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USA: NASA konnte nicht alle Mängel beheben

Mehr als zwei Jahre nach dem Columbia-Unglück wagen die USA wieder bemannte Flüge ins All. Am Mittwoch soll die Raumfähre Discovery von Cape Canaveral (Florida) zur Internationalen Raumstation (ISS) starten

Trotz des Hurrikans “Dennis” hielt die NASA aber zunächst an dem Termin fest.

Die Anspannung bei der Raumfahrtbehörde ist vor dieser 114. Shuttle-Mission gewaltig. Denn ein neues Desaster würde den Ruf der NASA ruinieren. Und es würde wohl auch das vorzeitige Ende der Shuttles und damit der ISS bedeuten, die auf die Belieferung durch die Fähren angewiesen ist.

Die NASA hat deshalb diesen Shuttle-Flug so akribisch vorbereitet wie keinen zuvor. Für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen war die zunächst für das Frühjahr geplante Mission um sieben Wochen verschoben worden. NASA-Chef Michael Griffin verkündete dann vor wenigen Tagen, das Sicherheitsrisiko sei so weit wie möglich minimiert. Dass es keine absolute Sicherheit gebe, fügte er aber sogleich hinzu: Selbstverständlich bleibe die Raumfahrt „riskant“. Mit der Discovery sollen sieben Astronauten ins All starten. Ihr Kommandant ist eine Frau, die 48-jährige Eileen Collins. Sie zeigte sich zuversichtlich, „dass wir so weit sind, diese Mission zu fliegen“.

Die Erinnerungen an den 1. Februar 2003 dürften gleichwohl während der auf zwölf Tage angesetzten Mission schwer auf den Gemütern aller Beteiligten liegen. Damals war die Columbia über Texas zerbrochen und hatte alle sieben Astronauten in den Tod gerissen. Es war die zweite Shuttle-Katastrophe nach der Challenger-Explosion 1986. Eine unabhängige Kommission fand heraus, dass das Columbia-Unglück durch ein 750 Gramm schweres Stück Schaumstoffisolierung verursacht worden war, das beim Start vom externen Treibstofftank abgeplatzt war und die Hitzeschutzkacheln an der linken Tragfläche des Raumgleiters beschädigt hatte. Beim Wiedereindringen in die Erdatmosphäre gerieten dann extrem heiße Gase in den Orbiter, die sein Aluminiumgerüst verglühen ließen.

Die NASA gab rund 1,5 Milliarden Dollar (1,26 Milliarden Euro) aus, um die Mängel zu beheben. Der 47 Meter hohe Außentank wurde völlig überarbeitet. Der Isolierschaum ist nach einem neuen Verfahren angebracht, damit sich keine großen Stücke mehr lösen können. An der Hülle ist zudem ein Heizsystem installiert, um die Bildung größerer Eisbrocken zu verhindern, die ebenfalls Schäden am Orbiter verursachen können. Dieser wiederum wurde mit hitzeresistenteren Kacheln und einem Netz aus 66 hochsensiblen Sensoren an den Flügeln ausgerüstet, die jede Temperatur- und Materialveränderung registrieren. Zusätzliche Überwachungskameras wurden am externen Tank, der Fähre und am Boden angebracht. Und es wurden die Nachtstarts untersagt, damit die Kameras genug Licht haben, um Schäden zu erkennen.

Dennoch hat die NASA nicht alle 15 Empfehlungen der Untersuchungskommission umgesetzt. Das von den früheren Astronauten Thomas Stafford und Richard Covey geleitete Gremium attestierte Ende Juni zwar deutliche Verbesserungen. Doch bestehe weiter das Risiko, dass sich Brocken vom Tank lösen. Auch seien die Hitzekacheln nicht ausreichend gegen Einschläge verstärkt. Trotz der fortbestehenden Mängel bemerkte Covey, der beim ersten Flug nach dem Challenger-Unglück dabei war, er selbst hätte „keine Bedenken“, in der Discovery mitzufliegen. Die Mission soll ein Testflug für die sicherheitstechnischen Neuerungen sein. Auch soll bei den Weltraumspaziergängen die Reparatur – tatsächlicher oder virtueller – Schäden am Shuttle geübt werden. Der US-Astronaut Stephen Robinson und sein japanischer Kollege Soichi Noguchi werden dafür mit dem entsprechenden Flickzeug ausgestattet.

Bei allen Modernisierungen ist aber klar, dass die seit 25 Jahren eingesetzten Shuttles reif für das Raumfahrtmuseum sind. Schon vor dem Columbia-Unglück hatte die NASA deshalb beim Weißen Haus auf ein Nachfolgemodell gedrängt. Nach dem Desaster erfüllte George W. Bush ihren Wunsch. Statt bis 2020 sollen die Shuttles nur noch bis 2010 fliegen. Das neue Raumschiff – das noch zu konzipierende „Crew Exploration Vehicle“- soll nach den Vorstellungen des US-Präsidenten dann viel weiter fliegen als die Shuttles: Bis 2020 soll es auf dem Mond landen, später dann auf dem Mars.

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