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Von Herisau nach Südwest

©VN/R.F.Karl
Vor über 100 Jahren baute der Schweizer Carl Wilhelm Walser sein Haus im Nirgendwo.
Namibia: Reise-Impressionen

Die abgenagten Areale ärmlicher Schafsfarmen rings um den Fish River Canyon waren ein Schock, damals, angesichts komplett ausgeschossener und von Wildtieren entleerter Landschaften. „Als einzig mögliche Lösung erschien“, erzählt Manfred Goldbeck über die Anfänge, „das gesamte Gebiet einfach zu kaufen!“ Als der Mitbegründer und heutige Direktor 1995 den wahnwitzigen Entschluss fasste, das verlorene Ursprungsland zu renaturieren und die wilden Tiere zurückzubringen, war das eine nachhaltige Entscheidung für den namibischen Naturschutz. Heute versorgen ein Dutzend ehemaliger Farmgebiete den 1260 Quadratkilometer großen „Gondwana Cañon Park“ mit mehr als der doppelten Fläche des Bodensees, 500 Kilometer Zäune mussten dafür weichen und jede Menge Gnus, Nashörner, Antilopen und Giraffen importiert werden.

„Nichts wie weg!“

Der schweizerische Carl Wilhelm Walser verwirklichte seinen Traum ganz andersherum: Nichts wie weg aus der Enge des europäischen Bildungsbürgertums! Weshalb er 1876 erst nach Kapstadt auswanderte, um 1882 im Ochsenkarren weiterzuziehen. So manches Abenteuer auf dem Weg in die verheißungsvolle Wildnis nördlich des Orange River ließ sich daheim nachlesen, im Journal der „Ostschweizerische Geographische-Commercielle Gesellschaft“, für das er Beiträge schrieb. Zahlreich lassen sich ergreifende Schicksale wie die des jungen Walsers nachlesen. Von Menschen, die in die Weiten Namibias strömten, jenes verheißungsvolles Stück Erde, das nach europäischen Maßstäben kaum Menschen beherbergte, und vor allem so viel Land im Überfluss hatte. Wie es heute noch ist: Auf der über sechsmal so großen Fläche der Schweiz und Österreichs zusammen verteilen sich gerade einmal die Einwohnerzahlen von Zürich und Wien!

Von Herisau zum Fish River Canyon

Natürlich verbraucht der Wiederaufbau solcher Gebiete substanzielle Mittel, allein der Ankauf von Nashörnern und Giraffen kostet viel Geld. Weshalb, so der rastlose Naturschützer über sein abenteuerliches Lebenswerk, nach der ersten, der „Cañon-Lodge“, ein Übernachtungsbetrieb nach dem anderen als wirtschaftliches Standbein für den Cañon Park dazu kommen musste.
Carl Wilhelm, in Kapstadt bereits einmal pleite gegangen, stand unter Druck. Und was für ein Glück, dass er es über Grabwasser und Klein-Karas bis nach Groendorn zum Anwesen von Charles Henry Hill schaffte. Die britischstämmige Hill-Familie betrieb einen riesigen Grundbesitz zwischen dem Fischfluss-Canyon und den Großen Karasbergen.
Die ursprüngliche Idee, unrentable Schafs- und Rinderfarmen der schottischen Hills, der schweizerischen Walsers, der hessischen Hartungs für den Gondwana Cañon Park zu kaufen, hat das größte private Touristikunternehmen Namibias auf die Beine gebracht, mit über einem Dutzend Wilderness-Lodges an den schönsten Punkten des Lande, sowie drei weiteren großflächigen Naturschutzzonen: den Gondwana Kalahari Park nordöstlich von Mariental, den Gondwana Sperrgebiet Rand Park westlich von Aus und den Gondwana Namib Park nördlich von Sesriem.
Und eine Menge Arbeitsplätze: Im vergangenen Jahr erwirtschafteten Gondwanas 500 Mitarbeiter 146.000 Übernachtungen! Als Erfolgsrezept sieht Ideengeber Goldbeck eine Firmenphilosophie, die neben Ökonomie und Ökologie vor allem eine nachhaltige Personalentwicklung in den Fokus stellt. Für den einstigen Lehrer des Concordia-College in Windhoek sind Bildung und Ausbildung das wichtigste Instrument einer nachhaltigen Entwicklung. Der Kreis schließt sich: Im „Land, in dem Nichts ist“, wie die Nama ihr Namibia nennen, geht das Werk der frühen Siedler in etwas Neuem auf. Für Gäste des umfunktionierten Siedlerlands sollen die fein austarierten Drei-Sterne-Dependancen Gondwanas vor allem bezahlbar sein, und Geschichten erzählen. Die Nachhaltigkeit ist sein Thema: Von der Wasseraufbereitung bis zur Aircondition, die es in allen Zimmern gibt – aber eben auch Moskitoschutz in den Fenstern wie überm Bett, weshalb in kühlen Nächten drinnen nur der frische Wind weht, erklärt der zweifache Familienvater, dessen Vorfahren um 1900 selbst als Schäfer aus Mecklenburg anreisten.

 

REISE-INFOS

Anreise: Täglich über Nacht mit Air Namibia von Frankfurt sowie von Zürich nach Windhoek (www.airnamibia.com). Individuell mit Gondwana (www.gondwana-collection.com).
Pauschalreisen Gruppen- und Selbstfahrerpakete haben alle großen Veranstalter im Programm Mietwagen, zum Beispiel beim deutschsprachigen Autovermieter Savanna
(www.autovermietungsavanna.com).
Busse: Regelmäßig verkehren Nacht-Busse zwischen Windhoek und Kapstadt sowie Johannesburg. Botswana und Sambia sind ebenfalls mit Bussen an Namibia angebunden. Intercape unterhält internationale Linien ab Windhoek.
Beste Reisezeit: Klimatisch Frühjahr und Herbst – preislich am besten außerhalb der Ferienzeiten.
Allgemeine Informationen: Namibisches Fremdenverkehrsamt Frankfurt Tel.: 0049 69 – 1337 360, im Internet unter www.namibia-tourism.com.

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