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Vor 10 Jahren starb DDR-Machthaber Honecker

Der einstige DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker ist auch zehn Jahre nach seinem Tod noch präsent - als Witzfigur im Internet. Gedenkfeiern wird es keine geben.

Dort ist der oberste Machthaber als vergnügter Reisender mit Deutschlandfahne auf dem Rucksack, einem Bild von Franz Josef Strauß unterm Arm und Radiorekorder zu sehen – Honecker habe alles getan, was dem Normalsterblichen in der DDR nicht möglich war, heißt es im Kommentar. Der einst gefürchtete Machthaber starb nach langer Krankheit am 29. Mai 1994 im Alter von 81 Jahren im Exil in Santiago de Chile.

Die Kommunistische Partei dort hat für den Jahrestag von Honeckers Tod kein Gedenken geplant, lassen die Genossen auf Nachfrage wissen. Und so wird Witwe Margot wohl im engsten Kreis an der Urne mit der Asche des gestürzten SED-Chefs in ihrer Wohnung in der chilenischen Hauptstadt an Honecker denken.

Bis zu seinem Tod wollte der strikte Reformgegner sein politisches Scheitern nicht wahrhaben. Vielmehr führte der gelernte Dachdecker den Untergang der DDR auf das Versagen des Kremls, Feinde im Westen und Verräter in den eigenen Reihen zurück. Das geht aus Briefen hervor, die die nach dem Sturz des DDR-Regimes heimatlos gewordenen Honeckers in einem Koffer zurückließen, bevor sie im März 1991 heimlich nach Moskau flohen.

Erst Ende Juli 1992 wurde Honecker aus Moskau nach Deutschland und noch am selben Abend ins Gefängnis Berlin-Moabit gebracht, wo er unter der Nummer 2955/92 registriert wurde. Zuvor hatte die russische Regierung beschlossen, Honecker auszuweisen, worauf dieser mit seiner Frau, der früheren DDR-Volksbildungsministerin, in die Moskauer Botschaft Chiles flüchtete. Doch als man ihn auch dort nicht mehr haben wollte, musste er zurück nach Deutschland.

In Berlin wartete auf Honecker sowie weitere fünf DDR- Spitzenfunktionäre ein als historisch eingestufter Prozess wegen der Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze. Im Verfahren, das im November 1992 begann, überwogen aber bald die gesundheitlichen Probleme der Angeklagten. Honecker übernahm zwar in einer Erklärung die politische Verantwortung für die Maueropfer, sah sich aber ohne „juristische und moralische Schuld“.

Ohne den Bau der Mauer wäre es in Europa und Deutschland nicht zur Annäherung zwischen Ost und West gekommen, zeigte sich Honecker im Gerichtssaal überzeugt. Dort reckte der alte Kommunist auch die geballte Faust in die Höhe. Und er bekannte: „Ich habe für die DDR gelebt.“ Sie habe ein Zeichen gesetzt, dass Sozialismus möglich und besser sein könne als Kapitalismus. Doch zu einer Bewertung kam das Gericht nicht mehr.

Nach juristischem Tauziehen ordnete das Berliner Verfassungsgericht Mitte Jänner 1993 die Einstellung des Verfahrens gegen den an Krebs erkrankten Honecker an. Nach 169 Tagen Haft verließ Honecker am 13. Jänner 1993 sowohl das Gefängnis als auch Deutschland für immer und flog zu seiner Frau sowie zu Tochter Sonja und den Enkeln nach Chile. Das Land hatte den Honeckers in Erinnerung an solidarische DDR-Zeiten den Aufenthalt als „humanitären Akt“ gebilligt. Anfang der 70er Jahre hatte die DDR Tausende Pinochet-Flüchtlinge aufgenommen.

Erst vor einem Jahr rechnete Honeckers Neffe Peter Feist öffentlich mit seinem prominenten Onkel ab: Honecker hätte nicht wegen der Mauertoten, sondern wegen Landes- und Hochverrats angeklagt werden sollen. Er habe fortgesetzt die Verfassung gebrochen, was zum Scheitern der DDR beigetragen habe, sagte Feist einer Illustrierten. Der studierte Philosoph war in der DDR wegen seiner kritischen Haltung aus der SED ausgeschlossen worden.

Auch Margot Honecker kommt bei Peter Feist nicht gut weg. Der Sohn von Margot Honeckers Bruder Manfred Feist sagte über seine Tante Margot, sie sei zu keiner Einsicht über ihre Rolle in der DDR fähig. So sei sie selbst Opfer der stalinistischen Ideologie geworden. Dass die Honeckers den Untergang der DDR erleben mussten, sei die größte Strafe gewesen.

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