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Vater der indischen Atombombe will nach oben

Die Inder nennen ihn den „Raketenmann“. Im Laufe einer langen Wissenschaftskarriere hat sich Avul Pakir Jainulabdeen Abdul Kalam seinen Beinamen redlich verdient.

Seine Rakete schoss den ersten indischen Satelliten in den Weltraum, er tüftelte an den ersten Mittelstreckenraketen seines Landes – und er gilt als Vater der indischen Atombombe. Zum Ende seiner Laufbahn wechselt der 71-Jährige nun von der Ballistik zur Politik.

Die indische Koalitionsregierung von Premierminister Atal Behari Vajpayee hat Kalam als Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl nominiert, die oppositionelle Kongresspartei unterstützt die Kandidatur. Somit ist ein Sieg Kalams nur noch Formsache. Am 24. Juli wird er sehr wahrscheinlich die Nachfolge von Amtsinhaber Kocheril Raman Narayanan antreten.

Kalam stammt aus einer einfachen tamilischen Familie. Der Vater vermietete Boote an die Fischer im Dorf und verdiente damit genug, um den Sohn auf die Universität zu schicken. Der studierte dort Luft- und Raumfahrttechnik und verdiente sich als Zeitungsverkäufer sein erstes Geld. Vom Vater, so erzählte Kalam einmal Freunden, habe er vor allem Ehrlichkeit und Selbstdisziplin geerbt. Im Jahr 1962 war er unter den ersten drei Ingenieuren am Vikram Sarabhai Space Center (VSSC) im südindischen Thumba. Dort war er maßgeblich an der Entwicklung der Trägerrakete SLV-III beteiligt, die den indischen Satelliten „Rohini“ in den Orbit beförderte.

Aus den Forschungen entwickelte sich ein umfangreiches militärisches Raketenprogramm – an dessen Ende die erste indische Atombombe stand. Kalam, der die Arbeiten seit 1983 koordinierte, leitete auch die umstrittenen nuklearen Tests im Jahr 1998. Die verfeindeten Nachbarstaaten Indien und Pakistan zündeten damals kurz hintereinander Atomwaffen. Die Folge war weltweite Angst vor einem möglichen Atomkrieg und eine Reihe von US-Sanktionen gegen beide südasiatischen Länder.

Von Ende 1999 bis zum vergangenen November war Kalam wissenschaftlicher Berater des indischen Premierministers Vajpayee. Seitdem kümmert er sich um den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zudem scheint er sich weniger martialischen Technologien zuzuwenden: Kalam arbeitet am Aufbau eines Forschungszentrums, das nach technischen Hilfen für geistig behinderte Kinder suchen soll. Ein anderes seiner Projekte zielt auf die Entwicklung von Hilfstechnologien für stumme und taube Kinder.

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