AA

Viele Afghaninnen haben nicht die Wahl

Die schlechte Sicherheitslage, Betrug und fehlende Wahlhelferinnen werden bei der afghanischen Präsidentenwahl am Donnerstag wohl viele Frauen von der Stimmabgabe abhalten.
Angespannte Lage vor der Wahl
Pressestimmen zu Afghanistan-Wahl
Verschiedene Szenarien nach Wahl

Obwohl die weiblichen Stimmen in manchen Gegenden durchaus Gewicht haben, dürfte im unruhigen Süden und Osten unter dem Einfluss der Taliban und des konservativen Islam nur eine Minderheit der weiblichen Wähler die Chance bekommen, an der Abstimmung teilzunehmen. “Die Südprovinzen sind eine recht geschlossene Gesellschaft, kulturell konservativ und die Analphabetenquote unter Frauen ist sehr hoch”, sagt die Ärztin Massuda Jalal, die bei der Wahl 2004 als Kandidatin für das Präsidentenamt angetreten war.

So öffnet schon die Wählerregistrierung dem Betrug Tür und Tor: “Viele Frauen wollen und müssen sich nicht fotografieren lassen, und damit können ihre Karten missbraucht werden”, kritisiert Jalal. Abgesehen davon befürchten Beobachter, dass es in etlichen Gegenden schlicht nicht genug Wahlhelferinnen geben wird, um die Frauen an den Wahllokalen zu durchsuchen. In umkämpften Gebieten wie der Provinz Helmand im Süden hat die Wählerregistrierung erst in den vergangenen Wochen begonnen – und bis jetzt stehen die Frauen dafür nicht gerade Schlange. “Wenn wir in solchen Regionen nicht die richtigen Vorkehrungen treffen, können Familienoberhäupter oder Stammesälteste den Wahlschein der Frau nach eigenem Gutdünken benutzen”, klagt der Wahlbeobachter Jandad Spindar.

In der Provinz Logar südlich von Kabul verzeichnet die Chefin der Menschenrechtskommission, Sima Samar, sogar eine verdächtig hohe Quote bei der Wählerregistrierung von Frauen. Dies gelte auch für andere Gebiete im Süden, wo die konservative Auslegung des Islam den Frauen das Reisen und die Teilnahme am öffentlichen Leben schwermachen. Gerade im Süden und Osten aber dürfte die Wahlbeteiligung der Frauen entscheidend für den Favoriten Hamid Karzai sein. Der Präsident ist selbst Paschtune und bezieht den größten Teil seiner Unterstützung aus den Paschtunengebieten im Süden.

Es würden dort jedoch nicht die Frauen sein, die am Ende abstimmten, sagt ein Informant, der die Wahlvorbereitungen verfolgt hat. “Kein Kandidat hat sonderliches Interesse an den Frauen. Es ist ein Männerclub, und die meisten denken nicht einmal über die Probleme (der Frauen) nach”, sagt der Informant. “Allen ist klar, dass es viel einfacher ist, den Stimmzettel einer Frau zu missbrauchen als den eines Mannes”. In einigen Provinzen wie Nuristan im Osten und Paktia und Paktika im Südosten seien sogar mehr Frauen für die Wahl registriert als dort tatsächlich lebten. “Wenn am Ende in Nuristan mehr Frauen zur Wahl gehen als in Kabul, dann ist auf jeden Fall etwas nicht in Ordnung”.

Welches Gewicht die Stimme einer Afghanin hat, hängt auch davon ab, welcher Volksgruppe sie angehört. Im Norden und im Landesinneren etwa leben viele schiitische Hazara, die liberaler sind als die konservativen sunnitischen Paschtunen. “Ich denke, dass die Wahlbeteiligung unter den schiitischen Frauen höher sein wird. Ich bin selbst Schiitin, und unsere Männer halten uns nicht davon ab, zu Orten zu gehen, wo wir auch auf Männer treffen”, sagt Fatemeh Hossaini, die in einem Bezirksrat der Provinz Bamiyan im Landesinnern sitzt. Die paschtunischen Frauen dagegen dürften bei der Wahl am schwächsten repräsentiert sein, obwohl sie zur größten Volksgruppe zählen, befürchten Wahlbeobachter.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Politik
  • Viele Afghaninnen haben nicht die Wahl
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen