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Ukraine: Jechanurow ist neuer Ministerpräsident

Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat im zweiten Anlauf seinen Wunschkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten durchgebracht. Die Wahl fiel auf Juri Jechanurow, ein erfahrener Wirtschaftsreformer.

Bei der Abstimmung im Parlament in Kiew erreichte der 57-jährige Jechanurow mit 289 Stimmen eine klare Mehrheit der 450 Abgeordneten.

Am Dienstag, knapp zwei Wochen nach der Auflösung der alten Regierung von Julia Timoschenko, hatte das Parlament Jechanurow als neuen Ministerpräsidenten abgelehnt. Das war allgemein als Niederlage für den Präsidenten gewertet worden.

Jechanurow gilt als pragmatischer Politiker und enger Vertrauter von Juschtschenko. Seit der Entlassung der Regierung Timoschenko leitet er die Regierungsgeschäfte kommissarisch. Juschtschenko hatte das alte Kabinett am 8. September von seinen Aufgaben entbunden. Grund waren Korruptionsvorwürfe.

Neuer ukrainischer Ministerpräsident ohne große politische Ambitionen

Der neue ukrainische Ministerpräsident Juri Jechanurow (57) ist im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Julia Timoschenko, ohne große eigene politische Ambitionen.

Seit 1991 hat der studierte Bauingenieur unter drei ukrainischen Präsidenten auf vielen Regierungsposten gedient. Er verfügt über Kontakte zu allen politischen Lagern.

Jechanurow wurde am 23. August 1948 in der sibirischen Teilrepublik Jakutien geboren. Nach der Ausbildung in Kiew machte er in den 1970er Jahren im Bauwesen der ukrainischen Hauptstadt Karriere. Mit der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion 1991 wechselte er in die Politik und sattelte von der Planwirtschaft auf die Marktwirtschaft um.

Unter Präsident Leonid Kutschma leitete Jechanurow 1995 die Massenprivatisierung von Staatseigentum. Deutsche Berater der ukrainischen Regierung loben bis heute seinen positiven Einfluss auf die Gesetzgebung für kleine und mittlere Unternehmen.

Von 1999 bis 2000 arbeitete Jechanurow als Vizeregierungschef erstmals mit dem heutigen Staatschef Viktor Juschtschenko, damals noch Ministerpräsident, zusammen. Nach der Entlassung Juschtschenkos blieb Jechanurow zunächst in Kutschmas Präsidialamt. Erst bei der Parlamentswahl 2002 stellte er sich offen auf die Seite des jetzigen Staatsoberhaupts und vertrat dessen Parteienblock „Unsere Ukraine“ im Parlament. Nach seinem Amtsantritt als Präsident entsandte Juschtschenko den Weggefährten als Gouverneur in die ostukrainische Industrieregion Dnepropetrowsk, die der „Orangenen Revolution“ feindlich gegenüber stand.

Das asiatische Aussehen hat Jechanurow von seinem Vater geerbt, der zum sibirischen Volk der Burjaten gehört. Seit Jahren ist der Politiker ein führendes Mitglied der buddhistischen Gemeinde in Kiew.

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