des Lustenauer Industriegebietes Nord mit unzähligen Betrieben und Mitarbeitern dienen. Wird das Bauprojekt der VOGEWOSI in der geplanten Form umgesetzt, dann ist die geplante Anschlussstelle Geschichte. Und im näheren Umfeld ist auch keine andere Anschlussvariante mehr möglich, wie Luftbilder zeigen.

Planungen schon weit fortgeschritten

Die Planungen zu dem neuen VOGEWOSI-Projekt mit dem Arbeitstitel “Bruggerwiesen” sind bereits weit fortgeschritten. Auf der VOGEWOSI-Internetseite wird es in der Rubrik “Wohnanlagen in Vorbereitung” geführt. Eine der wpa vorliegende Planungsskizze zeigt vier größere Baukörper, mit welchen das noch freie Grundstück an der Zellgasse mehr oder weniger zur Gänze erschlossen werden würde. Alexander Pixner, technischer Leiter der Wohnbaugesellschaft, bestätigte auf wpa-Anfrage das Bauvorhaben auf einer Grundstücksfläche der VOGEWOSI in Lustenau.

VOGEWOSI weiß um Problematik dieses Grundstückes

Vorgesehen sind gemäß Pixner vier Baukörper mit insgesamt 38 Wohnungen und einer größeren Kinderbetreuungseinrichtung. Derzeit befinde man sich in der Planungs- und Projektierungsphase. Nach einem allfälligen Baubescheid wolle man so rasch wie möglich mit der Bautätigkeit beginnen, so Pixner. Er erklärte in dem Zusammenhang, dass es bei der VOGEWOSI bekannt sei, dass es sich bei dem besagten Grundstück an der Zellgasse um die geplante Anschlussstelle ‘Lustenau Mitte’ der Z-Variante der S 18 handle. Deshalb befinde man sich in Gesprächen mit dem Land Vorarlberg und der Marktgemeinde Lustenau, wie man dieses Problem lösen könne.

Bürgermeister Kurt Fischer im VOGEWOSI-Aufsichtsrat

In Lustenau hat sich das geplante Projekt der VOGEWOSI schon herumgesprochen. Dem Vernehmen nach gibt es unter anderem bereits eine Anmeldeliste für die geplante Kinderbetreuungseinrichtung. Da die Anlage auf der Internetseite angeführt wird, gibt es zudem bereits Anfragen von interessierten Mietern, zumal die Anlage als “Wohnen-600”-Projekt geplant ist, also eine Wohnung nicht mehr als 600 Euro pro Monat an Miete kosten soll. Das Pikante an der Sache: Ausgerechnet der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer, der sich wiederholt für die Z-Variante und die Lösung der Verkehrsproblematik in seiner Gemeinde ausgesprochen hat, gehört dem Aufsichtsrat der VOGEWOSI an. Nach vorliegenden Informationen hat Fischer dem Projekt in einer Aufsichtsratssitzung zugestimmt. Gleichzeitig ist Fischer als Bürgermeister auch die oberste Baubehörde der Gemeinde. Er dürfte über diese Planungen also vollumfänglich informiert (gewesen) sein.

Fischer: “Wollen Lösung, welche die Anschlussstelle nicht verhindert”

Auf Anfrage sagte Kurt Fischer, dass diese geplante Grundstücksbebauung durch die VOGEWOSI tatsächlich “ein Knackpunkt” in den Planungen für die Anschlussstelle ‘Lustenau Mitte’ sei. Als Baubehörde könne er so einen Neubau nur schwer verhindern. Man müsse in dem Fall froh sein, dass es sich beim Grundstückseigentümer um die mehrheitlich in Landesbesitz stehende VOGEWOSI handle und man hier noch verhandeln könne. “Wir wollen auf alle Fälle eine Lösung, welche die Anschlussstelle an die geplante S 18 nicht verhindert.” Allerdings müsse man sich hier dann auch die Frage stellen, was mit dem Grundstück passiert, das möglicherweise die nächsten zehn bis 15 Jahre weiterhin unbebaut sein würde. Wie es allerdings überhaupt so weit kommen konnte, dass die VOGEWOSI genau an dieser Stelle ein quasi einreichungsfähiges Projekt entwickelt, bleibt unbeantwortet.

Landesrat Rüdisser: “Das ist ein Schildbürgerstreich”

Klartext spricht in diesem Zusammenhang Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser. “Das Problem ist vor wenigen Wochen auf meinem Schreibtisch gelandet. Das kann es doch wirklich nicht sein, dass die VOGEWOSI ausgerechnet genau dort ein Projekt errichten will, wo nach vielen Jahren der Planung eine wichtige Anschlussstelle an die S 18 vorgesehen ist. Im weiteren Umfeld gibt es da keine andere Möglichkeit. Das wäre dann wohl wirklich ein Schildbürgerstreich, weil ja auch das wichtige Industriegebiet Nord nicht angeschlossen werden könnte.”

Krisensitzung im Landhaus

Wie die Projektplanungen überhaupt so weit gedeihen konnten, könne er sich nicht erklären. “Das muss man in Lustenau nachfragen. Die Marktgemeinde ist oberste Baubehörde. Möglicherweise liegt es an einer etwas mangelhaften Kommunikation zwischen Gemeinde und VOGEWOSI”, sagte Rüdisser. Deshalb gebe es in den nächsten Tagen eine Besprechung bei ihm, wo VOGEWOSI, Lustenau und das Land eine Lösung für dieses Problem suchen werden, so Rüdisser. Möglich wären eine Reduzierung des Bauprojektes oder die Errichtung auf einem anderen Grundstück, sofern das Bauvorhaben in der geplanten Form die Anschlussstelle tatsächlich unmöglich machen würde. “Jedenfalls kann es keine Lösung auf Kosten der VOGEWOSI geben.” Dass die VOGEWOSI das Projekt durchdrücken werde wollen, glaubt Rüdisser aber auch nicht und verweist auf den 75-prozentigen Anteil des Landes am gemeinnützigen Wohnbauträger.

(wpa)

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