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Vorarlberg: Simon Fujiwara bringt das Anne-Frank-Haus ins Kunsthaus Bregenz

Der britische Künstler Simon Fujiwara bringt das Anne-Frank-Haus nach Bregenz.
Der britische Künstler Simon Fujiwara bringt das Anne-Frank-Haus nach Bregenz. ©Steurer
Der britische Künstler Simon Fujiwara bringt das Anne-Frank-Haus als gigantische Skulptur ins Kunsthaus Bregenz (KUB).
"Hope House" von Simon Fujiwara
NEU

Die in Bregenz gezeigte Installation “Hope House” (27. Jänner bis 2. April) geht aber weit über die bloße Rekonstruktion des Amsterdamer Anne-Frank-Hauses hinaus. Fujiwara macht den grundsätzlichen ethischen Konflikt offensichtlich, der im Kapitalismus steckt.

Gebäude in einem Gebäude

“Hope House” ist ein Gebäude in einem Gebäude (die Installation erstreckt sich über alle drei Stockwerke des KUB), ein Museum in einem Museum. Es ist größtenteils begehbar und wer will, kann sich wie im originalen Wohnhaus durch enge, schwach beleuchtete Korridore schlängeln, um zur Reproduktion des Bücherschranks zu gelangen, hinter dem sich die Familie Frank vor den Nationalsozialisten versteckte. Der Bücherschrank aber ist nicht mit irgendwelchen Büchern gefüllt – sondern ausschließlich mit Exemplaren des Erotikwerks “Fifty Shades of Grey”.

Überhaupt ist das “Hope House” – anders als das Anne-Frank-Haus – mit allerhand modernen Kunstwerken und Alltagsgegenständen gefüllt, die dem Besucher die kapitalistische Welt vor Augen halten, in der wir leben. Oft sind damit auch unangenehme Entscheidungen verbunden, wie Fujiwara bei der Presseführung im KUB klar machte.

Tapete aus der DDR

Bei seiner ersten Führung durch das Anne-Frank-Museum im vergangenen Jahr lernte er, dass in dem Gebäude praktisch nichts im Originalzustand erhalten ist. Das Haus wurde erst nach dem ersten Hollywood-Film über Anne Frank gekauft und seither mehrere Male renoviert, um es so authentisch wie möglich darzustellen. Dazu gehörte etwa auch eine Tapete, nach der sich Fujiwara erkundigte. “Mir wurde gesagt, dass sie in der DDR hergestellt worden war”, erzählte der Künstler.

Eine DDR-Tapete im Anne-Frank-Haus, wie ist das möglich? “Die Designer mussten eine pragmatische Entscheidung treffen”, so Fujiwara. Nimmt man die authentischste Tapete, um ein entsprechendes Erlebnis zu vermitteln oder begnügt man sich mit der zweitbesten, um vielleicht einem moralischen Konflikt zu entfliehen? “Ich weiß nicht, was besser ist”, stellte der 1982 geborene Fujiwara offen fest.

Terror, Angst und Verfolgung

Es ist dieser Konflikt, mit dem der Besucher durch die KUB-Installation wieder und wieder konfrontiert wird. Eingebettet ist er in vielfältiger Form – auch als Video und Skulptur – in die Umgebung des Anne-Frank-Hauses, das Werte wie Hoffnung, Unschuld, Empathie ebenso repräsentiert wie Terror, Angst und Verfolgung. Und obwohl das Anne-Frank-Haus alle die damit einhergehenden Emotionen und Eindrücke zu vermitteln mag, ist es am Ende doch auch ein – allerdings perfekt gestaltetes – Produkt. Wäre es kein an unsere Zeit angepasstes Produkt, so würde es das Haus heute auch nicht mehr geben, so Fujiwara.+

“Ausstellung Kunstgeschichte machen wird”

Fujiwara ist aber niemand, der den Umstand bewertet, dass beinahe alles ein Produkt ist. Es ist, wie es ist. “Die Ausstellung ist ein Spiegel. Ich weiß nicht, was sie bedeutet”, sagte er. Er wünsche sich vom Besucher lediglich, dass er durch die Ausstellung gehe und Erfahrungen mache. Für KUB-Direktor Thomas D. Trummer war klar, dass die “Ausstellung Kunstgeschichte machen wird”.

Erstmals präsentiert wurde “Hope House” im vergangenen Herbst in der Dvir Gallery in Tel Aviv, seitdem hat sich die Installation aber bereits wieder verändert. “Ich würde sehr gerne sehen, dass ‘Hope House’ auch an anderen Orten gezeigt wird, mit jeweils anderen Gegenständen und Gedanken bereichert”, sagte Fujiwara. Die Idee zu seiner Installation lieferte ihm übrigens ein Bastel-Bausatz des Anne-Frank-Hauses aus Karton, den Fujiwara am Ende der Führung in Amsterdam um 12,50 Euro kaufte. Das Zusammenbauen des Modells habe sich seltsam angefühlt – auch weil die Macht in seinen Händen lag, es so zusammenzustellen, wie er wollte.

(APA)

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