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"Vor 30 Jahren musste man erotische Fotos anstößig finden"

©MiK
Bekannt durch Foto und Film. Heute Dreifach-Mama im Einsatz für Afrika – Natalie Moosmann (ehem. Uher) im W&W-Sonntagstalk.

WANN & WO: Du warst als Natalie Uher mit 16 das jüngste Model im Playboy. Wie kam es dazu?

Natalie Moosmann: Otto Weisser kam auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Die Art der Fotografie hat mir gefallen, ich hatte auch keine Bedenken. Die Erziehung, die ich zuhause genoss, war sehr offen. Meine Mutter war beim Shooting für den Playboy auch dabei. Wenn einem die Fotos gefallen, denkst du dir nichts dabei.

WANN & WO: Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?

Natalie Moosmann: Das PlayboyMagazin war früher schon bekannt. Vor 30 Jahren war es durchaus so, dass man erotische Fotos offiziell anstößig finden musste – selbst wenn man die Playmates im Hinterzimmer angesehen hat. Früher ist man damit nicht so locker umgegangen!

WANN & WO: Wie gehen deine Kinder mit der Vergangenheit um?

Natalie Moosmann: Meine Familie geht damit sehr offen um. Markus und ich haben mit unseren Kindern, Jennifer, Michael und Elena darüber gesprochen, als sie in die Schule kamen. Sie haben es ganz positiv aufgenommen und finden das eigentlich ganz cool.

WANN & WO: Dein erstes Shooting hattest du mit acht Jahren, oder?

Natalie Moosmann: Ja! (lacht) Ich war die Größte in meiner Klasse. Ein Fotograf kam zu uns und suchte ein Kinder-Model für eine Seidenstrumpfhosen-Werbung. Er hat mich ausgesucht, weil ich die längsten Beine von allen hatte. Aber es war absolut unbequem! Erstens, die Strumpfhose war eine Katastrophe. Zweitens, kein Kind möchte so lange still sitzen.

WANN & WO: Warum hast du es trotzdem gemacht?

Natalie Moosmann: Alles rundherum war total spannend für mich. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in einem Geschäft einen Karton mit diesen Strumpfhosen gesehen habe – mit mir als Model. Jedes Mal wenn ich in den Laden gekommen bin, musste ich grinsen.

WANN & WO: Wie war deine Kindheit bzw. Jugend?

Natalie Moosmann: Aufgewachsen bin ich in Lustenau. Mit 15 Jahren hatte ich dann schon zahlreiche Modeljobs und bin auf der ganzen Welt herum gereist. Ziemlich früh habe ich mich deshalb von Lustenau verabschiedet und bin nach Dornbirn gezogen.

WANN & WO: Was haben deine Eltern dazu gesagt?

Natalie Moosmann: Mit meinen 16 Jahren fühlte ich mich schon relativ erwachsen und konnte dadurch meine Entscheidungen, auch was das Modeln betraf, selber treffen. Das musste so kommen und ich muss sagen, ich bin froh, dass meine Eltern mich gehen ließen. Auch wenn die Bedenken im Alter größer werden, versuche ich heute, meinen Kindern entsprechenden Freiraum zu geben.

WANN & WO: Du hast auch relativ früh geheiratet?

Natalie Moosmann: Kennengelernt haben wir uns, als ich 17 war, und eineinhalb Jahre später haben Markus und ich geheiratet.

WANN & WO: Als Model warst du sonst auch sehr erfolgreich, oder?

Natalie Moosmann: Ich bin mit 16 Jahren nach Wien gegangen und habe mich bei diversen Agenturen beworben. Früher war das genauso wie heute. Man braucht eine Sedcard und Mappe, um überhaupt auf Castings gehen zu können. Das Modeln ist ein hartes Business, aber man kommt dadurch in der ganzen Welt herum, lernt interessante Menschen kennen und macht Erfahrungen, die einem dann für das Leben sehr viel mitgeben. Ich war auf Covern von Cosmopolitan, Harper’s Bazaar und vielen mehr. Das ist aber nun alles schon eine kleine Ewigkeit her.

WANN & WO: Wie bist du dann zu deiner Leidenschaft, den Projekten in Afrika, gekommen?

