UNO: "Der Planet war noch nie so durstig"

Die Vereinten Nationen befürchten eine verheerende Trinkwasserknappheit.
Die Vereinten Nationen befürchten eine verheerende Trinkwasserknappheit. ©dpa
Die Weltbevölkerung wächst, die Industrialisierung schreitet voran: Die Menschheit braucht bald viel mehr Trinkwasser, als sich neu bilden kann. UN-Experten warnen - und bieten eine ungewöhnliche Lösung.

Die Vereinten Nationen befürchten eine verheerende Trinkwasserknappheit. Bis zum Jahr 2050 werde der Wasser-Bedarf voraussichtlich um 55 Prozent steigen, heißt es in einem UN-Bericht, der am Freitag im indischen Neu Delhi vorgestellt wurde. Schon jetzt gelte: “Der Planet war noch nie so durstig.” Und der Ausbau der Bewässerung in der Landwirtschaft, die zunehmende Industrialisierung sowie der Bau neuer thermischer Kraftwerke lasse die Nachfrage weiter ansteigen.

Die Verschwendung einer lebenswichtigen Ressource

Die Menschheit müsse lernen, weniger Wasser zu verschwenden, heißt es in dem Bericht weiter. Viele Bauern etwa benutzten ineffiziente Bewässerungsmethoden – da könne die Politik mit den richtigen Subventionen nachhelfen. Die UN-Autoren empfehlen auch, weniger Kohle-, Atom- und Gaskraftwerke zu bauen, da diese sehr viel Wasser zum Kühlen brauchten. Die Unterstützung für erneuerbare Energien etwa aus Sonne und Wind müsse “dramatisch ansteigen”, um den Wasserverbrauch zu reduzieren.

748 Mio. Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser

Ein weiterer Appell der Vereinten Nationen direkt vor dem Weltwassertag lautet: Wasser darf nicht verschmutzt werden. Heute hätten 748 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 90 Prozent davon leben in Asien und in Afrika südlich der Sahara, teilte das Kinderhilfswerk UNICEF zum Weltwassertag am Sonntag (22. März) mit. Schuld seien etwa Pestizide und Chemikalien, die ins Grundwasser gelangen, aber auch fehlende Kläranlagen. Mehr als 80 Prozent des Abwassers auf der Welt werde nicht aufgefangen oder gesäubert.

1.000 Kinder sterben täglich durch schmutziges Wasser

Jeden Tag sterben fast 1.000 Kinder unter fünf Jahren an Durchfallerkrankungen, verursacht durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Toiletten und mangelnde Hygiene.

Die UNICEF forderte am Freitag daher, dass bis 2030 erstmals alle Menschen weltweit in ihren Häusern oder in der nahen Umgebung eine Grundversorgung mit Trinkwasser und sanitären Anlagen haben sollen. Weltweit gibt es laut dem Kinderhilfswerk noch drei Länder, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung kein Trinkwasser zur Verfügung hat: Mosambik, Papua-Neuguinea und die Demokratische Republik Kongo.

“Das prognostizierte Bevölkerungswachstum von sieben auf neun Milliarden Menschen bis 2050 wird zu einer weiteren Verknappung der Ressource Wasser führen”, sagte Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. “Die Leidtragenden sind die Jüngsten: In 90 Prozent der Todesfälle handelt es sich um ein Kind unter fünf Jahren.”

Zur Bekämpfung von oft tödlichen Durchfallerkrankungen brauche es sowohl die Versorgung mit sicherem Trinkwasser als auch Sanitäranlagen. 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Toiletten. Diese seien aber notwendig, um die Verschmutzung von Wasser mit Fäkalien zu verhindern.

Grundwasserreserven in zu großem Maße angezapt

In vielen Orten der Welt ist dem Bericht zufolge außerdem ein Problem, dass die Grundwasserreserven in zu großem Maße angezapft werden. In den nordchinesischen Ebenen sei der Grundwasserspiegel teilweise mehr als 40 Meter gefallen. “Wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir diese Ressource schätzen, managen und verwenden”, erklärte Unesco-Generalsekretärin Irina Bokova.

WWF: Wasserkrise kann zur ökologischen Katastrophe werden

Die Umweltschutzorganisation WWF warnte, die Wasserkrise könne sich zu einer ökologischen Katastrophe entwickeln. In den vergangenen Jahren seien weltweit schon mehr als 50 Prozent der Flusssysteme, Moore und Seen verloren gegangen. “Die komfortable Wasser-Situation in Deutschland ist global betrachtet ein Ausnahmefall”, so Philipp Wagnitz vom WWF Deutschland.

Klimawandel verschlimmert Wasserknappheit

Der Klimawandel verschlimmere die Wasserknappheit vielerorts noch, hieß es von den Vereinten Nationen weiter. Küstenstätte wie das indische Kolkata, Dhaka in Bangladesch oder das indonesische Jakarta kämpften mit dem Eindringen von Salzwasser in ihre Grundwasserreserven. Auf kleinen Pazifikinseln wie Tuvalu oder Samoa müssten die Menschen zunehmend Flaschenwasser trinken – das könnten sich aber längst nicht alle leisten.

Lösungsansatz: Wasserpreise erhöhen

Ein Lösungsansatz zum Wassersparen könnte es sein, Wasser teuer zu machen. “Die derzeitigen Wasserpreise sind normalerweise viel zu niedrig, um reiche Haushalte und Industrien davon abzuhalten, überzogen viel Wasser zu verbrauchen”, heißt es im Report. Das führe auch dazu, dass es für die öffentlichen Betreiber in vielen Regionen nicht rentabel sei, Leitungen zu den Armen zu legen. Diese müssten dann aus privater Hand Wasser kaufen – zu höheren Preisen als die Reichen.

Komfortable Wasser-Situation: Österreich als Ausnahmefall

“Die komfortable Wasser-Situation in Österreich ist global betrachtet ein Ausnahmefall.” So haben Konflikte im Nahen Osten, Gesundheitsrisiken in der Sub-Sahara, Entwicklungshindernisse in Asien oder Ernteausfälle in Nordamerika als “versteckten” Ausgangspunkt oftmals fehlende, verschmutzte oder schlecht organisierte Süßwasserressourcen. Nicht immer sei die Wasserkrise so deutlich zu erkennen, wie derzeit in Sao Paulo. Die brasilianische Metropole leidet derzeit unter einer Jahrhundertdürre, schrieb die Naturschutzorganisation.

Österreichs “besondere Expertise” in Sachen sauberes Trinkwasser

“Österreich hat besondere Expertise im Bereich Versorgung mit sauberem Trinkwasser. In unserem Schwerpunktland Uganda konnten wir zum Beispiel durch langjähriges Engagement die Wasserversorgung und den Zugang zu Sanitäranlagen für 1,4 Millionen Menschen nachhaltig sicherstellen”, betonte Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Stellungnahme anlässlich des Weltwassertages.

Rund 23 Millionen Euro hat die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, im vergangenen Jahr für Projekte in der Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie im Wasserressourcenmanagement umgesetzt. Allein in Uganda trägt Österreich jährlich mit rund fünf Millionen Euro dazu bei, dass fast 100.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten, schrieb die ADA in einer Aussendung. (dpa/APA/red)

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