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"Übergriffe und Ausbeutung"

Bei der Frage nach illegaler Prostitution in Vorarlberg gehen die Meinungen mitunter weit auseinander.
Bei der Frage nach illegaler Prostitution in Vorarlberg gehen die Meinungen mitunter weit auseinander. ©dpa
Christian Knappik von sexworker.at berichtet von teils schockierenden Zuständen im Rotlicht-Milieu Vorarlbergs.
Vorarlberg bleibt bordellfreies Land

Knappik betreut das Online-Portal www.sexworker.at, auf dem sich Sexarbeiterinnen in einem geschützten Rahmen austauschen und auch Beratung suchen können. „Wir haben bisher über hundert Anfragen aus Vorarlberg erhalten, es sind etwa zwei bis drei im Monat“, erklärt Knappik. „Was Prostitution angeht, ist Vorarl­berg sicher eines der, wenn nicht das härteste Pflaster in Österreich! Vorarlberg ist von einer heuchlerischen Gesetzgebung zu Ungunsten von Sexarbeiterinnen gefärbt. Bei allem Verständnis für lokale Politiker, welche sich zu dem Thema nicht äußern und falls doch, Sexarbeit als nicht vorhanden erklären, ist es nahezu unerträglich, dass genau dieses Verhalten Ausbeutung und Zuhälterei ermöglicht bzw. unterstützt.“ Dieser Einschätzung widerspricht Major Philipp Stadler, Leiter des LKA Vorarlberg: „Die Polizei hat das Phänomen der illegalen Prostitution, welche in Vorarlberg vorwiegend in Hotels oder Ferienwohnungen ausgeübt wird, ständig im Überblick. Die von Herrn Knappik skizzierte Dimension dieses Phänomens stimmt allerdings nicht mit den polizeilichen Erkenntnissen überein.“

„Fünf Vergewaltigungen“

Konkret berichtet Knappik von fünf Vergewaltigungen in Vorarlberg in den letzten vier bis fünf Jahren: „Durch unsere Notrufnummer können wir abschätzen, woher die meisten Anfragen kommen – und im Vergleich zur Bevölkerungszahl sind die Problemstellungen gerade in Vorarlberg von hoher Zahl. Ich kann von fünf nicht zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen berichten. Diese Frauen sind nicht zur Polizei gegangen, weil sie sich damit auch selbst anzeigen würden. Dass es männliche und weibliche Sexarbeiter auch im Westen Österreichs gibt, sollte unbestritten sein. Wenn ich diese Leute und ihre Tätigkeit illegalisiere, so bin ich mitverantwortlich, wenn Personen Angst haben, etwaige Übergriffe oder Ausbeutung zur Anzeige zu bringen.“ Major Stadler erwidert hierzu: „Selbstverständlich geht die Polizei jedem Verdacht einer Straftat nach, insbesondere, wenn es sich um schwere Gewalt- und/oder Sexualverbrechen handelt. Gerade in jenen Fällen, in denen Prostituierte Opfer von Straftaten wie Menschenhandel oder Vergewaltigung werden, sind diese Frauen wichtige Zeugen für das Strafverfahren, weshalb eine besonders sensible Vorgehensweise der involvierten Ermittler und Behörden gewährleistet werden muss. In aller Regel wird Opfern solcher Straftaten eine umfangreiche Betreuung sowie rechtliche und psychosoziale Prozessbegleitung angeboten. In den Jahren 2017 und 2018 wurden in Vorarlberg bis dato keine illegalen Bordelle festgestellt. Im Jahr 2016 wurde ein illegales Bordell, welches von drei als Prostituierten tätigen Frauen selbst betrieben wurde, geschlossen und die drei Betreiber­innen/Prostituierten verwaltungsstrafrechtlich belangt.“

„Scheinmoral“

„Ich bin nicht per se Befürworter von Prostitution, mir geht es hier um Menschenrechte. Das Negieren der tatsächlichen Gegebenheiten in Vorarlberg verschärft die Situation zusätzlich – zu Lasten der Sexarbeiterinnen, die vollkommen rechtlos sind und sich an niemanden wenden können“, übt Knappik scharfe Kritik an der Gesetzgebung in Vorarlberg. „Das Land nimmt sich aus der Verantwortung und schiebt diese an die Bürgermeister ab, die sich nicht trauen. Dies kann man nur unverantwortlich und mit Scheinmoral behaftet nennen. Ist das wirklich die Welt, in der wir Leben wollen?“, fragt Christian Knappik abschließend.

Urteil im Bordell-Prozess

Vergangene Woche bestätigte der Verwaltungsgerichtshof, dass es keine rechtliche Voraussetzung für ein Bordell in Hohenems gebe. Dafür müssten relevante Störungen durch illegale Prostitution als Grundlage vorliegen.

3 Fragen an Katharina Wiesflescker, Landesrätin für Frauen und Soziales

Gibt es ein Problem mit illegaler Prostitution in Vorarlberg?

Es ist richtig, auch wenn Prostitution generell gesetzlich verboten ist, findet sie in der Illegalität statt. Die Exekutive geht allen Hinweisen über Wohnungsoder Anbahnungsprostitution nach und die Betreiber erhalten selbstverständlich auch Anzeigen.

Gibt es ausreichend Beratung/Betreuung für Sexarbeiterinnen in Vorarlberg?

Es gibt Beratung und Begleitung in Vorarlberg vor allem durch das Clean Bregenz, die aber offensichtlich aufgrund von Sprachproblemen nur sehr begrenzt angenommen wird.

Glauben Sie, dass Illegalisierung und die damit verbundene Stigmatisierung hier der richtige Weg sind?

Ich war der Meinung, dass man in Vorarlberg die Prostitution aus der Illegalität in die Legalität führen sollte, damit die Frauen gesundheitlich besser versorgt und geschützt sind. Die Entwicklungen in Deutschland sind aber dermaßen erschreckend, dass ich mich von dieser Haltung verabschiedet habe. Man darf Prostitution nicht romantisieren, es ist und bleibt körperliche und seelische Ausbeutung, hauptsächlich von Frauen und Mädchen, auch Männern.

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