AA

Verhandlung Fall Luca

Staatsanwältin Martina Weiser trug den Geschworenen unter Richtervorsitz von Gernot Braitenberg die - in ihren Details grauenhafte - Anklage in kurzer Form vor.

Sie sprach von einem “tragischen Vorfall”, den wohl alle aus den Medien kennen, stellte zugleich aber klar, dass es in diesem Prozess nicht um Kindesmisshandlung, sondern sexuellen Missbrauch gehe: Alles, was (an Verletzungen) vor dem 1. November 2007 stattgefunden habe, sei nicht Gegenstand der Verhandlung.

Der Staatsanwältin zufolge habe der Mann dem Kleinkind an jenem Tag in seinem Haus durch Analverkehr ein Schütteltrauma zugefügt, das zu einer Hirnschwellung führte. Zwei Tage später war Luca tot.

Weiser verwies darauf, dass der Beschuldigte im Lauf des Ermittlungsverfahrens vier verschiedene Versionen des Geschehens erzählte. Für die Tat gebe es aber eindeutige Beweise.

Dem widersprach Ingrid Weber, die Verteidigerin des 24-Jährigen. Eine DNA-Spur sei einzig am Strampelanzug und an der Strumpfhose des Opfers gefunden worden, wohin sie auch beim Wickeln gekommen sein könnte. Das Alter der Spuren war nicht zu bestimmen. Der Analabstrich zeigte zwar männliche Spuren, aber nicht zuordenbar.

Ihr Mandant, gelernter Tischler, sei unbescholten und ein fleißiger Bursche, der viel gearbeitet habe. Die schreckliche Tat, die ihm angelastet werde, mache ihm schwer zu schaffen. Die Anwältin sah auch kein Motiv: Es ergebe keinen Sinn für eine derartige Vorgangsweise in einem Haus, in dem sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Menschen befunden hatten.

Der Privatbeteiligtenvertreter des leiblichen Vaters, der Linzer Rechtsanwalt Christian Fischer, sprach von einer abscheulichen Tat. Er verzichtete darauf auszuführen, was Bernhard Haaser alles getan habe, um das Leid und den Tod seines Sohnes aufzuklären.

Für die – ebenfalls privatbeteiligte – Kindesmutter seien die vergangenen Monate, in denen sie in der Öffentlichkeit “unberechtigt Misshandlungsvorwürfen ausgesetzt” war, nicht leicht gewesen, erklärte deren Anwalt. Die Tirolerin, damals Mutter zweier kleiner Buben, habe sich in den Angeklagten verliebt, der sich ihr Vertrauen erschlich und auch von Jugendbehörden als ruhig und besonnen eingeschätzt worden sei – welche Abgründe in ihm waren, konnte niemand ahnen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Verhandlung Fall Luca
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen