Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Ursachensuche für Transrapid-Unfall

Nach der Transrapid-Katastrophe im Emsland mit 23 Toten sind die Mitarbeiter der Leitstelle ins Visier der Ermittler geraten. Die Ursachensuche läuft auf Hochtouren.  Gedenken

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück prüft, warum die zwei Diensthabenden „die Fahrt des Transrapids um 9.53 Uhr freigaben, obwohl das Hindernis noch auf der Strecke war“. Der Unglückszug war gegen einen Werkstattwagen gerast.

Die Mitarbeiter würden aber noch nicht als Beschuldigte geführt, es sei bisher kein Ermittlungsverfahren gegen sie eingeleitet worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Sonntag. Die Zugführer hätten ohne Freigabe aus dem Kontrollraum nicht den Transrapid in Bewegung setzen können. Den Angaben zufolge sind die Beschäftigten der Leitstelle noch immer nicht vernehmungsfähig, da sie unter Schock stehen. Die Befragung erfolge in einigen Tagen.

Die Katastrophe entfachte eine neue Debatte über die Zukunft der Magnetschwebebahn, die seit Jahren mit Millionen aus der Staatskasse gefördert wird. Der deutsche Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee betonte nach einem Besuch der Unfallsstelle bei Lathen in Niedersachsen: „Wir müssen prüfen, ob das Sicherheitskonzept ausgereicht hat und ob es in allen Bereichen befolgt wurde.“

Der Transrapid war am Freitag in der Früh auf der Teststrecke Emsland mit Tempo 200 verunglückt. Nach Worten des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann sind die zehn teils Schwerverletzten außer Lebensgefahr. Unter den Toten befanden sich laut Polizei zwei US-Amerikaner. Die Mitarbeiter des Kontrollraums hätten sich gemäß der Vorschriften persönlich überzeugen müssen, dass der Arbeitswagen die Strecke verlassen hat.

Untersucht wird nun, ob sie das versäumt haben. Ermittlungen ergaben laut Retemeyer, dass die Leitstelle von dem Hindernis auf der Strecke hätte wissen können. „Im Leitstandsbuch ist handschriftlich vermerkt, dass das Sonderfahrzeug an der dafür vorgesehenen Stelle auf der Strecke stand“, sagte der Ermittler. Zudem sei der Standort des Werkstattwagens auf einem Monitor im Leitstand sichtbar gewesen. „Das Fahrzeug, auf das später der Transrapid aufprallte, stand also rechtmäßig an der dafür vorgesehenen Stelle und wo es in vergleichbaren Situationen auch immer steht, bevor es die Freigabe von der Leitstelle erhält, die Strecke zu verlassen.“ Zur Aufklärung des Falls werde der Betriebsfunk der Teststrecke ausgewertet.

Unklar ist nach Worten des Staatsanwalts auch noch, warum die Zugführer zu spät die Notbremsung einleiteten, obwohl sie die Strecke gut einsehen konnten. „Die Auswertung der Beweismittel ist noch nicht abgeschlossen“, sagte der Staatsanwalt. „Deshalb führen wir auch noch niemanden als Beschuldigten.“

Der Transrapid wird von einem Konsortium aus ThyssenKrupp-Konzern gebaut. Das Land Bayern und ThyssenKrupp>-Chef Ekkehard Schulz bekannten sich zur Technologie der Magnetschwebebahn. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass dies eine sichere Verkehrstechnologie ist. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, auch nach diesem schrecklichen Unfall, daran zu zweifeln“, sagte Schulz im ZDF. Tiefensee, der den Unglücksort besuchte, traf sich am Sonntagmittag in Berlin mit Vertretern des Konsortiums zu Beratungen.

Auch eine chinesische Wirtschaftsdelegeation besichtigte die Unglücksstelle unter Führung des Chef-Managers der Transrapid-Bahn in Shanghai, Commander Wu. „Wu hat sich offensichtlich seit vielen Monaten überlegt, seine Strecke in Shanghai zu verlängern“, sagte der Geschäftsführer der Emsland-Teststrecke, Rudolf Schwarz. Vor diesem Hintergrund „erschien es den verantwortlichen Industrien sinnvoll, Transparenz zu demonstrieren und es Wu zu ermöglichen, aus eigener Sicht zu beurteilen, was hier passiert ist.“

Von Wu war eine Stellungnahme nicht zu erhalten. Nach einem Bericht des Tageszeitung „Die Welt“ stellt China den Transrapid „wegen hoher Kosten und Probleme beim Technologietransfer“ auf den Prüfstand. Nach einem Batterieschaden in Shanghai komme nun das Unglück im Emsland hinzu, schrieb das Blatt unter Berufung auf „Shanghaier Industriekreise“. In der chinesischen Boom-Town ist seit Anfang 2004 die weltweit einzige kommerzielle Transrapid-Strecke in Betrieb. Sie verbindet den Flughafen mit dem Finanzzentrum.

Tiefensee warnte vor überstürzten Konsequenzen für die Zukunft der Magnetschwebebahn. Erst wenn die Details des Unfallhergangs klar und die Sicherheitsvorkehrungen überprüft worden seien, könne über Schlussfolgerungen nachgedacht werden. Tiefensee hatte eine China-Reise vorzeitig abgebrochen, um den Unglücksort zu besuchen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Welt
  • Ursachensuche für Transrapid-Unfall
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen