Viel Lärm um Nichts? Kritik am Tierschutzausschuss

Für Ann-Kathrin Freude und den VGT ist der Tierschutzausschuss eine Farce, gerade in Bezug auf Schweinhaltung und Tiertransporte.
Für Ann-Kathrin Freude und den VGT ist der Tierschutzausschuss eine Farce, gerade in Bezug auf Schweinhaltung und Tiertransporte.
Während Grüne und ÖVP vom "Tierschutzland Österreich" sprechen, kritisiert der VGT Beschlüsse rund um Vollspaltenböden und Tiertransporte scharf. VOL.AT sprach mit Ann-Kathrin Freude (VGT Vorarlberg).

"Nichts." So lautet die Antwort von Tierschutzaktivistin Ann-Kathrin Freude (VGT Vorarlberg) auf die Frage, was sich denn in Sachen Schweinehaltung und konkret Vollspaltenböden nach dem Tierschutzausschuss verändern würde. Die Tierschützerin zeigt sich angesichts des Volksbegehrens mit 416.000 Unterschriften und des daraus resultierenden Entschließungsantrags von ÖVP, Grünen und NEOS im VOL.AT-Videocall erschüttert über die Reaktion seitens der Politik, die ihrerseits von einem Meilenstein in Sachen Tierschutz spricht. Ein Verbot der Vollspaltenböden in der Schweinehaltung ist im Entschließungsantrag nicht enthalten. "Wohl aber sollen die Vollspaltenböden durch einen neuen Mindeststandard für den Neu- und Umbau von Schweineställen zum Auslaufmodell werden", so Agrarsprecherin Olga Voglauer (Grüne).

VGT mit scharfer Kritik

Für den Verein gegen Tierfabriken (VGT) wurde "eine große Chance vertan". Satt einem Verbot der Vollspaltböden werde an die Ministerien appelliert, ab 2023 nur mehr Neubauten von Betrieben zuzulassen, die einen "bis zu 20 Prozent" größeren Platz pro Schwein anbieten und einen "Liegebereich" vorsehen, in dem der Spaltenanteil "nur mehr" zehn Prozent ausmacht, kritisierte der VGT. Damit erlaube man Schweinebetrieben weiterhin, einen Vollspaltenboden einzubauen. Bei Tiertransporten gebe es auch keinen Fortschritt. "Übrig geblieben ist nur der Aufruf zu einem Dialog über neue Kälbertransportregelungen auf Basis des Immunstatus der Tiere", so VGT-Obmann Martin Balluch. Ähnlich sieht das auch seine Vorarlberger Kollegin Ann-Kathrin Freude: "Obwohl die EU eigentlich deutlich signalisiert, dass in Sachen Tierschutz großer Aufholbedarf besteht, zeigt sich Österreich wenig einsichtig. Sowohl was die Haltung von Schweinen, insbesondere mit Vollspaltenböden betrifft, als auch das eigentlich verbotene Kupieren der Schwänze von Ferkeln, das hierzulande immer noch praktiziert wird." Auch in Sachen Tiertransporte zeigt sich die Aktivistin enttäuscht: "Unsere Forderung nach einem Mindestalter für Kälber, die transportiert werden, blieb ebenfalls ungehört. Das Verbot von Schlachtvieh-Exporten in Drittländer außerhalb der EU wird weiterhin nicht thematisiert."

LK-Präsident Moosbrugger kontert

Den vom Gesundheitsausschuss behandelten Entschließungsantrag zum Tierschutzvolksbegehren möchte der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, Josef Moosbrugger, nicht unkommentiert lassen. "Nach dem Pakt für mehr Tierwohl im vergangenen Jahr plant Österreich, das hohe Qualitätsniveau seiner bäuerlichen Tierhaltung weiter auszubauen. Sowohl im Schweine-, Geflügel- als auch im Rinderbereich sind herzeigbare Maßnahmen vorgesehen, um verstärkt auf die Wünsche der Bevölkerung einzugehen. Damit tatsächlich noch mehr Tierwohl erreicht wird, ist es jedoch notwendig, die ganze Wertschöpfungskette über die Verarbeitung bis zum Verbrauch zum Mitmachen zu bewegen und das Gesamtpaket umzusetzen", betont Moosbrugger. "Wer die Latte für unsere bäuerlichen Betriebe noch höher legt, muss im gleichen Atemzug dafür sorgen, dass diese nicht zum unüberwindbaren Hindernis wird. Wir brauchen einen zusätzlichen 'Turbo-Boost', und dieser besteht unter anderem aus verlässlichen Absatzmöglichkeiten für tierische Erzeugnisse am Markt, einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung und einkommenssichernden, höheren Erzeugerpreisen."

(VOL.AT)

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