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Vatikan: Bischöfe offen für Verheiratete als Priester

Amazonas-Synode - Bischöfe für Priesterweihe von Verheirateten offen
Amazonas-Synode - Bischöfe für Priesterweihe von Verheirateten offen ©APA
Für die einen sind es Schritte in die Moderne, andere sehen die gesamte Kirche in Gefahr: Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die umstrittene Priesterweihe verheirateter Männer ausgesprochen - allerdings nur in Ausnahmefällen und nur für eine bestimmte Region.

Es obliegt Papst Franziskus, in den kommenden Monaten daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Hintergrund ist der Priestermangel in der Region. Angesichts des Zulaufs der evangelikalen Kirchen in Lateinamerika plädieren viele Katholiken seit langem dafür, neue Wege zu beschreiten und einerseits die Weihe älterer, verheirateter Männer - "viri probati" - zum Priesteramt zuzulassen, andererseits die Weihe von Frauen, etwa als Diakoninnen.

Amazonas-Synode

Auf diese Weise sollen in den Weiten des Amazonas-Gebiets genügend katholische Geistliche für das Spenden von Sakramenten zur Verfügung stehen. Die Gegner solcher Neuerungen berufen sich auf die katholische Kirchentradition, nach der nur unverheiratete Männer als Priester geweiht werden können und dann im Zölibat leben müssen.

Bei der dreiwöchigen Amazonas-Synode ging es auch um Fragen des Klimawandels und der Armutsbekämpfung, der Landenteignung und der Umweltverschmutzung. Die Ausbeutung der Amazonas-Region, die derzeit unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro besonders stark voranschreitet, bezeichneten die Bischöfe als "ökologische Sünde" und eine "Tat gegen Gott".

Mehrheit stimmte dafür

Im Amazonas-Gebiet sollen demnach angesehene Männer, die eine Familie haben und schon als Diakone tätig sind, auch Priester werden dürfen. Dafür stimmte am Samstag die Mehrheit der Teilnehmer der Synode in Rom, die sich mit den Problemen der südamerikanischen Region beschäftigte. Zugleich stellte Papst Franziskus eine neue Diskussion über Frauen in gewissen Weiheämtern in Aussicht.

Eine Synode fasst keine verpflichtende Beschlüsse, sondern gibt dem Papst lediglich Empfehlungen. Dieser verfasst dann ein eigenes Schreiben dazu. Bei dem jetzigen Treffen in Rom diskutierten Bischöfe und Fachleute aus Südamerika und anderen Teilen der Welt drei Wochen über die besonderen Herausforderungen der Kirche im Amazonas-Gebiet und die dortige Umweltzerstörung.

"Wichtige Wende"

Für Zündstoff hatte vor allem die Frage der sogenannten "Viri probati" gesorgt: Also jene tugendhaften Männer mit Familie, die geweiht werden könnten, um dem Priestermangel in der Amazonas-Region abzuhelfen. "Ich glaube, es ist eine wichtige Wende, denn es ist das erste Mal, nachdem man über das Thema schon 50 Jahre diskutiert hat, dass auf einer Synode eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe ein verheiratetes Priestertum fordert", sagte der Buchautor und Vatikan-Experte Marco Politi. Er sieht die Möglichkeit, das auf globale Ebene zu übertragen. Und "Gewinner ist ganz bestimmt die Reformlinie", denn diese habe eine Mehrheit gefunden.

Konservative Kritiker des argentinischen Papstes sehen dagegen einen Angriff auf den Zölibat - die mehr als 1000 Jahre alte Pflicht zur Ehelosigkeit der Priester - und die Kirche in ihrer Gesamtheit. Die deutschen Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller gehörten dabei zu den lautesten Querschlägern. Brandmüller sah ein "Grüppchen von Ideologen" am Werk, die den Zölibat zu Fall bringen wollten. Zuvor hatte er sogar von "Häresie" gesprochen. Müller warnte vor einem "Umbau der Weltkirche" und einer "Abrissbirne".

