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Verschmutztes Grundwasser in Korneuburg: Global 2000 vermutet Mitschuld der Behörden

Das verschmutzt Grundwasser in Korneuburg könnte "größte jemals gemessene Grundwasserkontamination in Österreich" sein.
Das verschmutzt Grundwasser in Korneuburg könnte "größte jemals gemessene Grundwasserkontamination in Österreich" sein. ©APA
Die Umweltorganisation Global 2000 vermutet im Fall des verunreinigten Grundwassers in Korneuburg eine "teilweise fahrlässige, teilweise vorsätzliche Beitragstäterschaft" der niederösterreichischen Behörden", wie es Helmut Burthscer, Umweltchemiker bei Global 2000, bei einer Pressekonferenz bezeichnete.
Hinweise auf Gesundheitsgefährdung
Global 2000 kündigt Umweltbescherde an

Man habe den Austritt von Pestiziden durch mangelhafte Kontrollen nicht verhindert, der weiteren Ausbreitung nicht sachgemäß vorgebeugt sowie die Bevölkerung nicht ausreichend informiert. Das gehe unter anderem aus Verhandlungsprotokollen und Niederschriften der Behörden hervor.

“Größte jemals gemessene Grundwasserkontamination in Österreich”

Die Global 2000 hat eine Sachverhaltsdarstellung an die ermittelnde Staatsanwaltschaft übergeben. Es handle sich vermutlich um die “größte jemals gemessene Grundwasserkontamination in Österreich”, so Burtscher. Einzelne Behördenvertreter der Bezirks- und Landeshauptmannschaft hätten dabei bewusst zur Vertuschung des Ausmaßes des Schadens beigetragen. Das schließt die Umweltorganisation aus den Protokollen, die sie im Zuge des laufenden Umweltbeschwerdeverfahrens einsehen konnten.

Gemeinde über Vershcmutztes Grundwasser in Korneuburg zu spät informiert

Erst im Mai 2011 sei die Gemeinde informiert worden, kritisierte die Korneuburger Umweltstadträtin Elisabeth Kerschbaum. Betroffene Bürger hätten keine Auskunft über Messdaten erhalten und an die Bevölkerung seien vor allem verkürzte Informationen weitergegeben worden. Das Verfahren sei nicht nach dem Umwelthaftungsgesetz, sondern nach einem Notfallparagrafen des Wasserrechts abgewickelt worden, was eine breite Information der Öffentlichkeit nicht mehr notwendig machte. Von einer Genehmigung dieses Verfahren wisse man jedoch im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft nichts, erklärte Burtscher.

“Das wahre Ausmaß des Unfalls wurde zwei Jahre lang nicht festgestellt”, kritisierte Burtscher. Es sei zwar immer wieder auf ein Pestizid geprüft, aber kein vollständiges Pestizid-Screening durchgeführt worden. So hätten sich die umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffe unbemerkt bis zum Brunnenfeld Bisamberg ausbreiten können, aus dem vor allem im Sommer rund 50.000 Menschen ihr Wasser beziehen.

Chemikalien in Donaugraben geleitet

Als Motiv vermutet die Umweltorganisation, den Versuch die Sanierungskosten für den Konzern niedrig zu halten und damit eine Aufgabe des Standorts zu verhindern. 21 Monate lang habe man zudem im Zuge der Sanierung Grundwasser, das nicht auf weitere Chemikalien geprüft war, in den Donaugraben eingeleitet.

Eigentlich sei die Gesetzeslage zur Verhinderung von gewerblicher Grundwasserkontamination durch Kontrollen und Auflagen völlig ausreichend, so der Sprecher der Bürgerinitiative Pro Reines Wasser, Matthias Schnabl. Der Pestizidhersteller Kwizda-Agro sei in der Gefährlichkeit hoch eingestuft gewesen, daher hätte die Behörde ein spezielles Inspektionsprogramm, Auflagen und jährliche Kontrollen vorschreiben müssen. “In den letzten fünf Jahren wurde das Abwassersystem nicht kontrolliert, auch nach der Meldung des Unfalls 2010 wurde keine Inspektion vorgenommen”, erklärte Schnabl.

(APA/Red)

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