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USA: Bin Laden beeinflußt Wahlkampf

Am Wochenende vor der Präsidentschaftswahl in den USA sind die neuen Terrordrohungen von El-Kaida-Chef Osama bin Laden zum beherrschenden Thema im Wahlkampf geworden.

Präsident George W. Bush und sein Herausforderer John Kerry warfen sich gegenseitig vor, die falsche Strategie im Anti-Terror-Kampf zu verfolgen und das Auftauchen von Bin Ladens Videobotschaft für Wahlkampfzwecke zu instrumentalisieren. In der am Freitagabend vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera in Ausschnitten ausgestrahlten Botschaft bekannte sich Bin Laden erstmals ausdrücklich zur Urheberschaft der Anschläge vom 11. September 2001 und verhöhnte Bushs Reaktion darauf.

Bush und Kerry sprachen sich für einen unnachgiebigen Kampf gegen den Terrorismus aus. Auf einer Wahlkampfreise im US-Staat Ohio sagte Bush: „Die Amerikaner werden sich nicht von einem Feind unseres Landes einschüchtern oder beeinflussen lassen.“ Kerry sagte in Florida: „Sie (die Terroristen) sind Barbaren. Ich werde vor nichts Halt machen, um die Terroristen zu jagen, dingfest zu machen oder zu töten, was auch immer es koste.“ Kerry hielt Bush erneut vor, Terroristenführer Bin Laden während des Afghanistan-Kriegs Ende 2001 entkommen lassen zu haben. Bush wies dies als „falsch“ zurück; Kerrys Kritik sei angesichts der neuen Videobotscheft „besonders beschämend“.

In dem „an das amerikanische Volk“ gerichteten Video warf Bin Laden dem US-Präsidenten vor, die wahren Gründe für die Anschläge immer noch zu verschleiern. In einer indirekten Drohung sagte er weiter: „Dies bedeutet, dass die Gründe für eine Wiederholung dessen, was geschehen ist, weiter bestehen“. Gleichzeitig bekräftigte er, die Sicherheit der US-Bürger läge „weder in der Hand von Kerry noch von Bush“, sondern hänge von der US-Politik ab: Jeder Präsident, „der unsere Sicherheit nicht zerstört, schützt auch die eigene Sicherheit.“ Die US-Geheimdienste halten das Video für echt.

Als Grund für die Anschläge benannte Bin Laden die Haltung der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt: „Ich schwöre, wir dachten nie daran, die Türme anzugreifen. Aber als wir die Ungerechtigkeit und Willkür der amerikanisch-israelischen Allianz gegen unsere Brüder in Palästina und im Libanon sahen, wurde es einfach zu viel, und dann kam mir diese Idee.“ Erstmals habe er über einen Angriff auf die Wolkenkratzer in New York nachgedacht, als er 1982 bei der israelischen Invasion in Beirut „zerstörte Türme“ gesehen habe.

Bin Laden erwähnte ausdrücklich den Namen des Flugzeugattentäters Mohammed Atta, der der Hamburger Terrorzelle angehörte: „Wir haben mit Mohammed Atta – Gott schütze seine Seele – vereinbart, dass er alle Operationen innerhalb von 20 Minuten abschließt, bevor Bush und seine Regierung es merken.“

Den US-Präsidenten bedachte Bin Laden mit Hohn: „Wir hätten nie gedacht, dass der Oberkommandierende der US-Streitkräfte 50.000 seiner Bürger dem Schrecken in den beiden Türmen aussetzte und sie alleine ließ, als sie ihn am meisten brauchten.“ Der Terroristenführer spielte auch auf die filmisch dokumentierte Szene an, in der Bush einen Schulbesuch fortsetzte, nachdem er über die Anschläge informiert worden war: „Er dachte, es sei wichtiger, sich mit einem kleinen Mädchen zu beschäftigen, das von seiner Ziege erzählte.“ Dies habe den Tätern „drei Mal so viel Zeit als wir dachten, um unsere Operationen auszuführen“ gegeben.

Das Video war nach Angaben des Senders Al Jazeera anonym vor seinem Korrespondentenbüro im pakistanischen Islamabad abgelegt worden. In Passagen, die der Sender nicht ausstrahlte, werfe Bin Laden den USA unter anderem die Plünderung des irakischen Ölreichtums vor. US-Diplomaten in Katar hatten zuvor versucht, die Ausstrahlung des Bandes zu verhindern. Wie ein Vertreter des US-Außenministeriums berichtete, stellte Al Jazeera den Diplomaten mehrere Stunden vor der Ausstrahlung eine Kopie des Videos zur Verfügung, ließ sich aber nicht von deren Argument überzeugen, dass einem Terroristen keine öffentliche Tribüne geboten werden dürfe.

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