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Vom Gleichgewicht im Alter

Das Gestell dient beim Training nur zur Absicherung
Das Gestell dient beim Training nur zur Absicherung ©Michael Koch
Joseph Kohler in Aktion

Leichten Schritts erledigt Joseph Kohler morgens in Andelsbuch seine täglichen Geschäfte. Er kauft ein, zahlt seine Rechnungen und erledigt die anfallende Post, stets ruhig und freundlich. Im Sommer fährt er gerne Fahrrad und arbeitet im Garten, im Winter gilt seine Leidenschaft dem Skifahren. Nichts Außergewöhnliches also für einen rüstigen Pensionisten. Doch Joseph Kohler ist nicht siebzig oder fünfundsiebzig, auch keine fünfundachtzig oder neunzig. Nein, stolze vierundneunzig Lenze zählt der Sattlermeister inzwischen.

Doch Ratschläge für ein gesundes Leben möchte der Junggebliebene nicht geben, denn “es muss schon jeder selbst merken, was für ihn am besten ist”. Trotzdem erzählt er gerne, was er persönlich für seine Gesundheit tut. “In meinem Alter ist es besonders wichtig, mobil zu bleiben” meint er und tritt auf eine Wippe, ein loses Brett auf einer Metallrolle. Locker balanciert er ein wenig hin und her, eine Übung, bei der so mancher Sportstudent schon längst auf der Nase liegen würde. “Und dafür ist ein gutes Gleichgewicht die erste Voraussetzung”.
Direkt daneben steht ein Hometrainer, auf dem er täglich seine Beinmuskulatur kräftigt. Auf dem Trainingsgerät liegt stets ein Buch, denn “ohne Lesen oder Radio wird es mir bald zu langweilig”. Seine Nahrungsmittel bezieht der rüstige Junggeselle möglichst aus dem eigenen Garten. “Dem chemischen Zeug, das man in den Geschäften bekommt”, insbesondere jeder Art von Konservierungsmitteln, misstraut er. Wichtig sind ihm auch Ringelblumen und Beinwurz im Garten, aus denen er Salben zur Heilung von Wunden und Hautkrankheiten kredenzt.

Seine Kontakte pflegt Joseph Kohler nicht nur im Dorf, sondern auf der ganzen Welt. Als Amateurfunker mit C-Lizenz (das ist die höchstmögliche Klasse) hat er Gesprächspartner rundum den Globus, darunter einen amerikanischen General und ausgewanderte Deutsche in Brasilien. Die Antennen auf dem Dach steuert er zentral vom Funkraum aus und richtet sie so in die jeweils bevorzugte Himmelsrichtung.

Zu schaffen macht ihm trotz aller Frische sein nachlassendes Hörvermögen, das nicht nur die Funkerei, sondern auch den Besuch von Veranstaltungen beeinträchtigt. Außerdem hemmte ihn längere Zeit eine schmerzhafte Ischias. Doch mit viel Vitamin B1 und ein wenig ärztlicher Hilfe konnte er auch dieses Problem aus der Welt schaffen. “Ganz ohne Medikamente” sagt er nicht ganz ohne Stolz. Denn mit der Ruhe, Erfahrung und Disziplin eines Joseph Kohler ist man offensichtlich nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

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