Vkw übernimmt Erdgas-Versorger

Bregenz (VN) -  Der Vorarlberger Erdgasgesellschaft VEG stehen nach VN-Informationen grundlegende Veränderungen ins Haus. Der Gaslieferant zieht nach Bregenz um und wird von Vkw einverleibt.

Die jährlichen Neuanschlüsse bei Privatkunden sind auf Niedrigstniveau – jeder, der kann, nutzt Erdwärme oder Biomasse. Stichwort Biomasse: kaum eine Gemeinde, die mittlerweile nicht über ihr eigenes Biomassekraftwerk verfügt. Auch damit graben die Kommunen dem Gaswerk (an dem sie selbst beteiligt sind) konsequent Gewerbekunden ab. So rosig die Zukunft des Stromerzeugers Illwerke Vkw ist, so düster stellt sich jene einer eigenständigen VEG am Energiemarkt dar: der Gasmarkt wird in den nächsten Jahrzehnten beständig schrumpfen – und mit ihm auch die VEG.

Als ob das nicht genügt, planen einflussreiche Vorarlberger Industrielle schon seit geraumer Zeit, durch eine Neuausschreibung einen günstigeren Gaslieferanten zu finden. 200 Millionen Kubikmeter Gas liefert die VEG jährlich an ihre 28.000 Kunden in Vorarlberg. 40 Prozent der Gasmenge verbraucht die Industrie.

 
Industrie untreu?

Die in Unternehmerkreisen breit diskutierte Ausschreibung soll im März erfolgen. Die größten VEG-Industriegaskunden Rondo, Getzner und die Rauch-Gruppe sind die treibenden Kräfte hinter der Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft namens „Walgaukraft“. Günstige Preise am Weltmarkt zu erzielen, dürfte Branchenschätzungen zufolge für die Vorarlberger Unternehmen durch die Arabienkrise allerdings nicht einfach werden. Es ist deshalb keine Überraschung, dass sich nun doch eine Einigung zwischen VEG und Industrie im Kampf um Cents beim Gastarif abzeichnet. „Hätten die Industriellen vor zwei Monaten ausgeschrieben, wäre ein günstigerer Preis möglich gewesen. Jetzt haben Muammar al-Gaddafi & Co. ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagen Insider. Die nordafrikanischen Länder sind wichtige Gaslieferanten der EU. Die VEG bezieht zwei Drittel ihres Jahresbedarfs aus Westeuropa – über die vorgelagerte E.ON Ruhrgas AG – und bietet den Haushaltskunden den günstigsten Gaspreis Österreichs.

 
VEG wird inhaliert

Wie schon der Landesrechnungshof bei seiner letzten VEG-Prüfung im Oktober 2004 empfahl, soll nun die Kooperation zwischen VEG und Vkw verstärkt werden. Konkreter ausgedrückt: Die Vkw soll sich schon in den nächsten Wochen den Gaslieferanten mehr oder weniger einverleiben. Dafür möchte die Vkw ihren bisherigen 71-Prozent-Anteil auf 75 Prozent aufstocken, was wiederum heißt, dass die 33 an der VEG beteiligten Städte und Gemeinden ihre Minderheitsbeteiligung reduzieren müssten. Ziel: ein volles Durchgriffsrecht in der Gesellschaft.

 
Im ersten Halbjahr 2011

Mit den beiden entsandten Verhandlern der Städte Dornbirn und Feldkirch ist man nun handelseinig: noch im ersten Halbjahr sollen die benötigten Anteile an die Vkw verkauft werden. Welche Gemeinden Anteile abgeben, ist aber noch unklar. Weil die großen Kommunen (vor allem Dornbirn) beim Hergeben von Anteilen und Vermögenswerten traditionell sehr zurückhaltend sind, dürften vor allem Kleinstgemeinden zum Zug kommen (und dafür monetär entschädigt werden).

Die Parteien sollen im nächsten energiepolitischen Ausschuss informiert werden. Eine außerordentliche Aufsichtsratsitzung der VEG ist für 10. März angesetzt.

 

FürKundensolleskaum Veränderungen geben

Für die Kundensoll sich nicht allzuviel ändern: Es ist geplant, dass ein Verkäuferteam gemeinsam die Industriekunden betreut und Strom und Gas aus einer Hand verkauft. Dies war auch ein Kritikpunkt, der aus der Industrie an die VN herangetragen wurde: „Erst kommt der Vkw-ler, handelt um den Strompreis, und eine Woche später steht die VEG auf dem Teppich.“ Im Fachjargon der Energiewirtschaft heißt das „Multi-Utility“-Strategie. Nur wer alle Energieformen aus einer Hand anbietet, kann hohe Synergieeffekte im Vertrieb umsetzen und so Kosten sparen.

Wie unabhängige Experten den VN bestätigen, ist der Gaspreis für private Haushalte von den Verschiebungen oder dem drohenden Absprung der Industrie nicht betroffen. „Die Kommunalgasverträge sind separat verhandelt und nicht mit den Volumina der Industrie gekoppelt“, heißt es auch aus der Vkw. Der aktuelle Vertrag, der die Zulieferung mit dem Kommunalgas für Endverbraucher regelt, läuft bis 30. 9. 2013.

 

Umzugnach Bregenzgeplant

Die VEG wird nach VN-Recherchen von Dornbirn an den Stammsitz der Vkw nachBregenz geholt, um Synergien zu nutzen. Die ca. 75 VEG-Mitarbeiter sollen zur Gänze übernommen werden, um dann eben im Illwerke-Vkw-Konzern zu arbeiten. Es soll dabei zu keinen Verschlechterungen kommen. Die Nachnutzung der Immobilie in Dornbirn ist noch unklar.

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