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Unwettern eine Spur voraus

Das Wasser steht in den Feldern. Die besorgten Gesichter der Passanten kennt Bernhard Kiener. Schneeschmelze, dann Dauerregen - er sieht es bereits zuvor am Frühwarnsystem.

Er geht quasi in die nächste Saison. Das Spektrum der fünf Männer von der Landeswarnzentrale im Bregenzer Landhaus reicht vom Tsunami mit Vorarlberger Opfern im Dezember 2005 bis zur Vogelgrippe, die vor wenigen Wochen auch Vorarlberg erreichte. Und nun folgt Hochwasser? „Nein“, sagt Bernhard Kiener. „Dazu reichtÑs nicht.“

Nur ein Einsatz

Ein Blick auf einen der Bildschirme zeigt gerade mal einen Feuerwehreinsatz. “13.23 Uhr“ steht da und „Bach rinnt ins Haus Bragadella 53“. Gestern Mittag sah das noch anders aus. Um 13.33 Uhr fiepte der Piepser am Gürtel von Bernhard Kiener. „Wetterwarnung Niederschlag“ stand dort lapidar zu lesen. Etwas genauer wies es dann das Nachrichtensystem in der Zentrale aus. Die Kollegen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien befürchteten 20 bis 30 Liter Regen pro Quadratmeter in den nächsten 24 Stunden.

Schnee und Wärme

„Wir haben sofort Kontakt mit der Hydrographie aufgenommen.“ Es ist der Job von Ralph Grabher, anhand der Messwerte größerer Flüsse und unter Berücksichtigung von Schneeschmelze und Temperaturanstieg eine Prognose zu erstellen. „Wir entschieden uns daraufhin, keine Warnung rauszugeben.“ Andernfalls hätte das System per Knopfdruck an die 400 SMS an Bürgermeister, Stellvertreter, Sicherheitskräfte usw. verschickt. Sie lagen mit ihrer Zurückhaltung goldrichtig. „In Laterns fielen im Laufe des Tages 28 Liter pro Quadratmeter.“ Und die Wetterprognose, die eben übers Netz rattert, spricht auch Entwarnung: „Vereinzelt schwache Schauer zu erwarten.“ Für diesmal war’s wohl nichts.

Und so bleibt auch der Holzpflock, der seit dem Lawinenwinter 1999 im Eck der Landeswarnzentrale steht, vorerst unberührt. Als sie Tag und Nacht hinter ihren Bildschirmen saßen, hatten sie irgendwann zum Ausgleich begonnen, Nägel in den Pflock zu schlagen. Jetzt brauchen sie ihn nicht mehr. Aber weggeräumt hat ihn auch keiner. Wie zur Probe treibt Bernhard Kiener mit zwei gezielten Schlägen einen Nagel in den Pflock. Und man sieht, er hat Routine.

ZUR PERSON

Bernhard Kiener

  • Beruf: Elektroniker
  • Geboren: 17. 7. 1969 in Feldkirch
  • Familie: ledig, zwei Kinder
  • Ausbildung: Nachrichtentechniker an der Berufsschule
  • Laufbahn: Erst kaufmännisch tätig, dann ab 1992 bei der Landeswarnzentrale.
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