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Uni-Zugänge in den Nachbarstaaten

Die Unizugänge sind in Österreichs Nachbarstaaten unterschiedlich geregelt - Deutschland organisiert um, im Osten überwiegt die Aufnahmeprüfung, der Andrang zum Beispiel auf JUS-Fächer ist riesig.

Aufnahmsprüfungen, Numerus Clausus (NC) nach Matura- oder Schulnoten, Studieneingangsphasen oder kombinierte Systeme: Die Zulassungsvoraussetzungen für die Hochschulen in Europa sind von Land zu Land verschieden. Einen komplett freien Hochschulzugang gibt es in Europa derzeit praktisch nur in Österreich. Alle anderen EU-Staaten haben zumindest für das Medizinstudium Zulassungsbeschränkungen eingeführt (ausgenommen Luxemburg, wo gar kein Studium der Humanmedizin angeboten wird). Im Anschluss ein Überblick über die Zugangsregelungen in ausgewählten Ländern.

Deutschland organisiert neu

In Deutschland gilt ab dem Wintersemester 2005/06 ein neues System. Bundesweit gilt dort für sechs Fächer ein NC: Biologie, Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Psychologie und Pharmazie – Betriebswirtschaft wurde im laufenden Sommersemester hingegen von dieser Liste gestrichen. Darüber hinaus können die Universitäten aber auch für einzelne Fächer selbst Zulassungshürden festlegen (örtlicher NC).

Angehende Studenten in den bundesweiten NC-Fächern müssen sich zunächst bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) bewerben. Ab Herbst werden 20 Prozent der Plätze nach dem besten Abiturdurchschnitt vergeben, ebenfalls 20 Prozent nach der Länge der Wartezeit und 60 Prozent von den Hochschulen selbst. Mögliche Verfahren dabei sind Vorstellungsgespräche, Studierfähigkeitstests oder die Berücksichtigung von Berufsausbildungen bzw. praktischen Erfahrungen. Im Regelfall wird aber erwartet, dass die Unis für „ihre“ Quote zunächst eine Vorauswahl der Kandidaten ebenfalls über die Abiturdurchschnitts- oder bestimmte Einzelnoten treffen, da ansonsten zu viele Bewerbungsgespräche geführt bzw. Tests ausgewertet werden müssen. Im Wintersemester 2004/05 standen in den sieben bundesweiten NC-Fächern den 30.247 angebotenen Studienplätzen 93.076 Bewerber gegenüber. Das bedeutet, dass 62.829 Interessenten abgewiesen werden mussten (darunter 25.477 in der Medizin).

In der Schweiz liegt die Entscheidung über die Zulassung zu einem Universitätsstudium ebenfalls grundsätzlich in der Kompetenz der einzelnen Universität. Einen landesweiten NC gibt es in den Fächern Medizin, Zahnmedizin und Veterinärmedizin, die Auswahl erfolgt auf Grund einer Eignungsprüfung. Spezielle Regelung des Nicht-EU-Staats: Auf Grund der beschränkten Kapazitäten werden in den medizinischen Studienrichtungen praktisch keine ausländischen Bewerber aufgenommen.

Die Zulassungsquoten sind auch in der Schweiz unterschiedlich: Für 2.297 Interessenten im laufenden Studienjahr standen in der Humanmedizin 940 Anfängerplätze zur Verfügung. Ähnliche Verhältnisse gibt es in der Tiermedizin mit 318 Bewerbern für 150 Plätze, besser haben es die Zahnmediziner, wo 228 Interessenten immerhin 183 Plätzen gegenüber stehen.

