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Vermessung: Bodensee ist weniger tief als bisher angenommen

Detailgetreues 3D-Modell in grenzüberschreitendem Projekt erstellt - Kosten 612.000 Euro.
Detailgetreues 3D-Modell in grenzüberschreitendem Projekt erstellt - Kosten 612.000 Euro. ©Tiefenschärfe
Der Bodensee ist an seiner tiefsten Stelle mit 251,14 Metern um etwa zweieinhalb Meter flacher als bisher angenommen. Das ist eines der Ergebnisse des grenzüberschreitenden Projekt "Tiefenschärfe", das in den vergangenen zwei Jahren ein detailgetreues 3D-Modell des Bodensees erstellt hat.
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Möglich wurde die genaue Messung mittels modernster Technik. Die Kosten beliefen sich auf 612.000 Euro. Forscher aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben das Becken des drittgrößten mitteleuropäischen Sees seit April 2013 mit Fächerecholot und Laserscanner von Schiff und Flugzeug aus lückenlos vermessen und die gewonnenen Daten ausgewertet. 5.500 Kilometer fuhr das 75 Tonnen schwere Boot dafür kreuz und quer über den See, teilte Projektkoordinator Martin Wessels vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Baden-Württemberg) am Freitag mit.

“Spannende Details”

Die Mühe habe sich gelohnt. “Wir haben den Bodensee auf völlig neue Weise kennengelernt und sind auf viele spannende Details gestoßen”, sagte Wessels. Abgesehen von der Abweichung bei der Messung der tiefsten Stelle des Sees fand das Forscherteam entlang des Schweizer Ufers zwischen Romanshorn und Güttingen (beide Kanton Thurgau) eine größere Anzahl unbekannter Erhebungen, deren Entstehung nun von Tauch-Archäologen geklärt werden soll. Für Rätselraten sorgten laut Wessels auch bisher unbekannte rundliche Strukturen entlang der Ufer des Gnadensees sowie vielfältige kraterartige “Pockmark”-Strukturen an den Hängen des Sees.

Hügel, Flussläufe und Hangrutsche

Zudem habe der Boden des Sees einen unerwarteten Formenreichtum: Die Kartierung habe unter anderem Hügel, Flussläufe und Hangrutsche gezeigt, deren Analyse etwa Hinweise auf jahrtausendealte seismische Aktivitäten liefern könnten. In einem 3D-Modell seien sämtliche Phänomene nun realitätsgetreu abgebildet. “Die hohe Qualität und Stimmigkeit der Daten haben unsere Erwartungen weit übertroffen”, berichtete Wessels.

Bereits zwei Folgeprojekte

Die gewonnenen Daten und Ergebnisse lieferten nun einen langfristigen Beitrag zu Natur- und Denkmalschutz, Gefahrenabwehr und Gewässerunterhalt am Bodensee, ergänzte der Vorsitzende der Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB), Elmar Zech. Die IGKB fungierte als Träger des Projekts “Tiefenschärfe”. Finanziert wurden die Kosten der Vermessung in Höhe von 612.000 Euro aus Mitteln des EU-Regionalprogramms Interreg IV und von den beteiligten Ländern.

Auf Basis der aktuellen Ergebnissen seien bereits zwei Folgeprojekte entstanden, freute sich der Projektkoordinator. Das Projekt “Seezeichen” erforsche die bei der Echolotmessung entdeckten Grundwasseraustritte am Seeboden, “HyMoBioStrategie” untersuche seit April die Auswirkungen der Veränderungen in der Uferzone durch den Menschen.

(APA)

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