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Unsichtbarer US-Truppenaufmarsch am Golf

In der Heimat wurden sie mit großem Bahnhof verabschiedet, in Kuwait und anderen Stützpunkten am Golf verschwinden sie still und leise in ihre Stützpunkte.

Der US-Truppenaufmarsch hat in den vergangenen Tagen das größte Ausmaß seit dem ersten Krieg gegen Irak vor zwölf Jahren angenommen. Auch aus Rücksicht auf Kuwait rücken die ankommenden US-Soldaten ohne besonderen Empfang sofort in ihre Lager ein – in der arabischen Öffentlichkeit ist ein neuer Waffengang gegen Irak alles andere als populär.

In Kuwait kommen seit Tagen Einheiten der 3. Infanteriedivision aus Fort Stewart in Georgia an. Letztlich sollen hier alle 17.000 Soldaten der Einheit stationiert sein. Journalisten wurde untersagt, ankommende Soldaten zu filmen oder zu interviewen. Auch der Zugang zu den Stützpunkten irgendwo in der Wüste ist meist versperrt. Militärsprecher bestätigen lediglich, dass neue Einheiten eintreffen. Weder Zahlen noch die Namen der Truppenteile werden genannt. „Wir werden nichts über Truppenbewegungen sagen“, erklärt Hauptmann David Conolly von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Heeres. „Wir sagen, dass wir Truppen weltweit umgruppieren, um den Krieg gegen den Terrorismus zu unterstützen – und das war’s.“

Von dem Truppenaufmarsch sind Zehntausende von Heeressoldaten und Marineinfanteristen, Kampfverbände der Kriegsmarine und Luftwaffeneinheiten betroffen. Für die Militärführung ist das noch kein Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Invasion im Irak. Er diene lediglich dazu, Präsident George W. Bush alle Optionen offen zu halten: Denn sollte er feststellen, dass militärische Gewaltanwendung zur Zerstörung des irakischen Massenvernichtungspotenzials erforderlich sei, müssten die Mittel dafür bereitstehen, heißt es.

Kuwait befindet sich dabei in einer zwiespältigen Lage: Einerseits verdankt das Emirat seine Befreiung von irakischer Besetzung dem alliierten Einsatz im Golfkrieg von 1991. Andererseits trafen Medienberichte über ein großes US-Manöver, bei denen Panzer mit der Aufschrift „Auf dem Weg nach Bagdad“ zu sehen waren, einen wunden Punkt im Volksempfinden. Der kuwaitische Analyst Ajed el Mannah sieht zum amerikanischen Truppenaufmarsch trotzdem keine Alternative: „Die Begründung ist klar: Wir haben keine andere Wahl, als die Amerikaner zu unterstützen. Saddam (Hussein) hat uns keine andere Wahl gelassen.“ Er bezeichnet die Medienberichterstattung aus Kuwait als übertrieben: „Der Krieg hat doch noch gar nicht begonnen.“

Im Grenzgebiet zum Irak proben US-Einheiten unterdessen Häuserkampf und Panzerschlachten in der Wüste. Der Kampf Straße um Straße, Haus um Haus, Zimmer um Zimmer wird in einer ehemaligen Quartzmine in der Wüste geübt – auch in stockfinsterer Nacht mit Hilfe von Nachtsichtgeräten, die den Soldaten Schwarz-Weiß-Bilder liefern. Die Bewegungsabläufe müssen dabei ganz anders koordiniert werden als bei Tageslicht, und Oberst Stephen Twitty gibt seiner Task Force 315 für die erste Übung nur die Schulnote „befriedigend“.

Im wirklichen Kampf wären bei dem Nachtangriff die Hälfte seiner Leute getötet oder verwundet worden. „Ich werte das als ’C’“ sagte er. „Wir werden versuchen, uns auf ’A’ zu steigern.“ Die zweite Übung verlief schon besser, und ein Offizier bilanziert: „Es ist kein schlechter Tag, wenn wir im Training Verluste haben. Aber es ist ein schlechter Tag, wenn wir Verluste im Krieg haben.“

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