USA: Bush setzt auf den "Arnie-Faktor"

Es begann mit einem Blumenstrauß. Artig bedankte sich US-Präsident George W. Bush im vergangenen Monat mit einem Anruf bei Arnold Schwarzenegger für dessen blühenden Geburtstags-gruß, wie Mitarbeiter des kalifornischen Gouverneurs wissen ließen.

Eigentlich eine Lappalie, doch im Wahlkampf kommt der Episode politische Symbolkraft zu: Lange waren sich Schwarzenegger und Bush aus dem Weg gegangen, doch nun, angesichts der mageren Umfragewerte für den Präsidenten, bauen dessen Strategen auf den „Arnold-Faktor“: Der ungemein populäre ehemalige Hollywood-Schauspieler wird auf dem bevorstehenden Nominierungsparteitag in New York groß in Szene gesetzt.

Bush und Schwarzenegger sind beide Republikaner, doch außer der Parteizugehörigkeit und dem Hang zu kraftvoller Rhetorik haben sie wenig gemeinsam. Der Präsident hatte die überraschende Kandidatur Schwarzeneggers für das Gouverneursamt in Kalifornien vor einem Jahr öffentlich nie unterstützt, und der gebürtige Österreicher, dessen Weltbild in der liberalen Glitzerwelt von Hollywood geprägt wurde, setzt sich vor allem in gesellschaftspolitischen Fragen deutlich von den konservativen Bush-Republikanern ab: Schwarzenegger ist für das Recht auf Abtreibung und lehnt das von Bush unterstützte Verfassungsverbot der Homo-Ehe ab. Zudem ärgert er die Washingtoner Regierung mit Forderungen nach Finanzhilfe für seinen hoch verschuldeten Westküstenstaat.

Doch gerade Schwarzeneggers Popularität bei Wählern der liberalen Mitte macht ihn für Bush interessant, der sich in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit seinem Herausforderer John Kerry liefert. Schwarzeneggers Zustimmungsrate in Kalifornien, das eigentlich eine Hochburg von Kerrys Demokraten ist, liegt seit Monaten konstant um die 65 Prozent. Bei einer Parteiveranstaltung im kalifornischen Santa Monica traten Bush und der Gouverneur Mitte August erstmals seit Schwarzeneggers Amtsantritt im November gemeinsam auf. „Ich habe alle aus Österreich stammenden Body-Builder für Bush und Cheney mobilisiert“, witzelte der gebürtige Steirer, bevor er dem Präsidenten mit dem gebotenen Ernst öffentlich seine Unterstützung im Wahlkampf zusagte.

Am Dienstagabend kommender Woche wird der einstige Muskelprotz Schwarzenegger – Spitzname: der Gouvernator – als Hauptredner zu den Delegierten des Republikanischen Parteitags in New York sprechen. Zwei Tage später soll Bush in einer Art republikanischer Krönungsmesse zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden. Zum Verdruss von Bushs Wahlkampfstrategen machte Schwarzenegger indes bereits klar, dass der Ausflug nach New York wohl der einzige dieser Art bleiben wird. Gemeinsame Wahlkampfauftritte mit Bush außerhalb Kaliforniens hat der Gouverneur derzeit nicht in Planung: „Ich habe keine Zeit für so etwas, weil ich hier genug zu tun habe. Wenn der Präsident aber hierher kommt, werde ich ihn gerne begleiten“, sagte Schwarzenegger in einem Rundfunkinterview.

Einfach hatte es Schwarzenegger in seinem ersten Regierungsjahr wahrlich nicht: Er muss sich mit der Mehrheit der gegnerischen Demokraten im kalifornischen Parlament arrangieren. Die erste große Kraftprobe bestand er, als er Ende Juli nach monatelangem Gezerre seinen 105-Milliarden-Dollar-Haushalt durchbrachte. Ganz nebenbei prägte Schwarzenegger in der Haushaltsdebatte ein geflügeltes Wort: Seit er die seiner Ansicht nach verweichlichten demokratischen Abgeordneten als „girlie men“ (Mädchen-Männer) schmähte, schmunzelt zumindest der republikanische Teil der amerikanischen Bevölkerung über den neuen Ton, den der Gouverneur in die politische Debatte bringt.

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