Natalie Moosmann: Ich bin damals durch die ganze Welt gereist. Immer wieder begegneten mir Menschen, die getrommelt haben. Fasziniert hat mich dieses Instrument schon immer. Einmal dorthin zu reisen, wo die Trommeln gemacht werden, wo die Wurzeln des Trommelns sind und auch heute noch bei vielen traditionellen Festen praktiziert werden – das war mein Traum. So bin ich nach Afrika gekommen. Vier Vereine, die Trommelkurse anbieten, habe ich angeschrieben, um einen Trommelworkshop in Afrika zu besuchen – von einem Lehrer im Senegal kam dann vor elf Jahren eine Antwort.

WANN & WO: Wie war deine erste Reise nach Afrika?

Natalie Moosmann: Meine erste Senegal-Reise war unglaublich. Unorganisiert und chaotisch, aber einfach genial! Alle anderen Kursteilnehmer hatten abgesagt, wodurch ich den Tagesablauf und die Ausflugsziele individuell gestalten konnte. Afrika hat mich mit der Musik und der Herzlichkeit der Menschen in den Bann gezogen. Wenn man sieht, mit wie wenig die Leute dort auskommen und zufrieden sind, gibt dir das schon zu denken. Im selben Jahr bin ich dann gleich wieder mit einigen Trommelbegeisterten nach Senegal gereist.

WANN & WO: Wie ist dein Projekt „Wissen macht stark“ entstanden?

Natalie Moosmann: Ich habe mit Trommelkursen begonnen, die ich dann auch im Senegal angeboten habe. Das Bedürfnis, mich zu engagieren, wuchs immer mehr. Bis ich nach langem Hin und Her mein eigenes Projekt auf die Beine gestellt habe. Heute habe ich Freunde und Personen, mit denen ich zusammenarbeite. Im Dorf MBalling kennen mich die Menschen mittlerweile, da wir inzwischen vier Schulen gebaut haben und zweimal im Jahr vor Ort sind.

WANN & WO: Ist Afrika für dich Urlaub oder Arbeit?

Natalie Moosbmann: Gute Frage! Ich finde das immer so nett, wenn die Leute mir einen schönen Urlaub wünschen. Viel Freizeit habe ich zwar nicht, aber ich bin froh, wenn ich in fünf Wochen einmal ans Meer komme. Meine Zeit ist genau durchorganisiert, wobei ich weiß, dass die Termine nie in dieser Reihenfolge durchführbar sind. Im Senegal ist vieles etwas chaotischer, Zeit ist für die Menschen nicht so wichtig. Aber wir spüren das Bemühen der Menschen, sich an Termine zu halten.

WANN & WO: Wie unterstützt du die Menschen in Afrika?

Natalie Moosmann: Wir machen uns für Kinder und Jugendliche im Senegal stark, für die eine Schulausbildung ohne finanzielle Mittel nicht möglich wäre. Das Einkommen der meisten Familien reicht kaum für den täglichen Bedarf an Lebensmitteln. Zudem unterstützen wir jedes Jahr wieder Familien in Notsituationen mit Soforthilfe und unserem Einsatz vor Ort. Darüber hinaus bringen wir immer wieder jede Menge an Hilfsgütern ins Land, für die Geburtenstationen, Schulen und Menschen.

WANN & WO: Was wünscht du dir für die Zukunft?

Natalie Moosmann: Bildung! Das ist das Allerwichtigste. Wir hoffen, dass die Kinder und Jugendlichen, welche eine Ausbildung genießen, die Kraft und den Mut bekommen, die Zukunft ihres Landes zu verändern! Die Diskussionen über die nötigen Schritte hinsichtlich Ausbildung und dem Leben im Dorf sind immer sehr angeregt und lehrreich für beide Seiten. Ich hatte schon so viele positive Erlebnisse mit Kindern, die mittlerweile in fixen Jobs arbeiten. Der Wunsch für viele ist, dass sie arbeiten können, um ihrer Familie helfen zu können. Wir werden nicht von heute auf morgen die Welt verändern, doch wir können es mit kleinen Schritten versuchen. Dank der Unterstützung und Mithilfe sowie dem Vertrauen vieler Menschen hier im Ländle können wir den Familien Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenken.

Zur Person

Name: Natalie Moosmann (ehem. Uher)
Geboren: 2. Jänner 1968 in Feldkirch
Familie: verheiratet mit Markus, Mutter von Jennifer, Michael und Elena.
Hobbys: Reisen

Wordrap

Familie: Zusammenhalt.
Afrika: Entwicklungsbedarf.
Reisen: Abenteuer.
Modeln: Vergangenheit.
Vorarlberg: Wurzeln!

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