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USA: Ermittlungen zu Hinrichtungsvideo

Nach der Veröffentlichung eines gefälschten Videofilms von der Enthauptung einer US-Geisel im Irak ermittelt die amerikanische Bundespolizei FBI gegen den 22-jährigen Urheber.

Benjamin Vanderford aus San Fransisco (Bundesstaat Kalifornien) hatte in einem Video, das am Samstag auf einer islamistischen Web-Site verbreitet wurde, seine Hinrichtung durch Extremisten simuliert. Der „Fake“ ähnelte einem Video, mit dem eine Terrorgruppe im Mai die Ermordung des Amerikaners Nicholas Berg festgehalten hatte. Das FBI werde alle rechtlichen Möglichkeiten für eine Anklageerhebung gegen Vanderford verfolgen, sagte Sprecherin LaRae Quy am Sonntag.

Das 55 Sekunden lange Video sei im Haus eines Freundes entstanden, gab Vanderford am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AP zu. Zwischen die Aufnahmen habe er Bilder verstümmelter und verletzter Menschen geschnitten, die von der Web-Site der palästinensischen Untergrundorganisation Hamas stammten.

Die Aufnahmen stellte Vanderford nach eigenen Angaben bereits im Mai über Tauschbörsen wie Kazaa (http://www.kazaa.com) ins Internet. Sie wurden anfangs nicht beachtet und erst am Samstag von einer islamistischen Web-Site verbreitet und von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt. Mit dem Film habe er zunächst Aufmerksamkeit auf seine – erfolglos gebliebene – Bewerbung für ein politisches Amt in San Francisco lenken wollen, erklärte der 22-Jährige. Zudem habe er zeigen wollen, wie leicht solche Videos gefälscht werden könnten.

Das Video war betitelt mit den Worten „Abu Mussab al Zarkawi schlachtet einen Amerikaner“. Den gleichen Titel trugen die Aufnahmen, die im Mai die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg zeigten und die ebenfalls auf einer islamistischen Web-Site veröffentlicht wurden. Ob der Täter im damaligen – echten – Video tatsächlich der jordanische Extremist war oder ob dieser nur die Verantwortung für den Befehl zur Ermordung Bergs übernahm, ist weiterhin unklar. Seine Gruppierung Tawhid und Dschihad hat sich auch zur Tötung von zwei Geiseln aus Südkorea und Bulgarien bekannt. Sie soll Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida haben.

Auf den selbst gemachten Aufnahmen sitzt Vanderford auf einem Stuhl in einem dunklen Raum, die Hände auf dem Rücken. „Wir müssen dieses Land in Ruhe lassen. Wir müssen diese Besatzung beenden“, sagt er. „Wenn wir das nicht tun, wird jeder auf diese Weise getötet.“ Anschließend ist zu sehen, wie er bewegungslos auf der Seite liegt, und es wird angedeutet, wie ein Messer in seinen Hals schneidet. Dabei sei aber nur künstliches Blut geflossen, räumte er am Samstag ein.

Außer Vanderford sind auf den Aufnahmen keine weiteren Personen zu sehen. Bekleidet ist der 22-Jährige mit einem hellen T-Shirt, im Hintergrund wird der Koran rezitiert. Wann oder wo das Video entstand, ist auf den Bildern nicht zu erkennen. Vanderford sagte, er habe die Aufnahmen mit den Hamas-Bildern zusammengeschnitten und anschließend am Computer ihre Qualität verschlechtert, um sie möglichst authentisch wirken zu lassen.

Zwar könne er verstehen, dass die Angehörigen der Geiseln, die tatsächlich im Irak getötet wurden, ihm seinen Scherz übel nähmen, sagte er. Für die Aufnahmen werde er sich dennoch nicht entschuldigen. Sie zeigten, dass eine kleine Gruppe im Irak oder in Saudiarabien noch sehr viel mehr Aufmerksamkeit erlangen könnte, indem sie einfach etwas über das Internet verbreite.

„Es ist schade, dass es die Art von Video sein musste, die anstößig und schockierend ist“, sagte er. „Aber es war notwendig um sehen zu können, wie schnell sich so was verbreitet.“ Auch habe er sehen wollen, wie die Medien reagieren und ob sie sich täuschen lassen würden. Weitere Aktien dieser Art schloss Vanderford nicht aus. „Ich habe vor, ständig zu erforschen, wie die Dinge funktionieren“, sagte er.

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