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US-Wahlen: Zwei Kandidaten, zwei Redestile

Wenn die beiden Kandidaten für die US-Präsidentschaft am Donnerstag abend einander in einer mit Spannung erwarteten TV-Debatte gegenübertreten, dann treffen zwei verschiedene Charaktere aufeinander.

Präsident George W. Bush, der trotz seiner vier Jahre im Weißen Haus noch immer gerne den „Buddy“ an der Bar hervorkehrt, und Senator John F. Kerry, dessen Präsidentenmodell scheinbar mehr dem eines etwas zu gescheiten Lehrers ähnelt.

Der unterschiedlich intellektuelle Zugang zeigt sich deutlich im Redestil: Während Bush sich in einzelnen Worten verhaspelt und „Bushisms“ wie „misunderestimated“ (etwa missunterschätzt) oder „nucular“ (statt nuclear) kreiert, verirrt sich Kerry manchmal in seinem selbst errichteten komplexen Nebensatzgeflecht.

Die beiden Politiker haben aber auch Gemeinsamkeiten: Sie haben dieselbe Elite-Universität besucht und waren sogar im selben Studenten-Club „Skull and Bones“. Und beide hatten denselben Rhetorik-Professor an der Universität Yale. Bush und Kerry besuchten die Vorlesung von Professor Rollin Osterweis, der dort ein Vierteljahrhundert lang die Geschichte großer amerikanischer Reden lehrte. Bush und Kerry studierten berühmte Ansprachen von Franklin D. Roosevelt und Abraham Lincoln und mussten auch beide selber eine Rede halten, hat die „New York Times“ herausgefunden. Während Kerry jedoch den „Perfektionskurs“ besuchte und im Diskussions-Team der Universität Yale brillierte, zeigte Bush keine derartigen Ambitionen.

Doch zu viel Spezialisierung kann auch zu Abgehobenheit führen. Schon der Grundkurs in Rhetorik scheint dem jungen Bush genutzt zu haben. Seine bisherigen politischen Debatten hat er durch Festhalten an den wichtigsten Prinzipien gewonnen: Er formuliert kurze, klare Sätze, sendet einfache Botschaften und kennt die Bedeutung der Körpersprache und Kontakt zum Publikum. Beim Einsatz von Blicken und Gesten ist Bush spontaner und schlagfertiger als seine Konkurrenten. Dies bekam sein Gegenkandidat Al Gore zu spüren, als er Bush bei einer Debatte im Präsidentschaftswahlkampf 2000 zu nahe kam – ein skeptischer Blick des kleineren Bush von unten hinauf zu Gore brachte damals die Lacher auf seine Seite.

Diesmal hat das republikanische Team jedoch versucht, sich gegen das Bild eines übermächtig wirkenden Kerry abzusichern: Das Rednerpult von Bush sollte in einiger Entfernung angebracht werden, um den Größenunterschied von 13 cm nicht erkennen zu lassen. Kerry kommt nämlich auf ein Gardemaß von 1,93 Meter, Bush „nur“ auf 1,80. Was prompt Kerry zu der metaphorischen Bemerkung veranlasste, die Wähler sollten sich nicht fürchten, ein ertrinkendes Pferd in der Mitte eines Flusses zu wechseln – mit einem größeren Pferd könnten sie vielleicht besser durch die reißenden Fluten kommen. Der von den Republikanern als „Bostoner Brahmane“ abgetane Kerry bemüht sich sichtlich immer stärker um Humor.

90 Minuten wird jede der drei Präsidentschaftsdebatten dauern. Am Donnerstag stehen der Irak und die innere Sicherheit Amerikas im Mittelpunkt. Eine Gratwanderung für beide Kandidaten, da sie angesichts der mehr als 1.000 amerikanischen Kriegstoten im Irak und 200 Mrd. Dollar (162 Mill. Euro) Kriegskosten das Thema mit dem nötigen Ernst behandeln müssen und ihre Führungsstärke demonstrieren – andererseits aber auch Humor zeigen sollen und ihre Sympathiewerte steigern. Es wird sich zeigen, welcher der beiden Kandidaten von der Rhetorik-Schulung an der Uni am meisten profitiert hat.

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