Vorarlberg: Die rote Problemzone

Michael Ritschs Kampf gegen die Einstelligkeit
Michael Ritschs Kampf gegen die Einstelligkeit ©VOL.AT/ Steurer
Bregenz, Wien - Eigentlich sollte Vorarlberg für die SPÖ kein so schlechter Boden sein: Gar nicht so kleine Städte, eine starke Wirtschaft mit entsprechend vielen Arbeitnehmern, viel Zuwanderung und damit lauter Ingredienzien, die einer sozialdemokratischen Partei das Leben normal leicht machen. Doch Vorarlberg ist anders. Nirgendwo sonst in Österreich steht die SPÖ auch nur annähernd so schlecht da.

Beim letzten Urnengang vor fünf Jahren waren die Sozialdemokraten auf den historisch schwächsten Wert von 10,02 Prozent abgestürzt, was nur noch Platz vier in der Wählergunst bedeutete. Glaubt man den Umfragen, wird es am 21. September nicht viel besser laufen.

Kampf gegen Fall in die Einstelligkeit

Manche argwöhnen sogar, dass der Fall in die Einstelligkeit droht und die SPÖ dann sogar den Klubstatus verlieren könnte. Selbst Platz fünf hinter den NEOS wie schon bei der Europawahl scheint möglich.

Diese Misere ist nicht nur der traditionell konservativen Vorarlberger Wähler-Klientel geschuldet, die schon beim ersten Urnengang der Zweiten Republik der SPÖ nicht mehr als 19 Prozent überließ. An vielem ist auch die lokale Sozialdemokratie schuld, die sich jahrelang lieber untereinander bekriegte als den politischen Gegner und einen Obmann-Verschleiß hatte wie kaum eine andere österreichische Landtagspartei.

Zudem hat man es in den vergangenen Jahrzehnten verpasst, eine schlagkräftige Organisation zu entwickeln und auch ein entsprechendes Personal-Reservoir zu schaffen. Dass Michael Ritsch trotz seines Wahldebakels 2009 quasi selbstverständlich im Amt blieb, sagt einiges über die personelle Lage der Partei aus.

Ende einer roten Ära

Auch wenn es die SPÖ nie schaffte, im Land die 30-Prozent-Marke zu knacken, gab es durchaus bessere Zeiten. Immerhin war die Landeshauptstadt Bregenz 18 Jahre lang unter Fritz Mayer in roter Hand. Die Bezirkshauptstadt Bludenz wurde gar ein Vierteljahrhundert von der SPÖ regiert. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr. Die SPÖ kann froh sein, dass sie in Bürs wenigstens noch einen Bürgermeister-Posten besetzt.

Chronische Schwäche auch in den Städten

Dramatisch für die Sozialdemokraten ist ihr Zustand in den größeren Städten des Ländles, in denen eigentlich die Stärke der Partei liegen sollte. Bei der letzten Gemeinderatswahl lag man in Feldkirch, der zweitgrößten Stadt des Bundeslands, gerade noch bei 7,8 Prozent, in Hohenems gingen sich 9,1 Prozent aus, in Österreichs größter Marktgemeinde Lustenau stimmten gar nur 5,5 Prozent für die Sozialdemokraten. Selbst in den ehemaligen Hochburgen Bregenz und Bludenz reichte es bloß noch für 26,3 bzw. 27 Prozent, jeweils deutlich abgeschlagen hinter der ÖVP.

Bitter für die SPÖ ist, dass sie selbst unter den Arbeitnehmern nur bedingt über Unterstützung verfügt. Die Arbeiterkammer ist seit ewigen Zeiten in schwarzer Hand, und das, obwohl man dort bei den letzten Urnengängen mit Manuela Auer eine ebenso leutselige Kandidatin an der Spitze hatte, wie es auch Landesparteichef Michael Ritsch ist.

Hoffen kann die Vorarlberger SPÖ eigentlich nur noch darauf, dass die Bundespartei wieder aus der Regierung fliegt. Denn so gut wie unter Schwarz-Blau lief es für die Vorarlberger Roten schon lange nicht. (APA/red)

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