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Ungewisse Zukunft für vertauschte Kinder

Es war nur eine Minute der Unachtsamkeit, damals am 7. September 2003. Eine Krankenschwester im König-Chaled-Krankenhaus in der saudi-arabischen Stadt Nadschran vertauschte zwei Neugeborene, die ihre Eltern Ali und Yakup genannt hatten.

Beide Buben waren gesund und wurden von ihren glücklichen „Eltern“ nach Hause mitgenommen. Doch der kleine Missgriff hat das Leben zweier Familien in Saudi-Arabien und in der Türkei auf den Kopf gestellt.

Denn nach einer Reihe von DNS-Tests steht nun zweifelsfrei fest:
Der vierjährige Ali, der in Nadschran als Sohn des Kamelzüchters Mohammed al-Mindschem lebt, ist in Wirklichkeit der Sohn des türkischen Elektrikers Yusuf Cüce, der damals in Nadschran eine Werkstatt eröffnet hatte. Der gleichaltrige Yakup mit den großen schwarzen Augen, den Yusuf Cüce und seine Ehefrau als ihr Kind aufgezogen haben, ist ein Spross der arabischen Al-Mindschem-Familie.

Doch wie bringt man einem vier Jahre alten Buben bei, dass die Frau, die er Mutter nennt, und der Mann, dessen Familiennamen er trägt, nicht seine wahren Eltern sind? „Für Yusuf war es unheimlich schwer. Er hat zu Yakup gesagt: Hör mal zu, Du hast zwei Mütter und zwei Väter, so wie jedes Kind halt auch zwei Großväter und zwei Großmütter hat“, erzählt Cüces Schwager, Alaa al-Din Ibrahim Yildiz. Trotzdem habe Yakup bitterlich geweint. Und die beiden älteren Kinder des Ehepaares, ein Bursche und ein Mädchen, die beide die Grundschule besuchen, erklärten trotzig: „Yakup ist unser Bruder. Den anderen Buben kennen wir doch nicht.“

Die Verwandten der Cüces, die in Hatay nahe der syrischen Grenze leben, hatten schon wenige Monate nach Yakups Geburt, als die Eltern ihren Jüngsten erstmals in die Türkei brachten, Zweifel an der Herkunft des Kindes angemeldet. „Die Eltern und ihre beiden älteren Kinder sind alle weiß wie Schnee, Yakup dagegen hat braune Haut und sah niemandem in der Familie ähnlich“, sagt Yildiz. Da Yusuf mit einer Cousine verheiratet ist, wagte allerdings niemand in der Familie zu behaupten, sie habe das Kind möglicherweise mit einem anderen Mann gezeugt. „Niemand zweifelte an ihrer Tugend“, betont der Schwager. Schließlich ließen sich die Cüces von der Verwandtschaft überzeugen und reisten für DNS-Tests in die türkische Hauptstadt Ankara. Das Ergebnis war für sie niederschmetternd. Im Labor war man sich sicher: Yakup konnte nicht ihr Sohn sein.

Für die Familie begann eine schwere Zeit. Der Vater reiste zurück nach Saudi-Arabien und machte sich auf die Suche nach seinem Sohn. Erst sei er überall auf verschlossene Türen gestoßen, berichtet eine seiner Schwestern. Schließlich wandte er sich an Prinz Mischaal Ibn Saud, den Gouverneur von Nadschran, der Verständnis für die Seelenpein des türkischen Vaters zeigte. Ermittlungen in der Klinik führten Yusuf Cüce schließlich auf die Spur des Kindes in Nadschran.

Die arabische Familie, die ihrerseits nie an der Herkunft von ihres Kindes gezweifelt hatte, wollte erst nicht glauben, was man ihnen da sagte. Dann brachten weitere Tests Gewissheit. Die Justiz wurde eingeschaltet. Doch ausgestanden ist die Sache noch keineswegs. Alis Vater, der sich mit seiner Frau und Yakup derzeit in Nadschran aufhält und seine beiden älteren schulpflichtigen Kinder bei der Verwandtschaft in der Türkei lassen musste, kämpft immer noch mit den Behörden. Seine Stimme am Telefon klingt traurig und ein wenig mutlos. Yusuf Cüce durfte seinen Sohn noch nicht in die Arme schließen. Er kennt den Jungen mit dem glatten dunklen Haar, der seinem älteren Bruder Ahmed so ähnlich sieht, bisher nur vom Foto.

Der saudi-arabische Vater droht seinerseits mit einer Klage gegen das Gesundheitsministerium. Er sagt, er habe Ali sehr ins Herz geschlossen, und fordert nun eine finanzielle Wiedergutmachung für seinen emotionalen Schmerz.

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