Vorarlberg schloss Versicherung für Ehrenamtliche ab

Bregenz - Mit der Einführung der Vorarlberger Ehrenamts- und Freiwilligenversicherung werden die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement weiter verbessert.
Neu: Versicherungsschutz für Ehrenamtliche

“Wir wollen die hohe Bereitschaft vieler Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, sich freiwillig in Vereinen bzw. für die Gesellschaft einzubringen, tatkräftig unterstützen. Dazu gehört es auch, Klarheit und Sicherheit in Bezug auf allfällige Haftungs- und Unfallrisiken zu schaffen”, erläuterte Landeshauptmann Herbert Sausgruber dieses neue Angebot im Pressefoyer am Dienstag.

   Gut 46 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung sind mehr als vier Stunden in der Woche ehrenamtlich tätig – im Sozialdienst, durch Nachbarschaftshilfe, in Sport und Kultur, bei Rettung und Feuerwehr, im Umwelt-, Natur- und Tierschutz, aber auch in Religion und Politik. Manfred Hellrigl vom Zukunftsbüro veranschaulichte dieses Engagement mit Zahlen: “140.000 Menschen sind in Vorarlberg ehrenamtlich tätig, die geleistete Arbeit entspricht umgerechnet bis zu 20.000 Vollzeitarbeitsplätzen.”

Versicherungsschutz

   Meist merken ehrenamtlich Engagierte erst im konkreten Schadensfall, dass kein oder nur ungenügender Versicherungsschutz besteht. Diese Lücke wird nun geschlossen, kündigte der Landeshauptmann an: “Ab sofort tritt eine Sammel-Haftpflicht und ein Sammel-Unfallversicherungsvertrag für Ehrenamtliche bzw. freiwillig Tätige in Kraft.” Der gebotene Versicherungsschutz besteht subsidiär, das heißt eine anderweitig bestehende Haftpflichtversicherung ist im Schadensfall vorleistungspflichtig.

   Versichert sind alle Personen, die in rechtlich unselbstständigen Vereinigungen oder in Vereinen gemäß Vereinsgesetz für das Gemeinwohl in Vorarlberg ehrenamtlich tätig sind. Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind Vereine, die ihre Aufgaben durch Arbeitnehmer und Quasi-Arbeitnehmer erfüllen, sowie Personen zum Zeitpunkt des Ausübens einer Sportart. 

   Personen- und Sachschäden sind bis drei Millionen Euro versichert – mit einer Selbstbeteiligung von 350 Euro bei Sachschäden. Beim Unfallversicherungsschutz wurden die Leistungen wie folgt festgelegt: Bei dauernder Invalidität je nach Grad der Beeinträchtigung bis zu 212.500 Euro (bis zu einem Grad von 25 Prozent wird keine Leistung erbracht), im Todesfall 10.000 Euro, für Rehabilitationskosten 2.000 Euro und für Bergungskosten 10.000 Euro.

Neuland

   Mit diesem Versicherungsangebot begeben wir uns auf Neuland, da noch keine Erfahrungswerte vorliegen, sagte der Vorstandsdirektor der Vorarlberger Landesversicherung, Robert Sturn. Die Jahresprämie beträgt knapp 40.000 Euro – “das sind zehn Cent pro Einwohner”, rechnete Sturn vor. Die Versicherung wurde vorerst auf ein Jahr – mit der Möglichkeit einer Verlängerung – abgeschlossen, informierte der Landeshauptmann – und “die Prämie wird vom Land bezahlt.”

Schadensbeispiele

– Die Leiterin der Elterninitiative “Hausaufgabenbetreuung” ist nicht in Reichweite, als ein Kind einem anderen mit einem Bleistift Stichwunden zufügt. Sie wird wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht zur Verantwortung gezogen.

– Eine Mitarbeiterin eines Projekts “Altenpflege selbst organisiert” kommt auf dem direkten Heimweg von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu Sturz. Sie erleidet einen komplizierten Trümmerbruch im Bein. Die Bewegungsfähigkeit des Beines bleibt dauerhaft beeinträchtigt.

Einfache Abwicklung

   Das Versicherungsmodell wurde in enger Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Landesversicherung ausgearbeitet. Dabei wurde auf eine möglichst einfache Abwicklung geachtet. Es müssen im Vorfeld keine Anmeldungen bzw. Registrierungen von Ehrenamtlichen erfolgen, im Schadensfall ist eine Meldung an das Land ausreichend.

   Die Formulare zur Schadensmeldung können auf http://www.vorarlberg.at/ heruntergeladen werden (ab Donnerstag, 23. Juli). Einfach ausfüllen und per Post oder per Fax an die auf dem Formular angeführte Adresse senden. Mehr zum ehrenamtlichen Engagement in Vorarlberg auf  www.vorarlberg.at/ehrenamt.

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