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Verborgene Schätze: ­Islamische Kunst in Wien

©FWF
Alle in Wiener Sammlungen befindlichen Kunstobjekte aus der islamischen Welt werden jetzt erstmals dokumentiert und zum großen Teil wissenschaftlich untersucht.

Durch die genaue Bearbeitung dieser Objektgruppe zeigte sich, dass ihr Umfang bedeutend größer ist als bisher angenommen. Neben der wissenschaftlichen Dokumentation setzt sich das vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Projekt das Ziel, Geschichte, Bedeutung und genaue Herkunft der Objekte aus der islamischen Welt in Wiener Sammlungen aufzuklären. Eine derartige umfassende Rekonstruktion ist zum Beispiel bereits für mehrere osmanische Flaggen eindrucksvoll gelungen.

Die Wiener Kaffeehaustradition und der Ring – Nachwirkungen aus der Zeit der Türkenkriege finden sich sowohl in der Alltagskultur als auch im Straßennetz der österreichischen Hauptstadt. Der Umstand, dass in der Zeit um die Türkenbelagerungen (16./17.Jahrhundert) Wiens neben der Entdeckung des Kaffees und dem Ausbau der Stadtbefestigung auch ein beträchtlicher Zuwachs an Kunstobjekten der Wiener Sammlungen aus der islamischen Welt stattfand, blieb bisher weitgehend unbeachtet. Eine Studie von Prof. Bert Fragner und Dr. Barbara Karl vom Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beschäftigt sich nun als Erste umfassend mit den aus dem 8. bis 19. Jahrhundert stammenden Kunstgegenständen.

Noch vor wenigen Jahren wurde der Umfang der in Wiener Sammlungen befindlichen Kunstobjekte aus der islamischen Welt auf etwa 5.000 geschätzt. Diese Zahl hat sich im Zuge des Projekts auf zirka 30.000 versechsfacht. Eine Ursache für die frühere Fehleinschätzung ist in der Verteilung der Objekte auf mehrere Sammlungen zu finden. So sind unter anderem sowohl in diversen Abteilungen des Kunsthistorischen Museums, im Heeresgeschichtlichen Museum als auch im Wien Museum oder im Österreichischen Museum für angewandte Kunst Objekte aus der islamischen Welt anzutreffen und fristen dort mehrheitlich ein Schattendasein. Zusätzlich fanden einige Stücke ihren Weg in das 500 km westlich von Wien gelegene und als Außenstelle des Kunsthistorischen Museums Wien dienende Schloss Ambras.

Koransuren im Stephansdom

Eine besonders interessante Gruppe unter den islamischen Kunstgegenständen Wiener Sammlungen stellt die Beutekunst dar. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem osmanische Flaggen, die nach geschlagener Schlacht in den Besitz der Habsburger gelangten. Diese Beute verstaubte keineswegs in Museumsvitrinen, sondern wurde bei militärischen Einzügen oder auch im Wiener Stephansdom dem Volk präsentiert. Fahnen wurden aufgrund ihrer, oftmals religiösen, Symbole und Texte – wie etwa Koransuren – besonders gerne als Propagandaträger herangezogen. So wurde jahrzehntelang am Jahrestag des Endes der zweiten Türkenbelagerung eine erbeutete rote Seidenfahne im Wiener Stephansdom aufgestellt. “Die Fahne wurde wiederholt im Glaubenszentrum des Habsburgerreichs zur Schau gestellt. Das sollte den Triumph über den Glaubensfeind tief ins Gedächtnis der Stadt einprägen und ihm zusätzlich eine christlich-religiöse Bedeutung verleihen”, erläutert Dr. Karl. Heute befindet sich die Fahne, die auch als Hamzabeg-Fahne nach dem Ort ihrer Erbeutung bezeichnet wird, im Wien Museum.

Kaiserliche Inszenierung

Ein weiteres Beispiel für die Verwendung osmanischer Beutekunst durch die Habsburger zeigt sich an einer Seidenfahne des Heeresgeschichtlichen Museums. Ursprünglich war diese im Vorzimmer der Schatzkammer der Wiener Hofburg, die das Machtzentrum des Habsburgerreichs verkörperte, aufgestellt. “Die Art der Präsentation der Fahne in der Schatzkammer hatte den Zweck, den Kaiser als Verteidiger der Christenheit gegen den islamisch-osmanischen Feind zu inszenieren”, erklärt Dr. Karl. Zusätzlich sollte auf diese Weise der Machtanspruch der Habsburger als Herrscher von Gottes Gnaden in der Bevölkerung verankert werden.

Die Untersuchung der Verwendung von Kunstobjekten aus der islamischen Welt stellt lediglich einen Aspekt des Projekts dar. Des Weiteren sollen die Objekte in die habsburgische Sammlungsgeschichte integriert und ihre Rezeption untersucht werden. Es soll auch eine chronologische, geografische und dynastische Zuordnung der Stücke erfolgen. In Zeiten einer verstärkten Thematisierung des Islam leistet das vom FWF unterstützte Projekt einen wertvollen Beitrag zur Sensibilisierung über den Wert und den Umgang mit Kunstschätzen anderer Kulturen.

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