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Vor Schottland-Referendum - Die wichtigsten Fragen

Alistair Darling und Alex Salmond sind sich nicht einig.
Alistair Darling und Alex Salmond sind sich nicht einig. ©AP
Am kommenden Donnerstag wendet sich Schottland nach mehr als 300 Jahren womöglich vom Vereinigten Königreich ab. Regierungschef Alex Salmond kämpft für die Unabhängigkeit.
Die Lager verschärfen den Ton

Im Folgenden die wichtigsten Fragen zur schottischen Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit:

WER DARF WÄHLEN?

Am 18. September sind etwa 4,2 der insgesamt 5,3 Millionen Einwohner Schottlands aufgerufen, über die Unabhängigkeit ihres Landes zu entscheiden. Wahlberechtigt sind alle Einwohner ab 16 Jahren. Schotten, die in anderen Teilen Großbritanniens leben, dürfen nicht abstimmen. Dagegen sind Engländer, Waliser und Nordiren, die in Schottland leben, wahlberechtigt.

WORUM GEHT ES BEI DEM REFERENDUM?

Die Frage lautet: “Sollte Schottland ein unabhängiges Land sein?”. Die Wahlberechtigten dürfen zustimmen oder ablehnen. Eine dritte Antwortmöglichkeit – vollständige Autonomie in inneren Angelegenheiten bei einem gleichzeitigen Verbleib in Großbritannien – hatte die britische Regierung von Premierminister David Cameron im Vorfeld kategorisch abgelehnt.

WER SIND DIE STREITPARTEIEN?

Durchgesetzt wurde das Referendum von Schottlands Regierungschef Alex Salmond, dem Vorsitzenden der Schottischen Nationalpartei (SNP). Der 60-Jährige wurde erstmals 1990 zum SNP-Chef gewählt und arbeitete seitdem beharrlich auf die Unabhängigkeit hin.

Die drei größten Parteien im britischen Unterhaus lehnen die Abspaltung Schottlands ab. Camerons konservative Tory-Partei und die mitregierenden Liberaldemokraten haben sich mit der oppositionellen Labour Party auf weitreichende Machtübertragungen an Schottland verständigt, sollten die Schotten gegen eine Unabhängigkeit stimmen.

WAS PASSIERT BEI EINEM “NEIN”?

Dann darf sich Salmond trotzdem als Sieger fühlen, weil er Cameron zahlreiche Zugeständnisse abgetrotzt hat. Cameron wiederum kann sein Amt zumindest bis zu den Parlamentswahlen im Frühjahr behalten. Doch die neuen Machtbefugnisse für Edinburgh dürften auch andernorts Begehrlichkeiten wecken. Wales und einige englische Regionen werden von London womöglich ähnliche Kompetenzen fordern.

WAS PASSIERT BEI EINEM “JA”?

Die Unabhängigkeit wäre ein großer Sieg für Salmond und eine historische Niederlage für Cameron. Britische Medien spekulieren für diesen Fall über einen Rücktritt oder gar eine Absetzung Camerons durch das Parlament.

Für Schottland und den Rest Großbritanniens würde eine Phase komplizierter Verhandlungen über die Abwicklung der Trennung beginnen. Dafür hätten sie Seiten 18 Monate Zeit. Am 24. März 2016 würde Schottland unabhängig.

KANN SCHOTTLAND AUCH OHNE DIE BRITEN EXISTIEREN?

Ja, Schottland kann wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Das Bruttoinlandsprodukt der Schottlands ist in etwa so groß wie dasjenige Irlands oder Finnlands, zweier Staaten mit ähnlicher Bevölkerungszahl. Im Zentrum der Unabhängigkeitsdebatte steht aber die Frage, ob es den Schotten alleine auch wirtschaftlich besser geht.

Das “Ja”-Lager verweist auf die milliardenschweren Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee, welche nicht länger mit London geteilt würden. Außerdem würde die Wirtschaftspolitik allein auf die schottischen Bedürfnisse ausgerichtet. London warnt dagegen vor sinkenden Fördermengen in der Nordsee, vor der Abwanderung großer Unternehmen nach England und einem Aus für die bisherige Gemeinschaftswährung Pfund Sterling.

WAS WÜRDE EINE UNABHÄNGIGKEIT SCHOTTLANDS FÜR RESTEUROPA BEDEUTEN?

Zahlreiche Länder mit eigenen Unabhängigkeitsbewegungen blicken gespannt auf den Ausgang des schottischen Volksentscheids. In Spanien streben Katalonien und das Baskenland nach Unabhängigkeit, in Belgien die Region Flandern und auch in den italienischen Regionen Südtirol und Padanien gibt es Sezessionsbefürworter.

Die EU steht bald womöglich vor der schwierigen Frage, ob sie den Schotten die Tür vor der Nase zuschlagen soll oder mit einer zügigen Aufnahmen Schottlands riskiert, weitere Unabhängigkeitsbewegungen zu ermutigen. Ferner fürchtet die NATO, dass der von Edinburgh geforderte Abzug der mit Atomraketen bestückten britischen U-Bootflotte aus Schottland die Briten zu einem vollständigen Verzicht auf ihren Atommachtstatus bewegen könnte.

 

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