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Volksbank 2008 mit 402 Mio. Vorsteuerverlust

Das Debakel um die Ende 2008 notverstaatlichte Kommunalkredit sowie teure Abschreibungen auf Wertpapiere (Lehman, Island etc.) und auf die Immobilienaktivitäten (Europolis) haben die Volksbank AG (ÖVAG) im abgelaufenen Jahr tief in die roten Zahlen gebracht.

Auf 900 Millionen Euro summierten sich 2008 die Abschreibungen in der Volksbank AG (ÖVAG). Das Debakel um die Ende 2008 notverstaatlichte Kommunalkredit sowie teure Abschreibungen auf Wertpapiere (Lehman, Island etc.) und auf Immobilienaktivitäten (Europolis) haben die viertgrößte Bank Österreichs im abgelaufenen Jahr tief in die roten Zahlen gebracht. Selbst unterm Strich blieben 152 Mio. Euro Nettoverlust.

 

Mit der Republik gibt es seit vorigem Freitag den Vertrag über die Hereinnahme von einer Milliarde Euro staatlichem Partizipationskapital (PS-Kapital). Das Staatsgeld soll noch heute, Dienstag, auf dem Konto der Bank sein.

Der Vorsteuerverlust der ÖVAG belief sich 2008 auf 402 Mio. Euro, im Jahr davor, 2007, gab es da noch einen Gewinn von 388 Mio. Euro.

Anders als noch vor einigen Wochen geplant gibt es für die Aktionäre für 2008 keine Dividende. Der Hauptversammlung (HV) im Mai wird wohl keine Ausschüttung vorgeschlagen werden, teilte der scheidende ÖVAG-Chef Franz Pinkl am Dienstag der APA bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz in Wien mit. Im druckfrischen Jahresbericht 2008 fand sich noch ein zum Jahr davor stabiler Dividendenvorschlag für 2008.

Pinkl ist wegen Streitigkeiten um die Ausrichtung der Bank und wochenlangen Ablösegerüchten per Ende April zurückgetreten. Seinen neuen Job als Chef der Kärntner Hypo Alpe Adria tritt er am 1. Juni an. Sein Nachfolger an der ÖVAG-Spitze soll binnen zweier Wochen fest stehen. Pinkl bezeichnete es heute als vermessen, wolle jemand behaupten, dass er in seiner beruflichen Tätigkeit keine Fehler mache. Pinkl hatte in der ÖVAG seinen Rücktritt angeboten, sollten ihm in Sachen Kommunalkredit-Organverantwortung schwerwiegende Fehler unterlaufen sein. Die habe es nicht gegeben, so Pinkl heute. Ein Gutachten dazu sei noch in Arbeit, es sei aber nicht Basis seiner Rücktrittsentscheidung gewesen.

Die größte Belastung erwuchs der ÖVAG mit der Trennung von der um den Jahreswechsel um einen Euro an den Staat abgetretenen Kommunalkredit, deren Geschäftsmodell wegen der Finanzkrise zusammengebrochen war und die hohe Spekulationsverluste hatte. Die ÖVAG musste der Kommunalkredit noch PS-Kapital nachreichen, die gesamte “Entkonsolidierung” belastete die ÖVAG-Ergebnisrechnung 2008 samt nötiger Abschreibungen des Kommunalkredit-Engagements mit 584 Mio. Euro.

83 Mio. Euro Wertberichtigungen hatte die ÖVAG wegen der Lehman-Pleite zu verkraften und 63 Mio. Euro auf Island-Papiere. Wegen des belasteten Immobilienumfelds im Osten hat die Bank den Firmenwert ihrer Immobiliengesellschaft Europolis zur Gänze abgeschrieben, was die Bankbilanz nochmals mit 170 Mio. Euro belastete. Mit geplanten Verkäufen von Immobilien muss man weiter zuwarten, bis der Markt sich erholt.

72 Millionen an Firmenwerten (davon rund 32 Millionen Investkredit) hat die ÖVAG laut Pinkl jetzt noch “draußen”. Da sei nicht mehr viel da, was spürbar wertzuberichtigen sei, mit der Bilanz 2008 seien alle möglichen Belastungen erledigt, heißt es. An ein Vorziehen der Investkredit-Fusion ist weiter nicht gedacht.

Die Bilanzsumme der ÖVAG lag Ende 2008 bei 52,9 Mrd. Euro. Im Jahr davor waren es 78,6 Mrd. Euro gewesen. Auch hier brachte der Kommunalkredit-Ausstieg eine “Korrektur”. Nach Abzug des Mehrheitsanteils an der Kommunalkredit berechneten die Volksbanker das Bilanz-Wachstum 2008 dennoch mit 15,8 Prozent.

8.926 Mitarbeiter hatte die ÖVAG zum Ultimo, davon 2.080 im Inland und 6.846 im Ausland. Im Osten steht der Konzern jetzt auf der Bremse. Einen größeren Personalabbau hat man laut Pinkl im Konzern nicht vor, wohl aber gebe es schon länger Aufnahmestopp. Abgänge würden durch interne Nachbesetzung besetzt, man setze auf natürliche Fluktuation.

Die Aktionäre der ÖVAG sind: 56 Prozent Volksbanken Holding (Zusammenschluss der Volksbanken), 10 Prozent Ergo Versicherung, 25 Prozent deutsche DZ Bank-Gruppe und 6,1 Prozent RZB. Der Rest befindet sich im Streubesitz.

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