Vater, Großvater und Onkel

Lustenau – Ein Leben ohne fröhliche Kinder wäre für Schulwart Wilfried Müller nur halb so schön.

In der Volksschule Lustenau-Kirchdorf wischt Schulwart Wilfried Müller den Boden eines Klassenzimmers und blickt um sich. „Am Montag ist hier endlich wieder Leben. Da geht’s los mit dem neuen Schuljahr.“ Müller mag’s ja zuweilen auch gerne ruhig. „Aber nach einer gewissen Zeit fehlen mir die Kinder.“ Kinder sind tatsächlich Müllers Leben. Der drahtige 55-Jährige ist selbst sechsfacher Vater sowie achtfacher Großvater und an seinem Arbeitsplatz so etwas wie der Onkel von Hunderten anderen Kindern.

Zauber ist geblieben

Der Anfang eines neuen Schuljahres hat für Wilfried Müller auch nach 18 Jahren Dienst an der Volksschule Kirchdorf nichts von seinem Zauber verloren. „Es ist immer herzig, wenn die Erstklässler zum ersten Mal in die Schule kommen. Wie scheu sie sind und unsicher. Wie schnell dann aber schon in den ersten Tagen das Selbstbewusstsein und das Temperament kommt.“ Natürlich, meint „Onkel Wilfried“, brauche man als Schulwart Nerven. „Wenn man Lärm und Wirbel nicht verträgt, ist man hier am falschen Ort.“ Sein Vorgänger habe damit Probleme gehabt und deswegen den Job an den Nagel gehängt.

Die lieben Kleinen

Müller bezeichnet seine Tätigkeit als Traumjob. Vorher arbeitete er als Fahrer für einen Bäcker und in einem Industriebetrieb in der grenznahen Schweiz. „Aber diesen Beruf hier würde ich nicht für das doppelte Gehalt eintauschen“, sagt der 55-Jährige mit dem Brustton der Überzeugung. Er würde auch nicht gerne in einer Hauptschule arbeiten. Warum nicht? „Weil die Kinder dann größer und auch schwieriger sind. Hingegen sind Volksschüler wirklich noch Kinder. Sie lassen sich noch was sagen – und wenn einer einmal frech ist, dann hab ich damit auch kein Pro­blem. Das waren wir als Kinder doch auch, nicht wahr?“

„Opa, ich brauche . . .“

Gerne erzählt er von seinen Kindern und Enkelkindern. Einige von ihnen waren selbst Schüler an der Volksschule Kirchdorf. Derzeit besucht ein Enkel von ihm die Schule. „,Opa, ich brauche . . .‘ – das höre ich oft“, erzählt der Schulwart schmunzelnd. Niemals vergisst er auch die gute Tat eines seiner Söhne. „Der legte mir einmal eine Schokolade unter seiner Bank. Wohl wissend, dass ich die Bänke aufräume und die Süßigkeit dort finde. ‚Papa, du solltest was zum Naschen finden‘, erklärte er mir später.“ Das Familiäre findet Wilfried Müller an der Schule auch außerhalb seiner eigenen Familie. „Es herrscht hier auch unter den Lehrern eine wunderbare Atmosphäre. Nicht umsonst sind die meisten von ihnen schon viele Jahre hier.“ Ihm selbst steht der Sinn trotz seiner 55 Lebensjahre noch lange nicht nach Pension. „Dafür gibt es keinen Grund“.

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