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Vom Nobody zum Vize-Titel

Am 25. Oktober 2002 konnte noch kaum ein österreichischer Ski-Fan mit dem Namen Nicole Hosp etwas anfangen.

Das sollte sich am darauf folgenden (Nationalfeier)Tag ändern, denn da stürmte die damals noch 18-Jährige im Weltcup-Riesentorlauf von Sölden zu ihrem sensationellen Premierensieg, der auch als erster dreifach-ex-aequo-Erfolg in die Geschichte eingehen sollte. Nur dreieinhalb Monate später ist die „Nici“, mittlerweile 19, Vize-Weltmeisterin in der Kombination – eine Kurzgeschichte wie aus dem Märchenbuch.

„In diesen wenigen Monaten hat sich meine Welt komplett verändert“, bilanzierte Hosp am Montag nach dem bisherigen Höhepunkt ihres Senkrechtstarts. Eine Fortsetzung dieser Story ist bereits im Laufe der WM – natürlich die erste ihrer Karriere – im Engadin nicht ausgeschlossen, denn der Blondschopf geht noch am Donnerstag im Riesentorlauf sowie am Samstag im Slalom an den Start – mit neuerlich Erfolg versprechenden Aussichten.

Bereits vor Beginn der Saison hatte Damen-Chefcoach Herbert Mandl das aus dem Europacup kommende Supertalent als heißes Eisen auf der Rechnung gehabt, nur rund ein Monat später war die Bichlbacherin durch ihre unbekümmerten Fahrten in Slalom und Riesentorlauf (insgesamt fünf Podestplätze im bisherigen Saison-Verlauf) für Mandl eine potenzielle zukünftige Weltcup-Gesamtsiegerin.

Eine Prognose, die Hosp nicht nervös macht, sondern die von der Stams-Absolventin noch unterstützt wird. „Mein Ziel ist der Gesamt-Weltcup, ganz klar. Ein echter Skifahrer muss alles können“, lautet die Devise der lebenslustigen Damen aus dem Bezirk Reutte in Tirol. Genau dieses Motto macht die Kombination für Hosp so unglaublich wertvoll, denn sie verbindet ja Speed- und Technik-Qualitäten.

„Allgemein wird die Kombination eher runter gemacht, für mich persönlich bedeutet sie aber unglaublich viel“, so Hosp, die in der „Elite“ (Weltcup, WM, Olympia) vor Montag noch keine einzige (!) Kombi bestritten hatte und vor dem Sölden-Sieg erst ein einziges Mal (4. Jänner 2002, RTL in Marburg, Platz 29) in die Weltcup-Punkteränge hineingeschnuppert hatte. Etwas mehr als ein Jahr später hat die von 40 Mitgliedern ihres Fanclubs gefeierte Hosp nun in ihrem ersten WM-Bewerb gleich eine Medaille eingesackt.

Der Weg der Tirolerin Richtung Gesamt-Weltcup scheint wahrlich bereits vorgezeichnet zu sein, schließlich will Hosp auch so bald wie möglich in der Abfahrtsspitze mitmischen. „Ich möchte alle Disziplinen fahren. Und heute hab ich gezeigt, dass ich auch in der Abfahrt gute Ansätze habe.“ Ihre letzte Bewerbs-Abfahrt hatte Hosp übrigens im März im Europacup bestritten, wo sie in Frankreich ausgeschieden war.

Der Ärger, dass auf Gold im Ziel nur lächerliche 0,06 Sekunden gefehlt haben, war, wenn überhaupt vorhanden, schnell verflogen. „Im ersten Moment dachte ich mir: Nein! So knapp! Aber dann überwog die Freude ganz deutlich. Ich hätte mir vor dem Rennen nie gedacht, dass ich so knapp an die Janica rankommen könnte.“ Für die weiteren zwei WM-Auftritte setzt sich Hosp überhaupt nicht mehr unter Druck. „Warum auch, mit der Medaille hab ich schon mehr erreicht, als ich vor der WM erwartet habe.“

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