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Vor der Maiandacht

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel

Gerade im Winter ist Südafrika das Traumziel vieler Touristen. Geht mit der Zeit, Leute! Kraft seiner Hirnentwicklung durch Jahrtausende ist der Homo perversus touristicus zum absoluten Beherrscher der Natur geworden. Heute wollen die Perversen ihr Weltreich besehen, begehen, befliegen, bereisen, begrapschen, bescheißen und genießen und wenn’s denn sein muss, erschießen. Zum Beispiel wilde Tiere ankucken und fotoshooten, aber auch mehr. Da und dort mal einen Löwen töten, wenn man 15.000 Euro für was Besonderes ausgeben will. Mutti darf alles mitfilmen für die Kinder zuhause.

“Sie können hier alles schießen, was Sie wollen. Aber einen Löwen zu schießen, dauert seine Zeit”, erklärt Stan Burger, Jäger und ehemaliger Präsident des südafrikanischen Jägerverbands. Ein Geschäftsmodell für Safari-Touristen hat sich in Südafrika gebildet: Löwenbabys werden gezüchtet und früh von ihrer Mutter getrennt. Die kleinen Löwen werden auf Farmen zum Streicheln für Besucher bereitgestellt. Sind die Tiere älter, stehen sie als Ware für Jagdtouristen zur Verfügung. Von diesem Geschäft mit den Löwen bekommt der Tourist nichts mit. Ihm wird in seinem Urlaub verkauft, dass er wilde Tiere sieht, das perfekte Foto bekommt.“ Informiert euch Leute: „Kritisch Reisen: Safari in Südafrika – Vom Schnappschuss zum Abschuss! (Mediathek sat3).

Aber es geht auch anders: Warum nicht mal eine Haifischflossensuppe probieren, ein Affenhirn auslöffeln, einen Mayatempel persönlich abtrampeln oder auch nur ein Fotobuch über einen atomaren Supergau durchblättern und entsetzt staunen, Hungerbäuche ankucken und 10 Euro spenden, sich über Auswüchse des Kapitalismus empören, indem man sich z.B. an die Deepwater Horizon Katastrophe erinnert. Das Öl liegt inzwischen auf mindestens 3.200 Quadratkilometer Meeresboden herum. Heute gehört uns Venedig und morgen die ganze Welt!

Man kann aber auch zuhause beim Zeitungslesen global erschauern, dass 800 Flüchtlinge an diesem schönen Frühlingstag im Mittelmeer ertrunken sind oder im Internet zusehen, wie Millionen Küken täglich vergast werden. Ich hab mir gerade auf Youtube das Entfernen eines Plastikröhrchens aus der Nase einer Riesenschildkröte gegeben. Echt packend und vor allem: happy end. Zum Glück gibt es ja noch engagierte Tierschützer, nicht wahr?

Wer kann aber da heute noch richtig froh sei? Ich sage: Wir. Wir können froh sein, dass wir in Vorarlberg leben! So, jetzt muss ich Schluss machen. Ich muss jetzt in die Maiandacht.

 

©Ulrich Gabriel
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