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Vorarlberg stemmt sich gegen das Insektensterben

Alarmierende Nachrichten aus grenznahen Regionen in Deutschland: Das Insektensterben schreitet voran - in Vorarlberg stellt sich die Situation durch die ländlichen Strukturen laut inatura-Experte Klaus Zimmermann zum Glück noch anders dar.
Zahl der Insekten um 75 Prozent gesunken

Insekten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Fische, Vögel und Fledermäuse. Diese ernähren sich von den ausgewachsenen Flugtieren und deren Larven. Sterben die Insekten aus, verschwindet mit ihnen auch ein Teil der Nahrungskette und bedroht damit die Existenz vieler Arten. Insekten sind entscheidende Faktoren für den komplexem Lebenszyklus in unserer Welt. Das Insektensterben ist somit als alarmierende Bedrohung unserer Zivilisation zu sehen.

Kleinräumigkeit als Vorteil im Ländle

Fragt man Klaus Zimmermann, Biologe und Fachberater der inatura in Dornbirn, herrscht in Vorarlberg noch eine bessere Situation als an so manchen anderen Orten. In Vorarlberg gibt es eine nicht so großflächige Landwirtschaft und einen anderen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Kleinräumigkeit bringt laut Zimmermann auch eine größere Vielfalt an Lebensräumen und somit auch an Insekten.

klaus-zimmermann
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Artenvielfalt erhalten und Chancen nutzen

Das Insektensterben schreitet jedoch voran, die Bedrohungsfaktoren seien nur in unterschiedlichen Ausweitungen vorhanden. In diesem Zusammenhang sei es besonders wichtig, die Artenvielfalt an Pflanzen zu erhalten. Dies sei eine Herausforderung als Gegenmaßnahme für das Sterben. Ein Verzicht oder ein bewusster und begrenzter Einsatz von Pestiziden sei ebenfalls ein wichtiger Punkt. Diese Spritzmittel führen zum Insektensterben und sollten daher aus der Landwirtschaft und den Privatgärten verbannt werden.

Landwirtschaftliche Strukturen in Vorarlberg von Vorteil

In Vorarlberg sind die landwirtschaftlichen Strukturen und der Umgang mit dem Thema ein Vorteil, hält Zimmermann gegenüber VOL.AT fest. Um dem Insektensterben entgegenzuwirken solle man die Möglichkeiten wahrnehmen und die Chance noch viel zu tun auch nutzen.

schwaerzler-wallner-land-vorarlberg
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In Vorarlberg kämpft man besonders gegen das Bienensterben. Von 10.000 Bienenvölkern haben nur die Hälfte den vergangenen Winter überlebt. Eine alarmierende Situation für die Ländle-Imker und Landwirte, da rund 80 Prozent der Kulturpflanzen auf den Blütenbesuch durch die Honigbiene angewiesen sind. Aus diesem Grund hat das Land Vorarlberg im Jahr 2017 auch zusätzliche finanzielle Mittel in Höhe von insgesamt 102.000 Euro  für die Imker in Vorarlberg freigegeben.

Bienen: Wichtige Funktion

“Die Imker und ihre Bienenvölker erfüllen als Teil unserer Landwirtschaft eine wichtige Funktion. Sie sind unverzichtbar für den Erhalt der Pflanzenvielfalt in unserer Natur”, betonten erst kürzlich Landeshauptmann Markus Wallner und Agrarlandesrat Erich Schwärzler gegenüber den VN.

Insektenbestand um 75 Prozent gesunken

Wie “all-in.de” berichtet, sterben die Insekten derzeit in Scharen, auch an der Grenze zu Vorarlberg – im Allgäu. Der schwäbische Regionalreferent im Bund Naturschutz Thomas Frey sieht laut “all-in.de” vor allem eine Bedrohung für Schmetterlinge, Libellen und Heuschrecken. In knapp 30 Jahren ist der Bestand in Deutschland um mehr als drei Viertel geschrumpft.

Es bleibt ein kümmerlicher Rest

Insektenforscher aus dem deutschen Krefeld haben zusammen mit holländischen Biologen das Verschwinden der Insekten genauer unter die Lupe genommen. Fast 30 Jahre lang wurden zu diesem Zweck Insektenfallen aufgestellt. Das traurige Ergebnis: Selbst in geschützten Naturflächen ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig, von ehemals fünf Insekten ist nur noch eines vorhanden.

Die üblichen Verdächtigen

Einen klaren Auslöser oder Beweis für das Aussterben mancher Arten gibt es keinen, es finden sich aber die üblichen Verdächtigen. Die, in der Landwirtschaft verwendeten, Pflanzenschutzmittel bekämpfen nicht nur Schädlinge, sondern auch nützliche Fluginsekten. Auch die übermäßige Verwendung von Gülle als Dünger ist eine Gefährdung für Insekten. Die Düngemittel zerstören das natürliche Nährstoffgewicht und somit auch die Lebensgrundlage der kleinen Nutztiere.

Zu wenig Grünflächen vorhanden

Der Mangel an natürlichen Grünflächen könnte ein Auslöser für das Artensterben sein, zu groß und monoton sind manche Wiesen. Auch der allgegenwärtige Klimawandel macht den Insekten zu schaffen. Als zusätzlichen Auslöser sehen die Biologen die Wasserkraft, die mit den schlammigen Kiesbänken auch die Kinderstube der Insektenlarven zerstört.

Bienen als wichtigste Nutztiere

Auch heute werden Insekten noch als Schädlinge und unnütze Störenfriede empfunden – zu Unrecht. Nicht umsonst bezeichnet das Umweltinstitut in München Bienen als die wichtigsten Nutztiere, drei Viertel aller Kultur- und Nutzpflanzen wachsen nur mit der Unterstützung der Insekten. Diese bestäuben die Blüten und lassen so die wertvollen Früchte entstehen. Zudem halten sie Schädlinge wie Blattläuse in Zaum und unseren Planeten sauber (z.B. Mistkäfer und Kuhfladen). (VOL.AT)

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