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Unfassbar: Amt steckt kleinen Bub in den Zirkus

Jeremie wurde als Feuerspucker ausgebildet. Schule gabs nur über das Internet. Symbolbild
Jeremie wurde als Feuerspucker ausgebildet. Schule gabs nur über das Internet. Symbolbild ©EPA
Das Jugendamt steckt ein Kind aus schwierigen Verhältnissen in einen Zirkus. Nach zwei schlimmen Jahren flieht er in einem Auto der Pflegefamilie.

Dies ist die noch junge Lebensgeschichte eines 11-Jährigen: Weil seine Eltern drogenabhängig sind, wächst Jeremie bei seinen Großeltern auf. Doch der Junge ist anscheinend verhaltensauffällig; er macht sich heimlich davon und schmeißt Scheiben ein – das Jugendamt wird aufmerksam. Sie zerren ihn im Dezember 2010  von der Oma weg und verfrachten ihn in eine Zirkus-Familie.  Sieben Pflegekinder soll der kleine Zirkus in Mecklenburg-Vorpommern schon beheimaten.

Bub als Bettler und Feuerspucker

Wie seine Großmutter der “Bild” berichtet, wird der Jüngling zum Feuerspucker ausgebildet, muss in den Morgenstunden den Stall säubern und bei Bauern um Heu betteln. Ein Nachbar des Zirkus äußert sich schockiert: “Gestern sind die Kinder wieder bettelnd durch den Ort gezogen.” Angeblich wurde man sogar handgreiflich gegen den Jungen.

Jüngling flieht

Seine Eltern waren kein Rückhalt und auch auf den Staat ist anscheinend kein Verlass, deswegen versucht der Knirps sich alleine durchzuschlagen: Vor ein paar Tagen reißt der 11-Jährige aus und fährt mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern davon. Mittlerweile wurde das Auto gefunden – 105 Kilometer vom Zirkus entfernt. Vom Kleinen keine Spur.

Auch an Weihnachten keine Ausnahme

Zwei Jahre verbrachte Jeremie bisher im Wanderzirkus: “Wir wollten mit Jeremie Weihnachten feiern, aber das Amt hat das verboten”, so die Großmutter zur “Bild”. Das Amt sorgt sich anscheinend um das Wohlergehen des Kindes und möchte es vor den Dynamiken der Familie bewahren, die ihn immer stark verunsichert haben.

Kind sucht den Kontakt zu seinen Großeltern

Eine Sprecherin des Bezirksamt Hamburg-Mitte erklärte: “Bei schwierigen Jugendlichen gibt es auch mal ungewöhnliche Konzepte.” Dies ist bisher die einzige Angabe des umstrittenen Amtes.

Der “Neukirchener Erziehungsverein” vermittelte den Wanderzirkus: “Die Kinder werden in Familien untergebracht, wo sie besonders gut aufgehoben sind. Das sind z. B. Bauernhöfe, Ponyhöfe, Zirkusfamilien oder auch schon mal in einer Stunt-Show.” Der Zirkus wollte sich nicht äußern.

Politikerin Christiane Blömeke wettert: “Ich habe starke Zweifel, dass das Jugendamt hier seine Obhuts- und Kontrollpflicht ausreichend ausgeübt hat.”

Der kleine Flüchtling meldete sich am Donnerstag Tag via Telefon bei seinen Großeltern. Solange er nicht zu seiner Oma und seinem Opa zurückdarf,  möchte er seinen Aufenthaltsort nicht preisgeben.

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