"Erfolg für Franziskus"

Die Synode stand damit für diesen internen Richtungskampf der katholischen Kirche. "Es ist ein Erfolg für Franziskus", sagte Politi. "Die Kritiker werden weiter versuchen, den Papst zu delegitimieren. Diese Eskalation der Aggressivität wird weitergehen."

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn bezeichnete das Ergebnis der Bischofssynode zu Amazonien als ein "starkes Lebenszeichen für Amazonien und die Kirche". Von dem am Samstagabend verabschiedeten Abschlussdokument gingen "starke Impulse" an die Weltgemeinschaft aus, sagte der Erzbischof nach der Präsentation des Textes. Das betreffe sowohl den ökologischen Erhalt des für das Weltklima wichtigen Amazonas-Regenwaldes als auch den Schutz der dort lebenden Menschen. Positiv bewertete der Kardinal den Vorschlag der Synode, der einen Weg für den künftigen Einsatz von verheirateten Priestern skizziert.

In dem Abschlussdokument bekam der Punkt über die verheirateten Männer erwartungsgemäß die meisten Gegenstimmen. Auch wenn Synodenteilnehmer wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ein ums andere Mal betonten: "Die Abschaffung des Zölibats ist nie ein Thema gewesen."

Doch einen Spalt öffnet der Vorschlag dennoch. So steht auch im Abschlussdokument: Einige Teilnehmer hätten sich dafür ausgesprochen, das Thema auf "universaler" Ebene anzugehen. Priestermangel gibt es schließlich nicht nur im Amazonas-Gebiet, sondern auch in Ländern wie Deutschland. Wenn auch nicht so extrem, dass nur einmal im Jahr die Messe gefeiert werden kann. Marx betonte, dass die "Viri probati" für Deutschland derzeit kein Thema seien.

Frauen als Diakoninnen?

Zweiter heikler Punkt: Dürfen Frauen zu Diakoninnen geweiht werden? Zwar sprachen sich die Synodenteilnehmer blumig für mehr Anerkennung der Frau und für mehr Frauen in Führungspositionen aus - bei der Frage nach Frauen als Diakoninnen bleibt das Abschlussdokument jedoch vage.

Franziskus sagte, es solle noch einmal untersucht werden, wie das Frauendiakonat in der Urkirche aussah. Eine 2016 eingesetzte Kommission war da zu keinem klaren Urteil gekommen und soll nun mit neuen Personen besetzt werden. Für sich spricht auch die Tatsache, dass über das Abschlussdokument nur 181 Männer abstimmen durften - obwohl auch mehr als 30 Frauen bei der Synode dabei waren.

Langwieriger Prozess

"Die Erfahrung auf der Synode hat gezeigt, dass es ein langwieriger Prozess ist, im Vatikan Veränderungen zu erzeugen", sagte Birgit Weiler, deutsche Synodenteilnehmerin und missionsärztliche Schwester in Peru. "Frauen sollten auf Synoden auch ein Stimmrecht haben. Es gibt keinen Grund, warum das nicht so sein könnte."

Über all das gelang das ursprüngliche Thema der Synode in den Hintergrund: Die Umweltzerstörung im Amazonas, die Abholzung des Regenwaldes, der Klimawandel, die Ausbeutung indigener Völker, die Gier nach Geld von Großkonzernen und Politikern. Zuletzt verdeutlichten die fatalen Brände im Regenwald, dass es hier nicht um ein regionales Problem geht, sondern die ganze Welt betrifft. "Wenn wir den Amazonas zerstören, zerstören wir die Erde", sagte der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber, der bei der Synode als Redner auftrat.

"Es ist Zeit zu handeln"

Auch Marx betonte, die Synode dürfe nicht auf das Thema der "Viri probati" beschränkt werden. Denn das Überleben der Menschen stehe im Zentrum. "Wir müssen begreifen, es ist Zeit zu handeln, dass es um die Zukunft der Menschheit geht, der Erde."

Mit einer feierlichen Messe im Petersdom wurde die Amazonas-Synode im Vatikan am Sonntag beendet. In seiner Predigt verurteilte Papst Franziskus die Verachtung fremder Traditionen und ein Überlegenheitsdenken, das zu Unterdrückung und Ausbeutung führe.

(APA)

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