In der Slowakei werden die Studenten derzeit meist auf Grund der Ergebnisse von Aufnahmeprüfungen, die die einzelnen Departments der Universitäten durchführen, aufgenommen. Als Begründung führen die Comenius Universität in Preßburg sowie die Wirtschaftsuniversität in Preßburg an, dass das Niveau der Mittelschulen zu differenziert sei und die Maturanoten daher keinen einheitlichen Aussagewert hätten. Den größten Andrang gibt es für die Fächer Jus und Medizin, wo das Verhältnis zwischen Bewerbern und Aufgenommenen in der Regel 15 zu eins beträgt. Dieses System könnte sich in Zukunft aber ändern: Heuer wird eine für alle Schulen einheitliche Matura eingeführt. Einige Hochschulen haben daher angekündigt, im Rahmen der Aufnahmeprüfungen auch die Reifeprüfungs-Noten zu berücksichtigen.

Etwas anders sieht es an den technischen Hochschulen in der Slowkei aus, die in den vergangenen Jahren einen Rückgang an Interessenten hinnehmen mussten. Dort werden in der Regel alle aufgenommen, die die Matura in Mathematik und Physik mit der Note A (Sehr Gut) abgeschlossen haben.

Tschechien setzt auf Prüfung

In Tschechien bildet in der Regel eine Aufnahmsprüfung das Hauptkriterium für die Zulassung. Schul- bzw. Maturanoten spielen dabei nur eine beschränkte Rolle, sie bringen dem Bewerber im Ausleseverfahren nur einige Extrapunkte (an der Prager Hochschule für Ökonomie bleiben sie überhaupt unberücksichtigt). Ausnahmen gibt es für die Medizin und für technische bzw. naturwissenschaftliche Fächer: An der Medizin reicht etwa ein Notenschnitt von 1,20 in der Mittelschule für die Aufnahme (gleiches Notensystem wie in Österreich). Auf Grund des geringeren Andrangs weniger streng ist das Limit an einigen technischen oder naturwissenschaftlichen Hochschulen bzw. Fakultäten.

Resultat: Die Maschinenbau-Fakultäten, elektrotechnische Fakultäten oder die Hochschule für Chemie nehmen 80 bis 90 Prozent aller Bewerber auf, während die Jus-Fakultäten umgekehrt 80 bis 85 Prozent der Interessenten ablehnen. An den Medizin-Fakultäten schaffen es im Durchschnitt 20 bis 35 Prozent der Bewerber. Neben Maturanoten und Aufnahmsprüfungen verlangen einige Fakultäten (etwa in der Medizin oder der Lehrer-Ausbildung) noch ärztliche Bestätigungen.

In Ungarn wurde bisher der Studienzugang durch Aufnahmsprüfungen reguliert. Ab heuer wird diese Regelung allerdings vollständig durch ein Punktesystem auf Grund des Maturaergebnisses ersetzt. Zusätzlich bekommt man noch Punkte für die Jahreszeugnisses der letzten beiden Schuljahre. Die Maximalzahl der so erreichbaren Punkte ist 120, zusätzliche werden etwa für staatliche Sprachprüfungen vergeben. Neben der landesweit einheitlichen „normalen“ Matura gibt es zudem seit einigen Jahren auch Maturaprüfungen „mit erhöhtem Niveau“. Deren Absolvierung ist bei bestimmten Studienrichtungen (z. B. Sprachen) Voraussetzung für die Aufnahme.

Die Studierwilligen reichen nach eigenen Präferenzen gereihte Aufnahmeanträge an jenen Hochschulen ein, wo sie studieren möchten. Im Jahr 2005 bewarben sich 150.000 Personen mit insgesamt 350.000 Anträgen für ein Studium. Die Universitäten veröffentlichen anschließend eine Liste mit den Mindestpunktezahlen für alle Studienrichtungen.

In Italien gibt es für vier Studienrichtungen einen Numerus Clausus auf gesamtstaatlicher Ebene: Medizin, Zahnheilkunde, Veterinärmedizin und Architektur. Jedes Jahr im September werden dafür Aufnahmetests durchgeführt – wer sie besteht, wird zum Studium zugelassen. Die Festlegung der Zahl der Medizinstudenten erfolgt jedes Jahr durch Unterrichts- und Gesundheitsministerium. Jede Universität hat darüber hinaus das Recht, einen Numerus Clausus einzuführen, wenn an einer Fakultät eine Höchstzahl an Studenten überschritten wird.

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