Umwelt-Katastrophe in Ungarn forderte Tote

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Eine der größten Umweltkatastrophen Ungarns, nur 60 Kilometer Luftlinie von der österreichischen Grenze entfernt, hat am Dienstag vier Menschenleben gefordert, darunter zwei Kleinkinder. In einem Aluminiumwerk war in einem mit ätzendem Rotschlamm gefüllten Becken ein Damm gebrochen.
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Auf die Dächer geflüchtet
Notstand in drei Komitaten
Extrem ätzende Substanz
Giftschlamm in Ungarn

Das giftige Material ergoss sich anschließend über die umliegenden Dörfer, etwa 120 Personen wurden verletzt, das Ausmaß der Umweltzerstörung war vorerst nicht absehbar. Die ungarischen Behörden ermitteln bereits wegen Fahrlässigkeit. Für die Komitate Veszprem, Vas und Györ wurde der Notstand verhängt.

Besonders schlimm traf es die ans Werk angrenzenden Ortschaften Kolontar, Devecser und Somlovasarhely. Rund eine Million Kubikmeter Rotschlamm, ein Abfallprodukt aus der Aluminiumgewinnung, das Natronlauge und Schwermetalle enthält, flossen aus dem geborstenen Becken, für das laut österreichischem Umweltministerium ein Schutzplan für lediglich 300.000 Kubikmeter existiert. Die Substanzen können bei Hautkontakt lebensgefährliche Reaktionen auslösen.

Die MAL AG baut am Rand der 30.000-Einwohner-Stadt Ajka Bauxit ab. Dieses wird mittels Natronlauge “aufgebrochen” – das dadurch gewonnene Aluminium wird abgefiltert, über bleiben Eisen sowie Titanoxide. “Diese Stoffe sind extrem giftig, aber nicht radioaktiv. Die Umweltbelastung ist aber erheblich”, erklärte ein Sprecher von Global 2000. Der toxische Rotschlamm würde laut Greenpeace nicht nur ins Grundwasser sickern und dieses vergiften, sondern könnte in getrocknetem Zustand viele Kilometer weit verfrachtet werden.

Von der Katastrophe waren auch die Mitarbeiter eines burgenländischen Baustoffunternehmens betroffen. Geschäftsführer Michael Leier hat rund 20 Bedienstete zu den Aufräumarbeiten im Dorf Devecser abgestellt: “Die Leute dort sind natürlich sofort auf das Dach geflohen, weil das Wasser bis zu über einen Meter gekommen ist”, berichtete Leier im APA-Gespräch von den Ereignissen nach dem Dammbruch. “Wir haben das Glück, dass wir auf der anderen Seite von Devecser sind. Aber natürlich sind Mitarbeiter von uns betroffen, die haben wir natürlich nach Hause geschickt”, so Leier.

Den Einsatzkräften bot sich ein Bild der Verwüstung. In Kolontar und der benachbarten Kleinstadt Devecser stand der rote Bauxitschlamm meterhoch. Die Schlammlawine begrub hunderte Häuser, Autos und Gärten unter sich. Tote Fische aus dem Fluss Marcal wurden an die Ufer geschwemmt, berichtete die dpa. “Ich finde keine Worte dafür”, zitierte das Internet-Portal “nol.hu” einen 25-jährigen Mann. “Ich rannte auf den Kirchhügel und musste zusehen, wie die Flut einfach mein Auto verschlang.”

Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) gab indes Entwarnung für Österreich. “Allerdings wird sich durch die dramatische Hochwassersituation das Ausmaß des Gift-Gaus für Ungarn weiter verschlimmern”, hieß es in einer Aussendung. Und weiter: “Wie mittlerweile bekanntwurde, war der Schutzplan der Aluminiumfabrik für lediglich 300.000 Kubikmeter Giftschlamm ausgelegt – ausgetreten sind allerdings rund eine Million Kubikmeter. Daher ermitteln die ungarischen Behörden nun wegen Fahrlässigkeit.”

Die MAL AG musste nach dem Unfall auf Anordnung von Umweltstaatssekretär Zoltan Iles ihre Tätigkeit im Werk bei Ajka einstellen. Illes forderte laut ungarischer Presseagentur MTI das Unternehmen auf, umgehend mit den Reparaturarbeiten am gebrochenen Speicher zu beginnen. Es bestehe der Verdacht, dass im Speicher mehr Rotschlamm gelagert war als erlaubt.

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