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USA: Staatsbürgerschaft entzogen

Ein amerikanisches Bundesgericht im Bundesstaat Iowa hat am Freitag einem ehemaligen KZ-Aufseher die US-Staatsbürgerschaft entzogen. Er hatte bei seiner Einreise in die USA seine SS-Mitgliedschaft verschwiegen.

Der heute 80-jährige John (früher Johann) Hansl hatte in Konzentrationslagern der Nazis als Mitglied der SS-Totenkopfbrigaden Wachdienste geleistet. Bei der Einreise in die USA 1955 habe er zwar angegeben, in der deutschen Armee gewesen zu sein, seine SS-Mitgliedschaft aber verschwiegen, begründete der Richter das Urteil. Hansls Anwältin hat unter Bezug auf neues Beweismaterial Berufung angekündigt.

Der 1925 in Kroatien geborene Hansl war mit 18 Jahren der Waffen-SS beigetreten. Er gibt zu, 1943 Mitglied der SS-Wachmannschaft im Konzentrationslager Sachsenhausen nahe Berlin gewesen zu sein. 1944 war er Wachmann im KZ Natzweiler in der Nähe von Straßburg. Als KZ-Wachmann habe er einmal bei der Suche nach einem entflohenen Gefangenen mitgeholfen, der schließlich erschossen worden war.

1955 erhielten Hansl und seine Familie in Salzburg ein US-Visum und reisten aus Österreich in die USA ein. 1961 wurden er und seine mittlerweile verstorbene Frau Anna US-Staatsbürger.

Seit 1979, als das Office for Special Investigations (OSI) seine Tätigkeit aufnahm, wurden rund 70 Personen wegen Mitwirkung an den Verfolgungen durch die Nazis die US-Staatsbürgerschaft entzogen, etwa halb so viele wurden abgeschoben, so das US-Justizministerium.

Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200.000 Menschen inhaftiert. Häftlinge waren zunächst politische Gegner des NS-Regimes, dann Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch oder biologisch minderwertig erklärten Gruppen und ab 1939 zunehmend Bürger der besetzten Staaten Europas. Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS. Auf den Todesmärschen nach der Evakuierung des Lagers Ende April 1945 starben noch einmal Tausende Häftlinge.

Im Konzentrationslager von Struthof-Natzweiler im Elsass, dem einzigen KZ auf französischem Boden, waren in der Zeit der deutschen Nazi-Besatzung etwa 52.000 Personen interniert, darunter viele Widerstandskämpfer. Die Sterblichkeitsrate unter den KZ-Häftlingen betrug 40 Prozent. Insgesamt 20 Prozent der Häftlinge, die zwischen Mai 1941 und April 1945 in Struthof interniert wurden, waren Juden, 35 Prozent Polen und 25 Prozent kamen aus der Sowjetunion. Zahlreiche Häftlinge wurden zu Experimenten missbraucht.

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