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Vom Jungen Wilden zum Strategen

Im WANN & WO-Sonntags-Talk blickt Sigi Innauer auf rund 30 Jahre Karriere im hart umkämpften Gastronmie- und Club-Bereich zurüc
Im WANN & WO-Sonntags-Talk blickt Sigi Innauer auf rund 30 Jahre Karriere im hart umkämpften Gastronmie- und Club-Bereich zurüc ©WANN & WO/mik
WANN & WO traf Szenegastronom Sigi Innauer (58) in seinem Club Vakanz in Dornbirn und sprach mit ihm über seine berufliche Laufbahn als Skilehrer, Buckelpisten-Athlet, Gastronom, Clubbetreiber und Stunt Double für James Bond.
Sonntags-Talk mit Sigi Innauer

WANN & WO: Wenn Du an Deine Kindheit zurückdenkst, wie bist Du im Bregenzerwald aufgewachsen?

Sigi Innauer: Aufgewachsen in der Gastronomie hatten wir Kinder viel Zeit für uns selbst, weil man für uns wenig Zeit hatte. Mein Bruder Toni und ich waren meistens in der Natur unterwegs. Richtig idyllisch, Schulranzen in eine Ecke und ab in den Wald. Später ging man dann natürlich auch anderen Sachen nach (schmunzelt). Mein Vater war recht liberal, während sich meine Mutter eher auf der konservativen Seite befand. Wir hatten eine ausgesprochen schöne Kindheit. Mit 14 bin ich dann nach Stams ins Skigymnasium. Ich habe die Schule aber nicht abgeschlossen und mich daraufhin für eine Kochlehre in der Bezauer Gams entschieden – mitten in der Hochkonjunktur des Tourismus in den 70er-Jahren.

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WANN & WO: Skifahren zählt zu Deinen größten Leidenschaften. Du warst ja auch professioneller Buckelpistenfahrer.

Sigi Innauer: Nach meiner Kochlehre entschloss ich mich, mein Glück im Skifreestyle zu versuchen und kam im Laufe meiner Buckelpisten-Karriere viel herum. So wurde ich auch als Stunt-Double für Roger Moore in einer Ski-Szene des James Bond-Streifens „Im Angesicht des Todes“ engagiert. Auch an meine Zeit als Skilehrer denke ich immer gerne zurück.

WANN & WO: Wieso hast Du Dich 1984 entschieden, mit der Vakanz in Bezau Deinen ersten Club zu eröffnen?

Sigi Innauer: Auf der Freestyle Tour sieht man die ganze Welt. Besonders die Clubszene in den USA hat mich beeindruckt, vor allem die Tatsache, wie sich Musik und Bar-Kultur verbinden lassen. In Beizen und Base-Lodges gab es nach dem Skifahren Live-Musik. Dieses Konzept von Live-Bands wollte ich nach Vorarlberg bringen. In der Vakanz spielten quasi jede Woche neue Bands – egal ob Punkbands aus London oder heimische Rauhbeine wie Benni Bilgeri.

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WANN & WO: Du bezeichnest die alte Vakanz als Atelier der Jungen Wilden. Wieso?

Sigi Innauer: Anfangs hatten wir um 00.30 Uhr Sperrstunde, was die Polizei peinlichst genau kontrollierte und meine Gäste quasi aus dem Lokal führte. Worauf ich zum Bürgermeister ging, der im oberen Stock der Polizeiwache untergebracht war. Eine halbe Stunde später gingen wir mit der neuen Sperrstundengenehmigung einen Stock tiefer – fortan hatte die Vakanz bis 3.30 Uhr offen (schmunzelt). In der Vakanz haben wir unsere Freiheit gelebt. Wir haben alles gemacht. Happenings im tiefsten Wald. Natürlich sorgte der Club auch für Kontroversen – üble Nachrede über Drogengeschäfte von Leuten, die meinen Laden noch nie betreten hatten. Die Vakanz-Gäste zeigten aber viel Initiative – der Ruf war eh schon ruiniert, also haben wir gemacht, was wir wollten. Und es funktionierte tadellos. Aus diesem Grund hat sich damals auch der Betreiber des damaligen Starlights bei mir gemeldet.

