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US-Angriff auf afghanische Dörfer geplant?

Der US-Angriff auf vier Ortschaften in Südafghanistan am 1. Juli war keine Reaktion auf feindlichen Beschuss, so die deutsche Zeitschrift "stern".

Im Gegensatz zu den Darstellungen des US-Verteidigungsministeriums war die Bombardierung von vier Ortschaften in Südafghanistan am 1. Juli keine Reaktion auf feindlichen Beschuss vom Boden, schreibt die deutsche Zeitschrift „stern“ in ihrer am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Vielmehr habe es sich um einen geplanten Angriff gehandelt. Mehrere Zeugen hätten bestätigt, dass sich amerikanische und afghanische Bodentruppen bereits vor Beginn des Bombardements im Anmarsch auf die Dörfer befanden und unmittelbar nach Ende der Luftangriffe, denen 48 Zivilisten, darunter 25 Gäste einer Verlobungsfeier, zum Opfer fielen, einmarschierten.

Nach Angaben eines UNO-Ermittlers, der an dem unter Verschluss gehaltenen UNO-Untersuchungsbericht mitarbeitete, hat US-Verteidiungsminister Donald Rumsfeld die Unwahrheit gesagt, als er angab, sein Ministerium sei über die Geschehnisse nicht informiert.

Weder die US-Truppen noch die wenig später eingetroffenen UNO-Ermittler hätten Hinweise auf Flugabwehrfeuer gefunden. Nach Aussagen überlebender Dorfbewohner haben Übersetzer der US-Truppen als Anlass für die stundenlangen Angriffe falsche Hinweise afghanischer Informanten angegeben, hinter denen mutmaßlich der Gouverneur von Kandahar stehe. Grund seien lokale Rivalitäten zwischen Unterstützern des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in den angegriffenen Dörfern und dem mit Karsai verfeindeten Gouverneur. Bei den afghanischen Hilfstruppen der Amerikaner, die nach dem Bombardement Razzien in mehreren Häusern machten und sie in zwei Fällen auch geplündert haben sollen, habe es sich um Männer des Geheimdienstchefs von Kandahar gehandelt.

Nach dem Angriff, so die Aussagen von Überlebenden, afghanischen Ärzten und dem Chef der Distriktverwaltung sperrten die US-Truppen das gesamte Gebiet einen halben Tag lang ab, sammelten Granatsplitter ein und hinderten Verletzte daran, in die Krankenhäuser zu gelangen. Insofern decken sich die Recherchen des „stern“ in wesentlichen Punkten mit dem geheim gehaltene UNO-Untersuchungsbericht, in dem den USA vorgeworfen wird, den Vorfall zu vertuschen.

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