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UN-Konferenz für Katastrophenvorbeugung

Die Fluttragödie am Indischen Ozean und die Suche nach Frühwarnsystemen haben am Dienstag den Beginn der UN-Konferenz zur Katastrophenvorsorge in der japanischen Stadt Kobe bestimmt.

„Der beste Weg, die Toten zu ehren ist, die Lebenden zu schützen“, sagte UN-Hilfskoordinator Jan Egeland in seiner Eröffnungsrede vor mehr als 4.000 Konferenzteilnehmern aus über 150 Ländern. In zehn Jahren müsse es in allen Ländern ein effektives Vorsorgekonzept geben, damit künftig nicht mehr so viele Menschen durch Naturkatastrophen sterben. Die deutsche Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) stellte das deutsche Modell für ein Tsunami-Frühwarnsystem vor, das die Beobachtungen am Boden, im Meer und in der Luft integriert.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte in einer Video-Grußbotschaft die Weltgemeinschaft auf, aus dem Desaster vom 26. Dezember zu lernen, durch das mehr als 160.000 Menschen getötet wurden. Egeland regte an, bis 2015 wenigstens zehn Prozent der Milliarden-Summen, die weltweit für Nothilfen aufgewendet wurden, für die Risikovorsorge auszugeben.

Die schon seit zwei Jahren geplante Konferenz in Kobe hat durch die Tsunami-Katastrophe erhöhte Brisanz bekommen. Am Mittwoch und Donnerstag sind zwei Tsunami-Sondersitzungen geplant. Doch Tsunamis sind nur eines von mehreren Themen. In Dutzenden von Sitzungen wollen die Delegierten bis Samstag über Wege beraten, wie die Menschen mehr Sicherheit auch vor Erdbeben, Überschwemmungen oder Wirbelstürmen gewinnen können. Zum Tagungsspektrum gehört auch die Vorführung von Rettungshunden und Rettungsrobotern sowie Erdbebensimulationssystemen.

Gastgeber Japan bot den Vereinten Nationen (UN) eine Datenbank an, in der weltweite Erfahrungen im Umgang mit Katastrophen gesammelt sowie Informationen zu Technologien für den Katastrophenschutz erfasst werden. Zugleich kündigte Japan an, Katastrophenexperten in Entwicklungsländern auszubilden. Auch Klaus Töpfer, Direktor des UN-Umweltprogramms, plädierte in Kobe für ein globales Frühwarnsystem, das in die Entwicklungsstrategien eingebunden wird, „in Afrika genauso wie in Asien oder in Lateinamerika“, sagte er dem „ZDF- Mittagsmagazin“.

Bei dem von Bulmahn vorgestellten deutschen Modell für ein Tsunami-Frühwarnsystem erfassen Meeresbojen Wellenbewegungen und übertragen sie per Funktechnik in Echtzeit an Rechenzentren. Das vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) entwickelte System sei schneller als das bisher eingesetzte aus den USA. Es kann nach Angaben der GFZ innerhalb von ein bis drei Jahren aufgebaut werden und soll insgesamt rund 45 Millionen Euro kosten.

Töpfer warnte davor, nur auf die Technik zu setzen. Wichtig sei auch die Erziehung und die Ausbildung der Menschen, damit sie besser auf Katastrophen vorbereitet sind, sagte er. Auch andere Delegierte hoben die Notwendigkeit hervor, der Bevölkerung in den jeweiligen betroffenen Ländern und Regionen die Gefahren bewusst zu machen. So müssten schon die Kinder darüber informiert und das richtige Verhalten in den Schulen trainiert werden. Krankenhäuser, Schulen und Gesundheitszentren müssten zudem robust genug gegen Erdbeben und Überschwemmungen gemacht werden.

„Es macht Sinn, in Katastrophenvorsorge zu investieren, weil es billiger ist als der Wiederaufbau“, sagte Thomas Schaef, Experte für Katastrophenvorsorge bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), in Kobe. Eine Kosten-Nutzen-Analyse könne helfen, die Finanzminister zu überzeugen, mehr Mittel für Vorsorgemaßnahmen bereitzustellen. Dies gelte vor allem für Entwicklungsländer. Angesichts des Tsunami werde im Moment viel angestoßen. „Es gab noch nie eine so große Katastrophe“, sagte Schaef. Allerdings zeige die Erfahrung, dass die „Lernkurve“ irgendwann wieder abfällt.

Egeland äußerte jedoch die Hoffnung, dass am Ende der fünftägigen Konferenz ein Programm zu Stande komme, das das nächste Jahrzehnt zu einer Dekade der Katastrophenvorsorge mache und die Zahl der Opfer durch künftige Katastrophen drastisch reduziert werde.

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