USA: Anschlagspläne geben Rätsel auf

Nach den Terrorwarnungen in den USA ist weiter unklar, wie weit die in Pakistan entdeckten Anschlagspläne gegen amerikanische Finanzinstitutionen fortgeschritten waren.

Die Geheimdienste seien uneins, ob die Pläne von ihren Urhebern überhaupt noch verfolgt wurden oder schon vor längerer Zeit aufgegeben worden seien, verlautete am Mittwoch aus Sicherheitskreisen. In Großbritannien wurden unterdessen 13 Terrorverdächtige verhaftet. Mit den Vorgängen in den USA standen die Festnahmen aber offenbar nicht in Zusammenhang.

Die jüngste US-Terrorwarnung beruht einem Zeitungsbericht zufolge nicht nur auf älteren Informationen, sondern auch auf aktuellen Hinweisen. „Sehr aktuelle und jüngste Aktivitäten von El Kaida“ deuteten darauf hin, dass die Terrororganisation davor stehe, Anschläge in den USA zu verüben, berichtete die „New York Times“ („NYT“) am Mittwoch unter Berufung auf einen ranghohen Mitarbeiter der US-Geheimdienste. Ein leitender Mitarbeiter des US-Heimatschutzministeriums sagte der Zeitung, die Regierung habe ihre Informationen aus mehr als einer Quelle bezogen. Am späten Freitagabend seien „neue Hinweise“ aufgetaucht.

Ranghohe Vertreter der US-Regierung hatten am Dienstag nach entsprechenden Zeitungsberichten zugegeben, dass die El-Kaida-Unterlagen, die zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen geführt hatten, „nicht neu“ seien. Die Berichte von 2000 und 2001 seien jedoch teilweise in diesem Jahr aktualisiert worden. US-Heimatschutzminister Tom Ridge hatte am Sonntag die zweithöchste Alarmstufe für fünf Finanzinstitute in New York, Washington und Newark ausgerufen.

Nach einer Reihe von Festnahmen in Pakistan hatte die US-Regierung dem Bericht zufolge vergangene Woche Informationen bekommen, die auf mehreren Computern sichergestellt worden waren und die auf geplante Anschläge in den USA hindeuteten. Die „NYT“ zitierte mehrere ranghohe Mitarbeiter von Regierung und Geheimdiensten, nach deren Worten die Dokumente in „perfektem Englisch“ geschrieben waren. Dies lasse darauf schließen, dass der Verfasser offensichtlich „längere Zeit im Westen gelebt“ habe. Das Material mache einen „außergewöhnlich professionellen, außergewöhnlichen sorgfältigen“ Eindruck.

Nach Geheimdiensthinweisen zum „internationalen Terrorismus“ haben die britischen Behörden 13 Terrorverdächtige festgenommen. Die aus Südasien stammenden Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren wurden am Mittwoch von Beamten einer Anti-Terror-Einheit der Polizei im Zentrum von London verhört. Ein pakistanischer Geheimdienstbeamter sagte, ein Tipp aus Pakistan habe zur Festnahme eines ranghohen El-Kaida-Mitglieds in Großbritannien geführt. Ein im Juli in Pakistan gefasstes mutmaßliches Mitglied der Organisation plante offenbar einen Anschlag auf den Londoner Flughafen Heathrow.

Die 13 Männer seien nach dem Anti-Terror-Gesetz von 2000 im Rahmen einer vorbereiteten und vom Geheimdienst unterstützten Aktion am Dienstagabend festgenommen worden, teilte die Londoner Polizei mit. Sie stünden im Verdacht, Terrorakte geplant oder dazu angestiftet zu haben. Der Einsatz sei Teil „umfassender Anti-Terror-Ermittlungen von Polizei und Sicherheitskräften gegen den internationalen Terrorismus“ und dauere an.

Das BBC-Fernsehen berichtete, alle Verdächtigen stammten aus Südasien, einige von ihnen hätten vermutlich die britische Staatsbürgerschaft. Die Razzien stünden „nicht direkt in Verbindung“ mit den jüngsten Fahndungserfolgen gegen das Terrornetzwerk El Kaida in Pakistan, die zu einer erhöhten Terrorwarnung in den USA geführt hatten.

Zwei der 13 Terrorverdächtigen wurden laut BBC bei einem bewaffneten Polizeieinsatz in Blackburn nordwestlich von Manchester gestellt. Weitere Verdächtige wurden nordwestlich von London sowie in den zentralenglischen Städten Bushey und Luton gefasst. In Luton wurde laut BBC ein Cricket-Stadion abgesperrt. In der Stadt nordwestlich von London lebt eine große Gemeinde von Moslems aus südasiatischen Staaten. Bisher wurde die Sicherheitsstufe in Großbritannien jedoch nicht verändert. Der Status „erhöhter Alarmbereitschaft“ bleibt laut Innenministerium bis auf weiteres bestehen.

Ein pakistanischer Geheimdienstbeamter sagte, ein Tipp aus Pakistan habe zur Festnahme eines ranghohen El-Kaida-Mitglieds in Großbritannien geführt. Die pakistanischen Behörden hätten Informationen an London und Washington weitergeleitet, die nach den Festnahmen der mutmaßlichen El-Kaida-Mitglieder Ahmed Khalfar Ghailani und Mohammad Naeem Noor Khan im vergangenen Monat aus beschlagnahmten Computern und von CD-ROMs gewonnen worden seien. In Großbritannien sei daraufhin der ranghohe El-Kaida-Mann Abu Eisa Al Hindi festgenommen worden. Ob dieser zu den 13 Festgenommenen gehörte, blieb zunächst unklar. Seine Verhaftung stelle einen empfindlichen Schlag“ gegen El Kaida dar.

Der Mitte Juli in Pakistan gefasste El-Kaida-Mann Khan alias Abu Talha gehöre „zur Führungsspitze von El Kaidas Flügel für auswärtige Einsätze“, sagte der pakistanische Beamte weiter. Der 25-Jährige sei „vor einiger Zeit“ an Anschlagsplänen für den internationalen Flughafen London-Heathrow beteiligt gewesen und sei von den Vereinigten Staaten gesucht worden. Der Terrorverdächtige habe Internetseiten und geheime E-Mail-Codes eingerichtet, damit führende El-Kaida-Mitglieder sich untereinander verständigen konnten. Für Khans Ergreifung hätten die USA eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (knapp 4,2 Millionen Euro) ausgesetzt. Khan war am 12. Juli in der ostpakistanischen Stadt Lahore festgenommen worden.

Die Verhaftungen in Großbritannien seien im Zuge umfassender und seit längerem andauernder Ermittlungen erfolgt, erklärte die Polizei. Indirekt wies sie damit Vermutungen zurück, dass die landesweiten Razzien am Dienstagabend durch die jüngsten Warnungen pakistanischer Behörden vor Anschlägen in den USA und Großbritannien ausgelöst worden sein könnten. Die Festgenommenen stünden im Verdacht, Terrorakte begangen oder vorbereitet zu haben, teilte die Londoner Polizei am Dienstagabend mit. Einer der Verdächtigen wurde allerdings schon am Mittwoch wieder freigelassen.

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