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"Uraltstalinist" Alfred Hrdlicka wird 80

Der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka feiert am 27. Februar seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass sind bis Ende des Jahres rund 20 Geburtstagsausstellungen zu sehen, unter anderem im Wiener Künstlerhaus, in der Kunsthalle Würth und in der Salzburger Galerie Welz.  |

Alfred Hrdlicka, einer der wichtigsten zeitgenössischen Bildhauer Österreichs, feiert am 27. Februar seinen 80. Geburtstag. Rund 20 Geburtstagsausstellungen gibt es bis Ende des Jahres, eine große Retrospektive der Kunsthalle Würth ist ab 8. August in adaptierter Form im Wiener Künstlerhaus zu sehen.

Einen Tag nach seinem Geburtstag eröffnet in der Galerie Hilger die Schau “Fleischeslust – Akte Kohle auf Leinwand”. Hrdlicka selbst leidet unter seinem “bedenklichen Zustand”, der ihm das Reisen zu den Ausstellungen erschwert. Dennoch plant der kontroversielle Bildhauer eifrig neue Projekte, darunter die Ausstellung seines Zyklus’ “Dschingis Khan” und ein Werk auf dem Albertinaplatz. Auch der ORF würdigt Hrdlicka in “art.genossen” (18.2., 23.30 Uhr, ORF 2) und in den “Hörbildern” (1.3. 9.05 Uhr, Ö1). Bereits seit einigen Jahren kann Hrdlicka nicht mehr eigenhändig an Skulpturen arbeiten – wie er selbst erzählte, habe er sich “zu Tode geschunden”, jede seiner dreidimensionalen Arbeiten habe er selber gemacht.

Ein großes Thema ist für den bekennenden Kommunisten immer noch die Politik. Allerdings fokussiert sich sein Interesse mehr auf die Neue Linke in Deutschland, als deren “Pate” er bezeichnet wurde, da er vor Jahren Oskar Lafontaine und Gregor Gysi an einen Tisch gebracht habe, so der Schüler von Fritz Wotruba. Hrdlicka soll zwar “Turteltaube” heißen, doch als zahm und sanft erwies sich der Künstler weder in seinen Themen und in der Wahl seiner Materialien, noch in seinen Polemiken, mit denen sich der streitbare Realist und Kommunist in politischen Debatten zu Wort meldete.

Heiße Diskussionen begleiteten immer wieder die Aufstellung seiner Skulpturen im öffentlichen Raum, vom “Renner-Denkmal” an der Wiener Ringstraße (1967) bis zum Denkmal gegen Krieg und Faschismus am Wiener Albertinaplatz (1988/91). Seine offenen Briefe habe er im Sinne der “Lebendigkeit” des Protests stets mit “Uraltstalinist” unterschrieben.

Alfred Hrdlicka wurde am 27. Februar 1928 in Wien geboren. Nach Absolvierung einer Zahntechnikerlehre begann er an der Akademie der bildenden Künste zunächst Malerei bei Albert Paris Gütersloh und Josef Dobrowsky zu studieren, ehe er mit Diplom als akademischer Maler in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat, um 1957 auch als Bildhauer akademische Ehren zu erwerben.

Seiner ersten Skulpturenschau 1960, gemeinsam mit Fritz Martinz, in der mittlerweile abgerissenen Zedlitzhalle in Wien folgten Ausstellungen im Wiener Künstlerhaus und in der Galerie Welz in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig. Professuren führten ihn an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Hochschule der Künste Berlin und schließlich 1989 an die Universität für angewandte Kunst Wien. Es folgten zahlreiche internationale Ausstellungen und Auszeichnungen für den Zeichner und Grafiker Hrdlicka, der den leidenden und geschundenen Menschen in den Mittelpunkt seiner Zyklen stellt. “Alle Kunst kommt vom Fleisch”, lautet ein immer wieder zitiertes Diktum Hrdlickas, für den Kunst, die sich nicht direkt mit dem Menschen und seinen Problemen befasst, zu Dekoration und Unterhaltung verkommt.

Zu den bekanntesten und eindrucksvollsten Werken Hrdlickas zählen seine Arbeiten zur französischen Revolution, zu Pasolini oder zu Franz Schubert. 1963 erregten sich die Gemüter in Salzburg, nachdem sein “Orpheus” für das Kleine Festspielhaus angekauft worden war. 1967 versammelte sich eine “Liga gegen entartete Kunst” zum Protest gegen das in Wien enthüllte “Renner-Denkmal” Hrdlickas. 1970 entstand für ein Evangelisches Gemeindezentrum in Westberlin der “Plötzenseer Totentanz”. In Hamburg sorgte sein monumentales “Gegendenkmal” zum Krieger-Ehrenmal für heiße Diskussionen, in Wien das Albertina-Mahnmal. In Stuttgart, Hamburg, Berlin und Wien war Hrdlicka als Hochschullehrer tätig. Als Bühnenbildner arbeitete er u.a. in Bonn (“Faust I und II”, 1982) und Stuttgart (“Intolleranza”, 1992). Im Jahr 2001 stattete er Christine Mielitz’ Inszenierung des “Ring des Nibelungen” in Meiningen aus. Weiters zeichnete er für die Ausstattung der Salzburger Festspielproduktion von Zemlinskys “Der König Kandaules” derselben Regisseurin verantwortlich. 2006 wurde in Bonn eine von Hrdlicka gestaltete Plastik des Komponisten Robert Schumann enthüllt.

Ehrungen will Hrdlicka aus Prinzip nicht annehmen.

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