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Vergewaltigungsopfer

Sie werden als Zeichen der Schuld gesehen. Gewaltsam gezeugt, haben die „Kinder der Schande“ im Kosovo kaum eine Zukunft. [10.1.2000]

Ihre Mütter, junge Albanerinnen, wurden auf der Flucht vergewaltigt und schenken in diesen Wochen ungewollten Kindern das Leben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass zwischen 10.000 und 20.000 Frauen während des Kosovo-Konflikts vergewaltigt wurden.

„Sie hatte drei Kinder, aber nun ist sie allein. Ihr Ehemann konnte den dunklen Schatten über der Familien nach einer Vergewaltigung durch Serben nicht ertragen“, schildert die Frauenaktivistin Sevdije Ahmeti einen Fall. „Er ging nach Österreich und nahm die drei Kinder mit. Sie solle allein damit fertig werden. Jetzt ist sie hier, psychisch zum zweiten Mal vergewaltigt.“

Für Auskünfte über ihre Arbeit gilt: keine Adressen, keine Namen. Das Vertrauen der Opfer, die sich an das von Ahmeti geführte kosovarische Zentrum zum Schutz von Frauen und Kindern in der Provinz-Hauptstadt Pristina wenden, soll nicht enttäuscht werden. Denn es kommen auch die Frauen, die nach einer Vergewaltigung auf der Flucht schwanger wurden. Die Statistiken des Zentrums zählen jüngst 26 Fälle in Pristina, zwölf Babys wurden im westlichen Pec geboren, sechs in östlichen Gnjilane. „Für die anderen Städte haben wir keine Zahlen. Die meisten der in Krankenhäusern geborenen Kinder bleiben als Waisen zurück“, sagt die Helferin.

Die jungen Mütter entziehen sich den Ärzten und Schwestern. Sie wollen einem Schicksal entkommen, in dem sie in den Augen der Gesellschaft zu Untoten werden. „Der Krieg ist vorbei. Alle fühlen Erleichterung nach dem Albtraum, aber diese Frauen laufen Gefahr, dies niemals zu erleben“, sagt Ahmeti.

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