AA

USA: Zwei Millionen fliehen vor "Rita"

Die Flucht von mehr als zwei Millionen Menschen vor Monster-Hurrikan „Rita“ hat in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana zu einem völligen Verkehrschaos geführt.   | Schlechte Planung | Ölpreis sinkt | Stärkste Hurrikans

Auf den verstopften Straßen benötigen Autofahrer bis zu 15 Stunden für 20 Kilometer. Wegen des Benzinmangels teilt die Polizei weiter Kraftstoff an liegen gebliebene Autofahrer aus. Darüber hinaus machen fehlende Hotelkapazitäten im Landesinneren die größte Evakuierung in der Geschichte des Bundesstaates Texas immer komplizierter. Angesichts wachsender Frustration der Flüchtenden rief der texanische Gouverneur Rick Perry zu Ruhe und Geduld auf.

Die ersten Ausläufer von Hurrikan „Rita“ brachten der Südküste am Golf von Mexiko schon ausgiebige Regenschauer. Zwar schwächte sich „Rita“ erwartungsgemäß in den kühleren Gewässern des Golfs zu einem Hurrikan der Kategorie 4 ab, aber das Nationale Hurrikan-Zentrum spricht weiter von einem „extrem gefährlichen“ Wirbelsturm. Wahrscheinlich wird „Rita“ in den kommenden Stunden in wärmeren Küstengewässern wieder an Stärke zulegen.

„Rita“ wird am Samstagmorgen (Ortszeit) mit einer bis zu sechs Meter hohen Sturmflut, schweren Regenfällen und zerstörerischer Windkraft über die Küste hinwegdonnern. Der Wirbelsturm drehte in den vergangenen Stunden weiter nach Norden ab und wird nach Berechnungen der Meteorologen voraussichtlich in einem Gebiet zwischen Galveston und Port Arthur an der Grenze zu Louisiana auf Land prallen.

Damit brechen auch für das weiter östlich gelegene New Orleans, das vor knapp vier Wochen schon von Hurrikan „Katrina“ verwüstet wurde, bange Stunden an. Das Hurrikan-Zentrum gab wegen „Rita“ für New Orleans bereits eine Tropensturmwarnung heraus. Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, sagte: „Wir können mit ernsthaften Konsequenzen rechnen“. Die Meteorologen sagen bereits bis zu 13 Zentimeter Regen voraus. Schwachstelle bleiben in New Orleans die geflickten und völlig aufgeweichten Dämme.

Selbst in den 500 Kilometer entfernten Bundesstaaten Arkansas und Oklahoma rechnen die Meteorologen mit schweren Überschwemmungen. Im Hurrikan-Zentrum in Miami wird befürchtet, dass der Sturm eine noch größere Zerstörungskraft haben könnte als „Katrina“, die ebenfalls als Hurrikan der Stufe 4 auf das Land prallte.

Mehr als zwei Millionen Menschen entlang der Küste am Golf von Mexiko sind von den Behörden aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Die Inselstadt Galveston nahe Houston glich bereits einer Geisterstadt, nachdem neun von zehn Einwohner auf das Festland geflüchtet waren.

Auf den Autobahnen spielten sich Dramen ab, weil Autofahrer stundenlang im Stau standen, ohne voranzukommen. Bei Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius müssen Autofahrer die Klimaanlagen ausschalten, weil an Tankstellen der Kraftstoff ausgegangen ist. Die Polizei begann damit, Benzin an liegen gebliebene Autofahrer auszuteilen. Darüber hinaus wurde erstmals in der Geschichte von Texas die nach Houston führende Autobahn 45 auf einer Länge von 125 Kilometer gesperrt, damit die Flüchtenden auf insgesamt acht Fahrspuren die Millionenstadt verlassen können.

Der Katastrophenschutz appellierte an die Einwohner, sich für drei Tage im Voraus mit Wasser, Nahrung und lebenswichtigen Medikamenten einzudecken, weil unmittelbar nach dem Hurrikan keine Soforthilfe geleistet werden könnte.

Erst vor dreieinhalb Wochen hatte „Katrina“ in Louisiana – vor allem in New Orleans – sowie in Mississippi und Alabama nach letzten Angaben 1066 Menschen das Leben gekostet und verheerende Verwüstungen angerichtet.

Wenige Wochen nach den schweren Schäden durch „Katrina“ könnte „Rita“ die amerikanische Ölindustrie direkt ins Herz treffen. Zwischen Corpus Christi und Lake Charles in Louisiana liegen nach Angaben des Energieministeriums 26 Raffinerien, die täglich mehr als 4,6 Millionen Barrel Öl verarbeiten. Das entspricht 26 Prozent der gesamten US-Raffineriekapazität. Zehn Raffinerien befinden sich im Großraum Houston, auf den „Rita“ zusteuert.

Etwa 200 Österreicher in der Region vermutet

In der vom Hurrikan „Rita“ bedrohten Region in Texas leben nach Schätzungen des österreichischen Außenministeriums etwa 200 Österreicher. Der Großteil davon dürfte sich in Houston niedergelassen haben, meinte die Sprecherin des Außenministeriums, Astrid Harz, am Freitag im Gespräch mit der APA. Insgesamt leben rund 1.000 Auslandsösterreicher in Texas.

„Wir sind bestmöglich vorbereitet“, meinte Harz. Am Donnerstag seien ein Berufskonsul und ein Vertreter des Militärbüros in Washington nach Dallas gereist. Dort haben die Österreicher ihre Operationszentrum aufgeschlagen und halten Kontakt mit Landsleuten. Auch die beiden Mitarbeiter des Innenministeriums, die am Freitag in der Früh von Schwechat abgeflogen sind, werden dort mitarbeiten. In Houston verblieb weiter der dortige Honorarkonsul, sagte Harz.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • USA: Zwei Millionen fliehen vor "Rita"
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen