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Ungewöhnlicher Geburtstag für Bush

Schon bei seiner Abreise nach Kopenhagen am Dienstag wusste US-Präsident George W. Bush, dass er vor einem ungewöhnlichen Geburtstag steht. Unklar war zu der Zeit nur, ob er sich später einmal gerne an seinen 59. erinnern würde.

Im besten Fall würde sein Ehrentag am Mittwoch von königlichem Glanz und amerikanischem Triumph geprägt. Gut möglich war aber auch, dass die Bilder des Tages von heftigen antiamerikanischen Protesten bestimmt sein würden und das Geschenk des Tages nicht an ihn sondern an den französischen Präsidenten Jacques Chirac gehen könnte.

Zumindest an Festlichkeiten wird es an diesem Mittwoch nicht mangeln: Auch für einen US-Präsidenten ist es ungewöhnlich, an einem Tag gleich von zwei Königinnen, der dänischen Monarchin Margrethe II. am Mittag und dann dem britischen Staatsoberhaupt Elizabeth II. am Abend zu Galaveranstaltungen gebeten zu werden.

Allerdings hat Bush im Vorfeld seines vierten Europabesuchs in diesem Jahr möglicherweise einige folgenschwere Fehler begangen, die ihm zumindest den Abend im Kreise der G8-Gipfelteilnehmer auf Schloss Gleneagles etwas vergällen könnten. Zum einen ließ er in Interviews keinerlei Kompromissbereitschaft beim zentralen Gipfelthema Umwelt erkennen – was den Gastgeber und engen politischen Freund, den britischen Premier Tony Blair sicher wenig freuen wird. Zum anderen ließ er sich in eine Gespräch mit der „Times“ dazu hinreißen, sich als Geburtstagsessen das schottische Nationalgericht Haggis zu wünschen. Wenn er Pech hat, erfüllt ihm die Königin den Wunsch.

„Normalerweise hat mich meine Mutter an meinem Geburtstag immer gefragt: ’Was magst du essen? … Und ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals gesagt hätte: ’Haggis, Mama“, erzählte Bush. Er sei nun “über Haggis ausführlich informiert worden.“ In seiner Umgebung gibt es nun aber erhebliche Zweifel, ob dem Texaner und bekennenden Steak-Liebhaber das für Schottland typische Mahl aus haschierten Lamminnereien tatsächlich schmecken würde. Zumindest die Runde der Staatsgäste könnten Augenzeugen einer für Bush recht schwierigen Konfrontation mit dem Lammbrei werden.

Bush wird sicher in Kopenhagen und Gleneagles allerhand Präsente bekommen – aber das größte Geschenk wartet nicht unbedingt auf ihn. Zwar hat sein Freund, der schwerreiche US-Unternehmer Roland Betts am vergangenen Montag etwas großspurig versprochen, „dem Präsidenten die Olympischen Spiele in New York 2012 zum Geburtstag zu schenken.“ Aber die Ostküsten-Metropole gilt keineswegs als Favorit, wenn am Mittwoch in Singapur das IOC über den Austragungsort entscheidet. Also könnte für Bush im schlimmsten Fall ausgerechnet an seinem Geburtstag Chirac die begehrte Olympia-Trophäe für Paris bekommen – vielleicht freut sich auch Blair über eine Wahl Londons oder der russische Präsident Wladimir Putin über eine Entscheidung zu Gunsten Moskaus. Da Spanien nicht zur G8 zählt ist nur Olympiastadt-Kandidat Madrid auf dem G8-Gipfel nicht vertreten.

Eine Niederlage New Yorks wäre vermutlich Balsam auf die Gemüter mancher G8-Teilnehmer. Schließlich muss der illustre Kreis der Führer der reichsten Staaten der Welt ausgerechnet den Klassenstärksten und (zumindest aus der Sicht einiger) größten Raufbold, den Spielverderber und Besserwisser wegen seines Geburtstags besonders feiern. Denn ob Umweltfragen, Afrikahilfe oder Nahost-Politik: Bush ließ bisher nur erkennen, dass er ungeachtet aller globalen Mehrheiten vor allem seinen Kopf durchzusetzen will.

Dass er seinen 59. Geburtstag auch als Stress empfindet ließ er nur indirekt erkennen. Er hoffe, zumindest einmal mit seiner Frau Laura „einen Spaziergang im schottischen Nebel“ machen zu können. Leider habe Blair das Programm so überfrachtet, dass es für Erholung oder Golfspielen keinen Platz gebe, hatte Bush lachend angemerkt. In Washington weiß man, dass er einen etwas wenig arbeitsintensiven Gipfel bevorzugt hätte – insbesondere an seinem Ehrentag.

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