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Vorarlberg: Mit Beharrlichkeit und Kooperation zum Erfolg

Auszeichnung der Agrargemeinschaft Frassenwald, Raggal, mit dem Staatspreis für vorbildhafte Waldwirtschaft.
Auszeichnung der Agrargemeinschaft Frassenwald, Raggal, mit dem Staatspreis für vorbildhafte Waldwirtschaft. ©VLK/Doris Wild
Die Agrargemeinschaft Frassenwald, die in der Berggemeinde Raggal den Schutzwald direkt über dem Siedlungsgebiet bewirtschaftet, ist mit dem Staatspreis für vorbildhafte Waldwirtschaft ausgezeichnet worden.

Landesrat Christian Gantner gratuliert herzlich zu dieser Auszeichnung. Die Verantwortlichen der Agrargemeinschaft zeigen, dass nachhaltige und innovative Waldbewirtschaftung auch im Schutzwald zu Erfolgen führt.

Hochwertige Holzqualität

Neben der Schutzwaldfunktion stellen die rund 200 ha Ertragswald für die ca. 70 Mitglieder zählende Agrargemeinschaft die einzige Einnahmenquelle dar. Aufgrund der schattseitigen Lage der Waldflächen und der wüchsigen Böden im niederschlagsreichen Großwalsertal ist Potential für sehr hochwertige Holzqualität bis hin zum Klangholz für Instrumentenbauer vorhanden. Bis in die 1980er-Jahre waren die Waldflächen aufgrund von Überalterung, mangelnder Erschließung, langjähriger Waldweide sowie überhöhten Schalenwilddichten in einem desolaten Zustand. Der Spagat für die Betriebsführung bestand also darin, den Wald in Wert zu setzen und gleichzeitig die Schutzfunktionsfähigkeit zu verbessern.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die ganzheitliche Herangehensweise. Das heißt zunächst die Beseitigung der Gefährdungen für den Wald, bevor mit dem Waldumbau begonnen wurde. Dazu holte man die WLV als kompetenten Partner mit ins Boot. Nach Ausarbeitung eines Flächenwirtschaftlichen Projekts begann man mit der Erschließung der Waldflächen und mit technischen Verbauungen zur Unterbindung des Steinschlag- und Lawinengeschehens. Gleichzeitig wurde die Jagd intensiviert, um bestmögliche Bedingungen für eine reichhaltige Naturverjüngung zu schaffen.

Klare Zielsetzungen und Kontinuität

Von Beginn an wurde allen Beteiligten und Partnern klargemacht, dass die reichhaltige und artenreiche Naturverjüngung der Wälder – insbesondere auch mit Weißtanne – absolute Priorität hat. Dadurch wurden Kosten für Aufforstung und Kulturpflege gesenkt und die eingesparte Arbeitskapazität konnte in die Stabilitäts- und Qualitätspflege der übrigen Bestände verlagert werden. Man erkannte sehr früh, dass die entgangene Jagdpacht vielfach durch die Fortschritte in Qualität und Mischung der Waldverjüngung kompensiert wird.

Trotz Gegenwind hat man hier nach ersten Erfolgen nie nachgelassen, sondern den eingeschlagenen Weg kontinuierlich weiter verfolgt. Mit der Erstellung eines neuen Waldwirtschaftsplans 2017 liegen Zahlen vor, welche den eingeschlagenen Weg eindrücklich bestätigen aber auch die Richtung in die Zukunft vorgeben.

Verlässliche Partnerschaft

Die Mitglieder der Agrargemeinschaft haben gemeinsam mit dem Projektpartner WLV ihre Ziele mit hohem persönlichem Einsatz verfolgt und dabei trotz Arbeitsteilung nie den Blick für das große Ganze verloren.

Während sich die WLV mit dem örtlich zuständigen Förster Hermann Lederle auf Erschließung, technische Verbauung und die Pflege der Anrissgebiete konzentrierte, trieb Agrarobmann Johann Küng, der bis zu seiner Pensionierung auch der zuständige Waldaufseher in der Region war, die qualitäts- und stabilitätsorientierte Waldpflege in den darunterliegenden Waldbeständen voran.

Dies bedeutete die Entrümpelung von schlechten Holzqualitäten, die Verjüngungseinleitung und in der Folge die Pflege und Mischungsregulierung insbesondere der jüngeren Bestände.

Die Bevölkerung mit ins Boot holen

Sämtliche Aktivitäten wurden getreu dem Motto “Tue Gutes und sprich darüber” stets durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Der “Kirchwald” ist nicht nur jedem im Dorf, sondern auch weit über die Region hinaus ein Begriff.

Zur Vermittlung des Wissens um den Schutzwald, dessen Leistungen für die Gesellschaft, sowie dessen Bewirtschaftung wurden Bürger und Vereine in Sanierungs- und Pflegemaßnahmen aktiv eingebunden. Auch die Volksschule, die Jungbauernschaft, der Skiverein, die Feuerwehr und die Funkenzunft halfen bei Aufforstungen, Ausmäharbeiten und weiteren Pflegemaßnahmen mit. Zusätzlich wurden Wald-Tage für Familien veranstaltet.

Auch einem Fachpublikum wurden die Projekte vorgestellt. So kommen Försterschulen, Waldvereine und andere Forstfachleute regelmäßig zu Exkursionen und liefern wertvolle Inputs für die praktische Bewirtschaftung.

Wertholzvermarktung und Arbeitseinkommen

Das qualitativ hochwertige Gebirgsholz wird gepflegt und den besten Wertschöpfungsketten, wie z.B. der Verwendung als Tonholz, zugeführt. Dabei wird das Qualitätspotential des Frassenwaldes auch für die breite Öffentlichkeit sichtbar in Wert gesetzt, wie bei den Vorarlberger Wertholzsubmissionen oder dem filmisch begleiteten Verkauf von Einzelstämmen an Instrumentenbauer.

Die bemerkenswerten Preise, die bei diesen Vermarktungsaktivitäten erzielt werden, liefern Ansporn und Bestätigung, dass sich qualitätsorientierte Waldpflege lohnt. Die Leistungen in Waldpflege und Holzernte werden nach Möglichkeit von eigenen Agrarmitgliedern erbracht, damit Arbeitseinkommen innerhalb der Agrargemeinschaft bzw. der Region gehalten werden kann.

(VLK)

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