WANN & WO: Worauf Du aus dem Starlight das Kiew gemacht hast. Wie war es für Dich, einen Club dieser Größenordnung zu managen?

Sigi Innauer: Im Kiew ließ man mir alle Freiheiten. Wir haben das ganze Konzept des Lokals umgekrempelt und dem Club einen räudigen Stil verpasst. Schon allein die Renovierung hat mich viel Blut, Schweiß und Tränen gekostet. Vom ersten Tag an ist das Kiew explodiert. Wir haben den Club auch mit Themen und Angeboten attraktiv gemacht, es war einfach für jeden etwas dabei. Anfangs war ich sicherlich blauäugig. Wenn 400 Leute vor der Tür stehen und du nur mit zwei Türstehern arbeitest, musst du selber auch manchmal Hand anlegen (schmunzelt). Von Schlägereien blieb ich größtenteils verschont, das hing aber auch mit unserem Stammpublikum zusammen, wo sich quasi jeder kannte.

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WANN & WO: Falco, Johnny Guitar Watson, Stereo MCs – wie wichtig war Dir das Booking im Kiew?

Sigi Innauer: Bei den DJs lag das Booking komplett in meiner Hand. Mit dem inzwischen leider verstorbenen Josef Ess vom Musikladen koordinierten wir die Konzert-Acts, eine Win/Win-Situation für uns beide. Musik war und ist immer noch ein elementarer Grundpfeiler in meinem Leben. Ich bin aber niemand, der in der Vergangenheit lebt, sondern höre ständig neue Musik. Bis ins Innauer habe ich auch jede einzelne Platte, die in meinen Clubs gelaufen ist, selbst gekauft.

WANN & WO: An welche Backstage-Erlebnisse im Kiew erinnerst Du Dich besonders gern?

Sigi Innauer: Besonders gern? Besonders gern erinnere ich mich an die Background-Sängerin der Stereo MCs, eine wunderschöne und charmante Frau (schmunzelt). Ich erinnere mich auch an eine Dame, die der Einladung

von Johnny Guitar Watson in den Backstage-Bereich folgte. Ich weiß nicht, was sie sich erwartet hatte, nach wenigen Minuten wollte sie auf jeden Fall wieder das Weite suchen, was beim legendären Musiker für Unverständnis sorgte. Aber auch hier konnten wir letztlich eine Lösung finden (schmunzelt). Richtig stressig war Rammstein, die damals als Vorgruppe für eine Band spielten, die mir jetzt gerade nicht einfällt. Rammstein hätten mir mit ihrer Pyro-Show fast das Lokal abgefackelt, da sich Staub an der Decke entzündete. Wirklich erstaunlich war aber die Reaktion des Publikums, das glaubte, dass die flammende Decke Teil der Show war! Zum Glück, denn so entstand auch keine Massenpanik.

WANN & WO: Rückblickend, würdest Du heute etwas anders machen?

Sigi Innauer: Wenn ich zurückblicke, sicher nicht. Fehler sind vollkommen normal und gehören dazu. Ich habe ein erfülltes und bewegtes Leben. Krisen fordern dich auch heraus und machen dich stärker.

WANN & WO: Wie wichtig waren und sind Frauen in deinem Leben? Wie bringst Du Beruf und Familie in Einklang?

Sigi Innauer: Der Beruf ist extrem fordernd. Inzwischen habe ich aber auch ein Team, auf das ich mich verlassen kann. Eine Ehe ging in die Brüche, was sicherlich auch zum Teil auf den Job in der Gastronomie zurückzuführen ist. Frauen spielen bei den meisten Männern eine wichtige Rolle. Bei den einen weniger, bei den anderen mehr. Und so wie ich veranlagt bin, zähle ich definitiv zu den Letzteren. Seit Kurzem bin ich ja auch wieder Vater geworden, dieses Mal darf ich miterleben, wie z.B. ein Mädchen heranwächst, was nach meinen drei leiblichen Söhnen wieder komplett neues Terrain für mich darstellt. Ich finde es aber unheimlich schön. Kinder sind eines der größten Geschenke, die uns das Leben macht.

