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US-Finanzkrise - Wifo: Krise erreicht neue Qualität

Mit den jüngsten Entwicklungen um die Investmentbank Lehman Brothers und den Versicherungskonzern AIG habe die US-Finanzkrise eine "neue Qualität" gewonnen, meint Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

In Österreich werde sich die Situation im Bereich der kapitalgedeckten Altersvorsorge weiter verschlechtern. Möglich sei auch, dass durch die Probleme beim Rückversicherer AIG auch österreichische Versicherer betroffen werden. Die negativen Auswirkungen auf das heimische Wirtschaftswachstum schätzt Url als moderat ein.

“Ich kann nur dabei bleiben, die Finanzkrise ist noch nicht zu Ende”, meinte Url heute, Dienstag, im Gespräch mit der APA. Vor allem große Kapitalanlagen wie verbriefte Kapitalkredite, die der Ursprung der Finanzkrise waren, seien noch immer gefährdet. Die bereits angespannte Finanzlage der US-Haushalte könne sich durch eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit und steigenden Zinsen nur noch verschlechtern.

“Was diese Woche neu hinzugekommen ist, ist, dass auch bei großen Investmentbanken sich keine Investoren mehr finden, die bereit sind, Eigenkapital nachzuschießen”, so Url. “Das ist schon eine neue Qualität, die man beobachten kann”. UBS habe etwa noch mit Leichtigkeit Milliarden-Beträge aufnehmen können, so auch Merrill Lynch und auch die britischen Banken. Nunmehr versiege gerade bei Investmentbanken die Möglichkeit zur Aufstockung von Eigenkapital.

Auch neu sei, dass im Bereich der Versicherungen – einem eher konservativen Geschäft – mit dem größten US-Anbieter AIG ein Institut ins Trudeln kommt, dass auch die Qualität habe, “zu groß zu sein, als dass es der Staat bankrottgehen lassen kann”. Es sei “to big to fail”. AIG sei sowohl im Bereich der privaten Haushalte als auch im Bereich der Industriekunden und auch weltweit tätig. Url würde sich erwarten, dass dem problembehafteten Institut geholfen wird – unter Umständen auch mit ausländischer Hilfe, etwa im Rahmen der G-7, eher nicht von Notenbanken.

Da AIG eine sehr starke international aktive Versicherung war, sei es auch möglich, dass über Rückversicherungen österreichischen Versicherungen die Rückversicherungsdeckung abhanden kommen kann, die Zahlungsgarantie im Schadensfall wegfällt. Frage sei, wie weit AIG im heimischen Rückversicherungsmarkt tätig war. Die stärksten Partner seien aber eher die deutschen, Schweizer und britischen Rückversicherer.

Für Österreich wird sich im Bereich der kapitalgedeckten Altersvorsorge heuer die Situation weiter verschlechtern, weil mit den rückläufigen Bewertungen an den Börsen sich die Abwärtsentwicklung beschleunigt, da das Anlageergebnis im Aktienbereich sich doch stark verschlechtern werde. “Ich würde mir erwarten, dass das Anlageergebnis entsprechend sinkt, mit den negativen Folgen für die Versicherungsnehmer und die Anwartschaftsberechtigten”, so Url.

Die Auswirkungen auf die Konjunktur in Österreich aufgrund der jüngsten Entwicklungen schätzt Url eher moderat ein. “Ich erwarte keine allzu großen Auswirkungen, sie werden eher beschränkt bleiben auf den Bereich der Wertschöpfungen von Finanzdienstleistern, deren Beitrag zu Wertschöpfung noch heuer sinken wird, allerdings in moderatem Umfang”, so Url. Der Anteil der Banken und Versicherungen liege bei 6 bis 7 Prozent.

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