WANN & WO: 1997 folgte mit dem Innauer der erste House-Club in Vorarl­berg. Hattest Du Bedenken vor diesem Schritt?

Sigi Innauer: Allerdings, die ersten Monaten waren zäh. Ein halbes Jahr später brummte aber auch dieser Club in der Dornbirner Tiefgarage. Ich habe aber auch extrem viel Zeit dort investiert und war immer der Erste und der Letzte im Lokal. Die Location und die architektonische Ausstattung waren etwas Spezielles und fanden regen Anklang. Auch die musikalischen Strömungen hatten wir idealerweise zeitnah erkannt und für Vorarlberg eröffnet. Wir waren uns aber auch bewusst, dass wir der Linie treu bleiben mussten, und nicht einen Tag später wieder 80er-Musik spielen konnten. Das Publikum nahm es aber dankbar an.

WANN & WO: 2009 gingst Du wieder ans „Tageslicht“ und hast Dich der Führung eines Restaurants gewidmet. Hast Du Dich Deinem Alter angepasst?

Sigi Innauer: Sicherlich auch, ich wollte aber vor allem wieder etwas Neues versuchen. Das Innauer war aber niemals nur Restaurant, sondern funktioniert nur in Kombination mit der Bar. Ich schätze das Gesellige, das Lockere, außerdem sollen sich die Gäste bei mir wohlfühlen und quasi ein Rundum-Paket erhalten.

WANN & WO: Mit der Vakanz hast Du das Restaurant-Bar-Konzept wiederum um die Club-Komponente erweitert. Wieso verlief der Start etwas holprig?

Sigi Innauer: Das lag an mir, ich habe mich am Anfang zu wenig darum gekümmert. Ich hatte zwar einen erstklassigen Partner, das Konzept war mir aber zu wenig harmonisch auf das Publikum des Restaurants abgestimmt, worauf wir uns getrennt haben. Ich wollte von Anfang an, dass die Leute, die oben gespeist hatten, später eine Club-Möglichkeit im Keller hatten. Daraufhin haben wir auch wieder die Altersgrenze nach oben geschraubt, ab 21 Jahren darf man in den Club. Inzwischen läuft aber auch die neue Vakanz bestens, auch dank des hervorragenden Teams rund um Steffi, die mit ihrem Charme die Gäste bestens betreut. Ich bin wirklich stolz auf mein gesamtes Team.

WANN & WO: Wie würdest Du Deinen Stil als Gastronom beschreiben?

Sigi Innauer: Früher zählte ich sicher zu den Jungen Wilden, inzwischen sehe ich mich eher als Strategen. Meiner Meinung nach muss man einfach mit offenen Augen durch das Leben gehen und immer am Puls der Zeit sein. Mut gehört sicherlich auch dazu.

WANN & WO: Bleibt die Vakanz Dein letztes Club-Projekt? Was treibt Sigi Innauer in zehn Jahren?

Sigi Innauer: Ich bin ein umtriebiger Charakter. Mir schwebt auch ein neues Konzept vor, so viel sei verraten. Vielleicht wird es auch eine Art Altherrenrunde für ein ausgesuchtes Publikum. Diskutiert wird über alte Autos. Aber mit jungen Damen, selbstverständlich.

Sigi Innauer
Alter, Wohnort:
58, gefühlt: 35, Dornbirn
Familie:
Lebensgemeinschaft mit Jasmin
(Sohn, 5 Jahre, Tochter, 19 Monate, Ziehsohn,
18), Söhne Matthias (28) und Markus (34)

Gastronomische Laufbahn:
• Vakanz, Bezau, 1984 bis 1991
• Kiew, Club in Röthis, 1992 bis 1996
• Innauer Club Bar, Dornbirn, 1997 bis 2008
• Restaurant, Bar Innauer Dornbirn mit Vakanz
Club im Kellergewölbe (seit 2013)

Gut 30 Jahre Vakanz
Der Kreis schließt sich: 31 Jahre nach
den Anfängen in der Vakanz Bezau zählt
die neue Vakanz im Kellergewölbe nun
zu den schönsten Clubs in Vorarlberg.

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